Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klein aber Oho: Ameisen helfen bei der Regenerierung des Regenwaldes

08.04.2014

Ameisen tragen, ähnlich wie Vögel und Nagetiere, zur Verbreitung von Pflanzensamen bei. Forscher haben nachgewiesen, dass Ameisen bei der Regenerierung des Regenwaldes mithelfen.

Dass Tiere bei der Ausbreitung von Pflanzen mithelfen, ist bekannt. Der Fachbegriff dafür lautet Zoochorie. Vögel, Nagetiere, Affen, Weidetiere, Insekten und nicht zuletzt auch Ameisen sind an der Verbreitung der Samen, genau genommen den Diasporen, von Pflanzen und Pilzen beteiligt. Den Forschern ist es nun gelungen, die Ausbreitung der Diasporen durch Ameisen (Myrrmekochorie) zu belegen und ihren Nutzen am Beispiel des bolivianischen Bergregenwaldes nachzuweisen.


Viele Pflanzen, wie zum Beispiel das Schneeglöckchen, sind bei der Ausbreitung ihrer Samen auf die Hilfe von Ameisen angewiesen. (Bildquelle: © böhringer friedrich/ wikimedia.org/ CC BY-SA 2.5)

Der bolivianische Bergregenwald ist gefährdet

Der Bergregenwald rund um das kleine Dorf Chulumani ist in seiner Existenz bedroht. Unkontrollierte Brandrodung und der flächendeckende Anbau von Kokapflanzen setzen ihm zu, mit gefährlichen Folgen für das Ökosystem. In seiner ursprünglichen und natürlichen Gestalt existiert der Bergregenwald heute nur noch auf zwei Arealen von je 3000 Hektar, die inmitten gerodeter Waldflächen liegen, auf denen hauptsächlich nur noch Farne (Pteridium arachnoideum) und Sträucher wachsen. Um herauszufinden, ob Ameisen dabei helfen können, zu einer Erholung des Baumbestand auf diesen Flächen beizutragen, untersuchten die Forscher die Ausbreitung einer häufig vorkommenden Baumart, des Clusia-Baumes (Clusia trochiformis). Für die Verbreitung der Clusiasamen sind in erster Linie Vögel zuständig (Ornithochorie), wie zum Beispiel die Zwergdrossel (Catharus ustulatus) oder der Yungaspipra (Chiroxiphia boliviana), die es auf den roten lipidhaltigen Samenmantel (Arillus) der Clusiasamen abgesehen haben.

Ameisen fördern die Verbreitung und Keimung von Clusiasamen

Die Forscher platzierten an verschiedenen Standorten im Bergenregenwald und außerhalb, auf den gerodeten Waldflächen, Depots mit Clusiasamen. Um ausschließen zu können, dass die Samen nicht alle von kleinen Nagetieren gefressen werden, wurde die Hälfte aller Depots umzäunt, so dass nur Ameisen Zugang zu den Samen hatten. Die Forscher beobachteten anschließend, dass fast die Hälfte der Samen aus diesen Depots durch Ameisen entnommen wurden. Auch bei den frei zugänglichen Depots vermuteten sie, dass die kleinen Helfer am Werk waren. Um  genauer bestimmen zu können, ob Ameisen tatsächlich zur Verbreitung des Clusia-Baumes beitragen, untersuchten die Forscher außerdem, ob die gefunden Samen nach einem Monat gekeimt waren.

In diesem Zusammenhang war der positive Effekt an den Standorten innerhalb des Bergregenwaldes aufgrund der besseren Keimbedingungen höher, als am Waldrand und auf den gerodeten Flächen. Die Forscher führten diese Beobachtung darauf zurück, dass Clusiasamen vor allem Feuchtigkeit brauchen. Im Gegensatz zu anderen Samentypen trocknen sie nicht auf der Mutterpflanze aus, sondern fallen in gequollenem Zustand auf den Boden. Trocknen sie aus, sterben die Samen ab. Die Forscher fanden den Großteil der Samen, die aus den für Ameisen zugänglichen Depots inmitten des bolivianischen Nebelwaldes entstammten, häufig unter der Lauboberfläche wieder, wo sie nicht so schnell austrockneten und gute Keimbedingungen vorfanden. Rund 20 Prozent der Samen transportierten die Ameisen in ihre Nester, in denen ebenfalls ein günstiges Mikroklima für die Clusiasamen herrscht.

Ameisen erfüllen eine wichtige Ökosystemfunktion

Insgesamt konnte im Rahmen der Studie ein positiver Effekt der Ameisen auf die Verbreitung der Samen, deren Keimung und das Wachstum von Jungpflanzen beobachtet werden. Gleichzeitig beugten die Ameisen auch dem Samenfraß durch Nagetiere vor, indem sie die Samen in ihre Nester transportierten. Die Forscher beobachteten außerdem, dass die Wahrscheinlichkeit der Keimung stieg, je weiter die Clusiasamen voneinander entfernt waren. Alles in allem ist es im Rahmen der Studie gelungen, die  Ökosystemfunktion der Ameise zu unterstreichen und nachzuweisen, dass die kleinen Helfer tatsächlich in der Lage sind, einen Beitrag zur Regenerierung des bolivianischen Bergregenwaldes zu leisten.

Schleuning, S. C. et al. | Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
http://www.Pflanzenforschung.de

Weitere Berichte zu: Brandrodung Insekten Nagetiere Pflanzenforschung Regenwald Samen Waldflächen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Intelligentes Wassermanagement für Indiens Städte
24.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven
22.11.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Heidelberger Forscher untersuchen einzigartige Unterwasser-Tropfsteine

24.11.2017 | Geowissenschaften