Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Patentlösung für Artenschutz von Walen und Delfinen

25.09.2013
Internationales Forschungsteam liefert neue Erkenntnisse für die weltweite Ausweisung von Schutzgebieten für Meeressäuger

Bis zum Jahr 2020 sollen zehn Prozent der Weltmeere als Schutzgebiete ausgewiesen werden – das hat die Biodiversitäts-Konvention der Vereinten Nationen 2012 beschlossen. Davon würden auch die knapp 120 verschiedenen Meeressäugerarten profitieren.


Delfine
Quelle: Rob Williams

Doch welche Standorte kommen infrage, um möglichst viele unterschiedliche Arten zu schützen – und zwar effizient und kostengünstig? Die Vermutung liegt nahe, dass sich dafür Gewässer eignen, in denen die Artenvielfalt besonders hoch ist. Eine Studie aus dem Jahr 2011 behauptete zum Beispiel, dass der Schutz von nur vier Prozent der Ozeane ausreichen würde, um einen Großteil der Wal-, Delfin- und Robbenbestände zu sichern.

Dass dies jedoch der falsche Ansatz sein könnte, zeigt die Freiburger Biologin Dr. Kristin Kaschner mit einer nun in der Fachzeitschrift „Ecography“ erschienenen Studie. Die Arbeit ist in Zusammenarbeit mit einem Team aus Schottland, den USA, Kanada und Mexico entstanden.

Die Forscherinnen und Forscher fanden einen negativen Zusammenhang zwischen der Artenvielfalt und der Qualität eines Standorts für jede einzelne Meeressäugerart. Den Ergebnissen zufolge entsprechen Standorte mit den meisten Arten nie den Gebieten, in denen irgendeine einzelne Art am häufigsten vorkommt. Würde man diese artenreichen Gebiete bewahren, blieben die wichtigsten Standorte gefährdeter Tiere komplett ungeschützt.

Ein Problem der bisherigen Forschung sind die Datenlücken in Bezug auf Meeressäuger. Der Mangel an Karten im Weltmaßstab mit genauen Angaben über die Anzahl von Tieren in verschiedenen Regionen hat zu dem Vorschlag geführt, man könne einfache Verbreitungskarten für verschiedene Arten kombinieren, um Standorte mit einer hohen Artenvielfalt ausfindig zu machen. Diesen Ansatz stellt das internationale Forschungsteam mit seiner aktuellen Studie infrage.

Ein Patentrezept für den Schutz von Artenvielfalt gibt es nicht, sagt Kaschner, die derzeit am Projekt „PELAGIC“ des französischen Biodiversitätsforschungsprogramms „CESAB“ mitarbeitet: „Wir müssen sicherstellen, dass zukünftige Monitoringverfahren verbessert werden, um die kritischen Wissenslücken zu schließen. Bis dahin müssen wir eine Bestandsaufnahme aller verfügbaren Informationen machen und unter Anwendung der vorhandenen wissenschaftlichen Methoden das Beste herausholen.“ Das Team von Biologen und Statistikern entwirft praktische und kostengünstige Lösungen, um die Qualität der notwendigen Daten für solche Entscheidungen zu verbessern. Karten auf der Basis von Gutachten und Daten aus verschiedenen Quellen könnten beispielsweise mit Vorhersagemodellen kombiniert werden, um kritische Standorte ausfindig zu machen.

Originalveröffentlichung:
Williams, R., J. Grand, S.K. Hooker, S.T. Buckland, R.R. Reeves, L. Rojas-Bracho, D. Sandilands, K. Kaschner. 2013. Prioritizing global marine mammal habitats using density maps in place of range maps. Ecography 36: in press. doi: 10.1111/j.1600-0587.2013.00479.
Kontakt:
Dr. Kristin Kaschner
Institut für Geo- und Umweltwissenschaften
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-8666, 0172 6978709
E-Mail: kristin.kaschner@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | Uni Freiburg im Breisgau
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise