Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Invasive Wasserfrösche zu dominant für einheimische Arten

29.02.2016

Wasserfrösche haben sich in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren stark ausgebreitet. Mithilfe eines neuen statistischen Modells zeigen nun Forscher der Universität Basel, dass einheimische Arten wie Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte stark unter der Zunahme der Wasserfrösche leiden. Die Zeitschrift «American Naturalist» hat die Studie veröffentlicht.

Die Artengemeinschaften von Tieren und Pflanzen werden oft kräftig durcheinandergewirbelt, nicht selten durch den Menschen. Während viele Arten dadurch seltener werden, gibt es aber auch einige wenige, die davon profitieren. Solche sogenannten invasiven Arten können andere Arten bejagen oder aus ihren Lebensräumen verdrängen.


Invasive Art: Der Seefrosch wurde seit den 1960er Jahren für den menschlichen Verzehr nach Mitteleuropa importiert und gelangte dann in die Freiheit.

Christoph Buehler

Einige der invasivsten Amphibien Europas stammen aus dem Wasserfrosch-Artkomplex. Insbesondere der vor allem in Osteuropa beheimatete Seefrosch tritt in der Schweiz inzwischen dominant auf. Schuld daran ist auch hier der Mensch, denn die Froschart wurde seit den 1960er Jahren für den menschlichen Verzehr nach Mitteleuropa importiert und gelangte dann in die Freiheit.

Die Basler Zoologen Tobias Roth, Christoph Bühler und Valentin Amrhein haben nun Daten von über 1000 Gewässern im Kanton Aargau benutzt, um den Einfluss der Wasserfrösche auf andere einheimische Amphibienarten mit einem neuen statistischen Modell zu untersuchen. Das kantonale Amphibienmonitoring Aargau stellte dafür die Beobachtungsdaten zur Verfügung.

Solche Daten sind allerdings oft schwer zu interpretieren: Wenn etwa von einer Art nur wenige Beobachtungen vorliegen, heisst das dann, dass die Art tatsächlich selten ist, oder wird sie nur selten gefunden? Das statistische Modell der Basler Forscher berücksichtigt die unterschiedlichen Beobachtungswahrscheinlichkeiten der Arten sowie weitere Umweltfaktoren.

Heimische Kröten werden seltener

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte bedeutend kleinere Bestände haben, wenn am selben Gewässer auch Wasserfrösche vorkommen. «Aufgrund unserer Analyse schätzen wir, dass die Bestände beider Arten ohne Wasserfrösche mindestens fünfmal grösser wären», sagt Christoph Bühler, Projektleiter des Amphibienmonitoring Aargau.

Wenn eine solche Konkurrenzsituation durch menschlichen Einfluss zustande kommt, müssen Naturschützer entscheiden, ob sie regulierend eingreifen sollen. Da der Einfluss des invasiven Seefrosches auf die Bestände einheimischer Arten gross ist, könnten einzelne Aktionen gegen den dominanten Frosch aus Naturschutz-Perspektive durchaus sinnvoll sein, um die Bestände einheimischer Arten zu fördern.

Die Einschätzung der Situation wird dadurch erschwert, dass es nicht der Seefrosch alleine ist, der für die Konkurrenz sorgt. Durch die Kreuzung zwischen Seefröschen und einheimischen Amphibien sind nahe verwandte Wasserfrosch-Arten entstanden, die sich ebenfalls invasiv verhalten und die aufgrund des durchmischten Erbmaterials nicht eindeutig als gebietsfremd zu bezeichnen sind.

«Klar ist hingegen, dass die Veränderungen in der Landschaft gegenwärtig die Wasserfrösche begünstigen», sagt Valentin Amrhein vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. «Kleine und schnell trocken fallende Gewässer, die von Wasserfröschen eher gemieden, aber von anderen Arten gesucht werden, sind heute selten. Die Ausbreitung von invasiven Arten wird oft durch menschliches Handeln bewusst oder unbewusst gefördert und kann nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden.»

Originalbeitrag

Tobias Roth, Christoph Bühler und Valentin Amrhein
Estimating effects of species interactions on populations of endangered species
American Naturalist (2016), doi: 10.1086/685095

Weitere Auskünfte

PD Dr. Valentin Amrhein, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Fachbereich Zoologie, Tel. +41 79 848 99 33, E-Mail: v.amrhein@unibas.ch

Weitere Informationen:

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Invasive-Wasserfroesche-zu-do...

Olivia Poisson | Universität Basel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ins Herz der Blaualgenblüte: IOW-Segelexpedition „BloomSail“ geht an den Start
22.05.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Totes Holz für mehr Leben im See
18.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics