Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klappertopf und Teufelskralle schützen

14.10.2011
Praxisleitfaden für bedrohte Pflanzen

Modellprojekt im Weser-Elbe-Gebiet erarbeitet Vorschläge für Neuansiedlungen – DBU gibt 122.000 Euro

Mehr als ein Viertel aller Farn- und Blütenpflanzen in Deutschland ist vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden. In Niedersachsen und Bremen ist der Anteil gefährdeter Pflanzen mit 40 Prozent besonders hoch. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt nun mit 122.000 Euro das Wiederansiedeln ausgewählter Pflanzenarten in fünf verschiedenen Lebensräumen im niedersächsischen und bremischen Weser-Elbe-Gebiet.

„Ein praktischer Leitfaden soll Naturschützern, Wissenschaftlern und Behörden ermöglichen, Artenansprüche und Standortbedingungen im Vorfeld zu vergleichen, um so die Erfolgschancen von Wiedereinbürgerungsversuchen besser abschätzen zu können“, sagte DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. Vor allem für Pflanzen, deren Samen und Früchte sich nicht durch Winde oder Tiere verbreiteten, sei das Programm von existentieller Bedeutung. Wissenschaftlich begleitet wird es vom Institut für Ökologie der Universität Bremen.

Im Rahmen des Projektes sollen Samen und Jungpflanzen gefährdeter Arten, wie der „Kleine Klappertopf“ und die „Schwarze Teufelskralle“, in der niedersächsischen Geest und den Moor- und Marschlandschaften modellhaft eingesetzt werden, erklärte Martin Diekmann von der Arbeitsgruppe Vegetationsökologie und Naturschutzbiologie der Uni Bremen. Die Biotope, in denen die „Wiedereinbürgerung“ realisiert würde, seien Laubwälder, Feuchtwälder, Feuchtgrünland und Niedermoore, Feuchtheiden und Moore sowie Heiden und Borstgrasrasen in Bremen und Umgebung, vor allem in den Landkreisen Verden und Rotenburg (Wümme). Die Entwicklung der ausgebrachten Samen und Pflanzen solle in den kommenden Jahren regelmäßig überprüft werden.

„Der Zerfall von Lebensräumen durch den Bau von Häusern und Straßen ist ein großes Problem für den langfristigen Erhalt von Pflanzenarten, denn kleiner werdende Habitate sind häufig mit schrumpfenden Populationen verbunden. Hinzu kommt, dass die zunehmende räumliche Isolation das Ausbreiten von Flugsamen erschwert“, erklärte DBU-Naturschutzreferent Dr. Reinhard Stock. Spontane, zufällige Neuansiedlungen reichten längst nicht mehr aus, um die Pflanzenvielfalt langfristig sicherzustellen, zu groß sei die Aussterberate. Gezielte Einbringungsversuche wie das DBU-geförderte „Wiedereinbürgerungsprogramm“ der Uni Bremen in Deutschland seien daher wichtig und unterstützenswert.

Auch die Frage, wie erfolgreich bisherige Ansiedlungsprojekte waren, solle im Projekt untersucht werden, sagte Diekmann. Darauf aufbauend werde eine Methodik entwickelt, die Standortbedingungen und Artenansprüche besser vergleichbar mache. Vor allem die vor Ort herrschenden Lichtverhältnisse sowie die Feuchtigkeit und der Nährstoffgehalt des Bodens müssten berücksichtigt werden. Im Anschluss werde ein praktischer Leitfaden formuliert, der neue Ansiedlungsvorhaben zielorientierter gestalte. Dieser ergänze die 1982 von der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege entwickelten Richtlinien zum Ausbringen von Wildpflanzen und solle international zugänglich gemacht werden.

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie