Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jülicher Forschung für die „fränkische Adria“

31.07.2014

Studie beleuchtet Hintergründe der Algenplage am Altmühlsee

Die Algenplage am Altmühlsee kann in den nächsten Jahren wirksam bekämpft werden. Dabei hilft eine Studie aus dem Forschungszentrum Jülich.


Der Altmühlsee aus der Vogelperspektive: Blaualgen trüben immer wieder das Badevergnügen an der "fränkischen Adria".

Quelle: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich Agrosphärenforschung des Instituts für Bio- und Geowissenschaften untersuchten die Hintergründe des Phänomens, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Dabei ist die Ursache des übermäßigen Algenwachstums schon länger bekannt: Das Wasser des Sees ist stark mit Phosphaten belastet. Die Jülicher Studie kann jetzt aber den Hauptverursacher nachweisen: die Landwirtschaft im Einzugsgebiet des Sees.

Der Altmühlsee in der Nähe von Gunzenhausen gehört zu einer Gruppe von Seen, die vor 35 Jahren künstlich angelegt wurden, um das Wasserangebot für Nordbayern in Trockenzeiten zu erhöhen. Die Seen haben sich zu einem attraktiven Naherholungs- und Urlaubsgebiet entwickelt, in dem alle Gewässer die ökologischen Anforderungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie erfüllen müssen. Der Altmühlsee – die "fränkische Adria" – ist zusätzlich als EU-Badegewässer ausgewiesen; sein Wasser muss also festgelegte Standards erfüllen, die überwacht werden.

Seit einigen Jahren kommt es im See immer wieder zu einer starken Blüte von Blaualgen; die Gesundheitsbehörden müssen wegen der Algenteppiche Badeverbote verhängen. Ursache ist die Belastung des Wassers mit Phosphaten, die als Nährstoffe das Algenwachstum fördern. Umstritten war bislang, woher die Phosphate hauptsächlich kommen: aus der Gülle oder anderem Dünger, den die Landwirte auf die Wiesen und Felder in der Nachbarschaft des Sees ausbringen, oder aus Kläranlagen der Altmühlsee-Anrainer?

Um die Frage zu klären, beauftragte das Wasserwirtschaftsamt Ansbach 2012 die Jülicher Agrosphärenforscher damit, das intensiv landwirtschaftlich genutzte Einzugsgebiet zu untersuchen und mithilfe von Computermodellen die Menge an Phosphaten zu ermitteln, die in den Altmühlsee gelangt. Auch die wesentlichen Phosphorquellen und ihr genauer Standort sollten gefunden werden.

Der Agrosphärenforscher Dr. Björn Tetzlaff untersuchte Geologie und Bodenverhältnisse in einem festgelegten Gebiet um den See. Anschließend fütterte er "MEPhos" mit den Daten: Mit dem von ihm entwickelten Simulationsprogramm lässt sich räumlich hoch aufgelöst und präzise bestimmen, aus welchen diffusen oder punktförmigen Quellen und in welchen Mengen der Mineralstoff Phosphor in ein Oberflächengewässer gelangt.

Die Ergebnisse der Studie liegen jetzt vor. "Sie zeigen, dass tatsächlich die Landwirtschaft im Einzugsgebiet des Altmühlsees für jährlich 26 Tonnen und damit rund 60 Prozent der Phosphate im Wasser verantwortlich ist", so Björn Tetzlaff. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Bodenerosion: Phosphor aus Gülle oder Mineraldünger wird mit dem Ackerboden vom Regen in den See geschwemmt. Auch durch Güllereste auf Grünflächen kommen erhebliche Mengen von Phosphaten ins Wasser. Die Landwirtschaft trägt aber nicht die Alleinschuld: "Rund 25 Prozent des gesamten Phosphats gelangen aus schlecht reinigenden Kläranlagen in den Altmühlsee", stellt Tetzlaff klar.

Die Kläranlagen im Einzugsgebiet des Sees zu optimieren, ist lediglich ein technisches Problem: Bis 2015 sollen 17 Klärwerke nachgerüstet werden; ihr Anteil an der Gewässerbelastung wird sich dadurch mittelfristig auf etwa sechs Tonnen pro Jahr reduzieren.

Nun müssen die betroffenen Landwirte beraten werden, um die Phosphat-Belastung aus Gülle und Mineraldünger langfristig in den Griff zu bekommen. Dazu dienen die genauen Karten, die im Rahmen von Björn Tetzlaffs Studie in Jülich entstanden. Mögliche Gegenmaßnahmen sind sparsames Düngen oder das Umwandeln von Acker- in Grünflächen. Auch neu bepflanzte Streifen am Uferrand könnten verhindern, dass in Zukunft zu viel Ackerboden in den Altmühlsee geschwemmt wird – und die Algenteppiche wieder wachsen.

Weitere Informationen:

Institut für Bio- und Geowissenschaften, Bereich Agrosphäre (IBG-3)

"MEPhos"

Ansprechpartner:

Dr. Björn Tetzlaff
Tel. 02461 61-3648
E-Mail: b.tetzlaff@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Erhard Zeiss
Tel. 02461 61-1841
E-Mail: e.zeiss@fz-juelich.de

Erhard Zeiss | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2014/14-07-31altmuehlsee.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ins Herz der Blaualgenblüte: IOW-Segelexpedition „BloomSail“ geht an den Start
22.05.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Totes Holz für mehr Leben im See
18.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics