Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Hoffnung für Harzer Waldgreiskraut: Pflanzenart verschwindet wegen genetischer Infiltration

13.01.2015

In den nächsten Jahrzehnten ist mit einem schleichenden Aussterben des Harzer Waldgreiskrauts Senecio hercynicus zu rechnen.

Die vor allem im Bayerischen Wald heimische Pflanze wird durch die weiter verbreitete Art des Fuchs´schen Greiskrauts Senecio ovatus „aufgesaugt“ (genetische Infiltration).


Die Hochlagen des Nationalparks Bayerischer Wald stellten den angestammten Lebensraum für das Harzer Greiskraut Senecio hercynicus dar (hier an den Südwesthängen des Plattenhauser Riegels).

Bildnachweis: Gabriel Heine, Universität Regensburg

Zu diesem Schluss kommen Forscher um Gabriel Heine und Prof. Dr. Christoph Oberprieler vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Regensburg in Kooperation mit Dr. Claus Bässler von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald. Ihre Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Flora“ veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.flora.2014.10.002).

Pflanzenarten verschwinden oft nicht durch Reduktion ihres Lebensraumes, sondern auf sehr unspektakuläre Weise durch „genetisches Aufsaugen“ in den Genpool einer sich ausbreitenden „Vampirart“. Solche Vorgänge werden künftig aufgrund der prognostizierten Klimaveränderungen auch unsere heimische Pflanzenwelt stärker verändern.

Damit einhergehende Verschiebungen der pflanzlichen Entwicklungszeiten bedingen, dass sich zwei verwandte und in denselben Habitaten wachsende Arten – die bislang wegen unterschiedlicher Blütezeiten reproduktiv voneinander getrennt waren – miteinander mischen bzw. hybridisieren.

Die Hybridbildung zwischen zwei Pflanzenarten ist zwar ein häufig beobachtetes Phänomen, führt aber nur selten dazu, dass eine der beiden Arten vollständig verschwindet. Zumeist stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Hybridisierung und Genfluss auf der einen Seite und natürlicher Selektion entlang ökologischer Grenzen auf der anderen Seite ein. Dies führt zum Ausbilden von mehr oder weniger schmalen Hybridzonen, in denen die beteiligten Rein-Arten jeweils Vorteile besitzen und sich so dem Eindringen der Hybride erwehren.

Für das Harzer Waldgreiskraut Senecio hercynicus im Bayerischen Wald wäre dies ein hoffnungsvolles Szenario, da die Art besser an die ökologischen Bedingungen der Fichten-Hochlagenwälder mit ihren langen Wintern angepasst scheint als die wärmeliebendere Art Senecio ovatus.

Mit Hilfe molekulargenetischer Untersuchungen entlang eines von 750 m bis 1300 m reichenden Höhengradienten im Nationalpark Bayerischer Wald konnten Heine, Oberprieler und Bässler allerdings zeigen, dass klimabedingte Selektion nicht ausreicht, um die beiden Arten genetisch zu trennen und getrennt zu halten.

Die Forscher prognostizieren deshalb das vollständige Aufgehen von Senecio hercynicus in Senecio ovatus im Bayerischen Wald. Ähnliche Entwicklungen dürften sich auch in anderen Verbreitungsgebieten des Harzer Greiskrauts ergeben, beispielsweise im Harz oder im Schwarzwald. Somit ist mit einem vollständigen Verlust der Art in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen.

Titel der Originalpublikation: Ch. Oberprieler, G. Heine, C. Bässler (2015): Can divergent selection save the rare Senecio hercynicus from genetic swamping by its spreading congener S. ovatus (Compositae, Senecioneae)? Flora 210: 47-59.

Die Original-Publikation im Internet unter:
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0367253014001327

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Christoph Oberprieler
Institut für Pflanzenwissenschaften
Universität Regensburg
Tel.: 0941 943-3129
christoph.oberprieler@ur.de

Alexander Schlaak | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops