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Java-Leoparden bedürfen dringend zusätzlicher Schutzanstrengungen

04.05.2016

Ein internationales Forscherteam aus Deutschland und Indonesien hat neue Einblicke in die Evolutionsgeschichte des Java-Leoparden gewonnen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie bekräftigen, dass Java-Leoparden sich eindeutig von anderen asiatischen Leoparden unterscheiden. Java-Leoparden haben die Insel Java wahrscheinlich vor etwa 600.000 Jahren vom asiatischen Festland aus über eine Landbrücke kolonisiert. Die Studie betont die dringende Notwendigkeit für koordinierte Schutzbemühungen, um den Java-Leoparden vor dem Aussterben zu bewahren. Die Forschungsergebnisse wurden in dem Fachmagazin „Journal of Zoology“ veröffentlicht.

st der Java-Leopard eine eigene Unterart? Diese Frage haben Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), des Tierparks Berlin, der Universität Potsdam, des Naturschutzinstituts und Themenparks „Taman Safari Indonesia“ und der Naturschutzorganisation „Conservation International Indonesia“ in Indonesien gemeinsam beantwortet.


Java-Leopard (Panthera pardus melas).

Foto: Kern C. / Tierpark Berlin


Java-Leopard im Gunung Malabar Schutzwald, West-Java.

Foto: Conservation International Indonesia

Der Status einer eigenen Unterart würde die Notwendigkeit, seine Überlebensfähigkeit durch aktive Schutzmaßnahmen zu verbessern, erhöhen. Die Ergebnisse zeigen ganz klar, dass sich Java-Leoparden von den auf dem asiatischen Festland lebenden Leoparden bereits während des Mittleren Pleistozäns – vor etwa 600.000 Jahren – abspalteten und sich von diesen genetisch unverwechselbar unterscheiden. Die Klassifizierung des Java-Leoparden als Unterart (Panthera pardus melas) des Leoparden (Panthera pardus) wird durch diese Erkenntnisse eindeutig gerechtfertigt.

Leoparden wanderten wahrscheinlich vom asiatischen Festland aus nach Java, als der Meeresspiegel über einen längeren Zeitraum niedriger war. Sie nutzten dabei womöglich eine vorübergehende Landbrücke, welche zwischen der Malaiischen Halbinsel und Java entstanden war, die Insel Sumatra jedoch ausschloss.

Dies könnte ein Grund sein, weshalb Leoparden heute zwar auf dem asiatischen Festland und auf Java vorkommen, aber nicht auf Sumatra oder Borneo. Fossilien weisen jedoch darauf hin, dass Leoparden während des Pleistozäns zumindest in einigen Teilen Sumatras existierten.

„Wir nehmen an, dass Leoparden auf dieser Insel nach dem starken Ausbruch des Vulkans Toba vor ungefähr 74.000 Jahren ausstarben. Auf Java war der Effekt dieses Ausbruchs dagegen gering, weshalb Leoparden dort überleben konnten“, erklärt Andreas Wilting, Wissenschaftler am IZW und Erstautor der Studie.

Die Wissenschaftler rekonstruierten die Entwicklungsgeschichte des Java-Leoparden, indem sie seine mitochondriale DNA aus Museumsexemplaren sequenzierten und die gewonnenen genetischen Informationen mit Sequenzen asiatischer und afrikanischer Leoparden verglichen. Die mögliche historische Verbreitung der Leoparden wurde unter Verwendung von Daten des Letzteiszeitlichen Maximums und Mittleren Holozäns durch Arten-Verbreitungs-Modelle rekonstruiert.

Nach dem Aussterben des Sunda-Nebelparders (im Holozän) und des Java-Tigers (in den frühen 1980ern) ist der Java-Leopard die letzte Großkatze, die noch auf Java umherstreift. Aufgrund menschenbedingter Eingriffe in die Lebensräume, wie z. B. der Abholzungen von Wäldern, hat die Population dieser Unterart erheblich abgenommen. Der Java-Leopard steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als „vom Aussterben bedroht“. Die Rote Liste wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) geführt. Mit nur noch ein paar Hundert freilebenden und 52 in Gefangenschaft lebenden Individuen ist der Java-Leopard eine der am meisten bedrohten Unterarten der Großkatzen.

„Die in unserer Studie präsentierten Daten unterstreichen den dringenden Bedarf an gemeinschaftlichen Schutzbemühungen für diese einzigartige und charismatische Unterart“, betont Anto Ario von „Conservation International Indonesia“. Schutzmaßnahmen müssten durch einen ganzheitlichen Ansatz („One-Plan-Approach“) koordiniert werden. Beispielsweise ist der Lebensraum der Leoparden zu schützen und die Bevölkerung muss für den Artenschutz sensibilisiert werden.

Darüber hinaus sollte ein koordiniertes Zuchtprogramm für in menschlicher Obhut lebende Java-Leoparden entwickelt werden. Ein erster Schritt in Richtung eines solchen Ansatzes war die Einrichtung eines internationalen Zuchtbuches im Jahr 2014, das von Taman Safari Indonesia und dem Tierpark Berlin koordiniert wird.

Nun sind weiterführende Maßnahmen und zusätzliche Schutzbemühungen für die verbliebene zersplitterte Java-Leoparden-Population nötig, um sicherzustellen, dass die letzte Großkatzenunterart auch noch in absehbarer Zukunft auf Java leben wird.

Publikation:
Wilting A, Patel R, Pfestorf H, Kern C, Sultan K, Ario A, Peñaloza F, Kramer-Schadt S, Radchuk V, Foerster DW, Fickel J (2016): Evolutionary history and conservation significance of the Javan leopard Panthera pardus melas. J ZOOL; DOI: 10.1111/jzo.12348.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e. V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin

Andreas Wilting
Tel.: +49 30 5168- 333
wilting@izw-berlin.de

Steven Seet (Presse)
Tel.: +49 30 5168-125
seet@izw-berlin.de

Weitere Informationen:

http://www.izw-berlin.de

Karl-Heinz Karisch | Forschungsverbund Berlin e.V.

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