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Auf Kamelfang in der Wüste Gobi

11.11.2011
Im Oktober 2011 gelang es Chris Walzer und Gabrielle Stalder vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, gefährdeten wilden baktrischen Kamelen in der mongolischen Wüste GPS-Satellitenhalsbänder anzulegen.

Ihre Bemühungen sind Teil des langfristigen Gobi-Forschungsprojekts über Wildpferde, asiatische Wildesel und andere Tierarten, die in diesem einzigartigen Gebiet zu Hause sind.

Weltweit leben wilde baktrische Kamele (Camelus ferus), auch Trampeltiere genannt, nur noch an drei Standorten: in den Wüsten Lop Nuur und Taklamakan, beide in China, und im Great Gobi A-Naturschutzgebiet der Mongolei. Das Great Gobi A-Naturschutzgebiet entstand 1975, um die einzigartige Wüstenlandschaft zu schützen, die die Heimat für mehrere seltene oder vom Aussterben bedrohte Säugetierarten ist: von wilden Trampeltieren, Gobi-Bären (Ursus arctos gobiensis), Schneeleoparden (Uncia uncia), bis zu Argali (Ovis ammon) und asiatischem Wildesel (Equus Hemionus).

Zunehmende Nachfrage nach Viehweiden und Wasserressourcen, illegale Jagd und seit kurzem auch die deutliche Zunahme von illegalen Kleinminen in der Region wird immer mehr zum Problem für die Erhaltung des Schutzgebietes. "Immer stärkere Rohstoffgewinnung vor Ort gefährdet ernsthaft den integralen Lebensraumschutz für Kamele und andere Wildtierarten," sagt Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna). Walzer forscht seit vielen Jahren an der Erhaltung von Wildtieren und ihrem Lebensraum in der Wüste Gobi.

Noch immer große Wissenslücken

Das wild lebende Trampeltier ist laut Angaben der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) akut vom Aussterben bedroht. Man schätzt den aktuellen Bestand dieser Art auf etwa 600 Tiere in China und zwischen 350 und 1.950 im Great Gobi A Schutzgebiet der Mongolei. Eine genaue Schätzung der Populationszahlen ist schwierig, da das Schutzgebiet sehr weitläufig und zudem weit abgelegen ist. Zudem ist eine Schätzung der Bevölkerungsgröße bei Tieren, die sehr verstreut leben, besonders schwierig. Es gibt große Wissenslücken, was die Bewegungsmuster, die Habitatnutzung und das Verhalten der Tiere betrifft. Auch was Ökologie, Bevölkerungsentwicklung sowie veterinärmedizinische Aspekte der wilden Kamele betrifft, besteht großer Forschungsbedarf. Die Verwendung von GPS-Halsbändern ist ein Mittel, zu erforschen, wie die Tiere ihren Lebensraum nutzen. Mit den so erhobenen Daten können wirksame Naturschutzstrategien entwickelt werden. Laut Walzer ist es besonders wichtig, vermutete Zugsrouten der Kamele zwischen der Mongolei und China zu schützen. "Aber dazu müssen wir zunächst erfahren, wo genau die Kamele herumstreifen."

Suche nach Tieren schwierig

Im Oktober 2011 gelang es Walzer, Stalder und ihren mongolischen Kollegen, vier wilde Kamele mit GPS-Sendern ausstatten. Walzer und Stalder haben langjährige Erfahrung mit dem Fangen und der Anästhesie von Wildtieren, einem meist schwierigen und sogar gefährlichen Unterfangen. In diesem Fall campierte das Forscherteam zwei Wochen lang in der rauen und von der Hauptstadt Ulaanbaatar mehr als 1.000 Kilometer entfernten Gegend und verfolgte die Tiere mit Geländewagen. Auf holprigen Straßen und querfeldein durch die steinige Wüste kann es bis zu sieben Stunden dauern, bis man 250 Kilometer zurückgelegt hat. Das Verfolgen von Kamelen in dem riesigen Schutzgebiet gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Erst nach drei Tagen der Suche entdeckten die Forschenden eine Gruppe von Kamelen. Waren sie einmal gefunden, musste das Forschungsteam versuchen, nahe genug an einzelne Tiere heranzukommen, um sie mit Betäubungspfeilen treffen zu können, ohne den Tieren zu viel Stress zuzumuten.

Zwischen Oktober 2002 und Juni 2007, hatten Walzer und andere Wissenschafter schon einmal sieben wilde Kamele mit GPS-Halsbändern bestückt, deren Halsbänder funktionieren aber mittlerweile nicht mehr. Es war daher dringend nötig, weitere Tiere mit neuen Senderhalsbändern zu bestücken, um mit der Sammlung von Daten zur Nutzung ihres Lebensraums fortfahren zu können. Jetzt gibt es vier weitere Individuen, deren GPS-Signale standortbezogene Daten senden.

Walzer und Stalder wurden auf ihrer Reise von Pamela Burger vom Institut für Populationsgenetik der Vetmeduni Vienna, begleitet. Burger nahm genetische Proben für die Analyse der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen wilden und domestizierten baktrischen Kamelen und zur Einschätzung des Hybridisierungsausmaßes im Schutzgebiet. Burgers genetische Analysen sind Teil einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Forschenden an beiden Instituten. Die Arbeit der FIWI-Forschenden, das Wüstenhabitat zu studieren und zur Erhaltung des Lebensraums beizutragen, sind Ergebnisse einer Partnerschaft mit Richard Reading vom Denver Zoo und Adiya Yamasuran von der Mongolischen Akademie der Wissenschaften.

Weitere Information:
https://www.vu-wien.ac.at/fiwi-n/forschung/projekte/gobi-forschungsprojekt/wissenschaftliche-publikationen-zum-projekt/
Rückfragehinweis:
Univ.Prof. Dr. Chris Walzer, E chris.walzer@vetmeduni.ac.at, T +43 1 4890915-180
Aussender:
Mag. Klaus Wassermann, E klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at, T +43 1 25077-1153

Beate Zöchmeister | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at/

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