Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interaktion verschiedener Treiber Ursache für Artenrückgang

25.09.2015

Nicht allein der Klimawandel bedroht unsere Ökosysteme. Vielmehr sind es die Interaktionen verschiedener Treiber, zu denen vor allem die Umweltverschmutzung und die Landnutzung gehören. Die eindeutige Zuordnung von Ursache und Wirkung scheint aufgrund dieser Komplexität schwierig, ist jedoch essenziell, um wirksame Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu ergreifen. Dass Citizen Science dabei gute Dienste leisten kann, zeigt eine gerade in Nature Climate Change erschienene Studie von britischen Wissenschaftlern, die in derselben Ausgabe des renommierten Wissenschaftsjournals von den zwei Biodiversitätsforschern des UFZ, Josef Settele und Martin Wiemers, kommentiert wird.

Tom H. Oliver vom NERC Centre for Ökologie und Hydrologie und der University of Reading (GB) hat gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen untersucht, wie sich Klimawandel und Habitatfragmentierung auf Schmetterlingsarten auswirken, die sensibel auf Trockenheit reagieren.


Der Grünaderweißling (Pieris napi) ist in Europa weit verbreitet. Die extreme Trockenheit 1995 in England führte zu einem Zusammenbruch der Hauptpopulationen im Untersuchungesgebiet.

Martin Wiemers

Die Wissenschaftler analysierten die Reaktionen von 28 Schmetterlingsarten auf eine extreme Dürre im Jahr 1995 mithilfe von Langzeit-Monitoring-Daten aus dem Tagfaltermonitoring Großbritanniens, eines der europaweit ältesten Citizen Science-Projekte.

Anschließend kombinierten sie diese Informationen mit Satellitendaten zur Landnutzung und konnten damit beschreiben, wie die unterschiedliche Beschaffenheit der umliegenden naturnahen Lebensräume die Reaktion der Arten auf die Dürre verändert.
Ihre Botschaft: Die Schmetterlinge sind durch den Klimawandel gefährdet.

Aber wir können sie nicht nur schützen, indem wir die globale Erwärmung stoppen, sondern auch durch ein besseres Landnutzungsmanagement. Etwa über die Wiederherstel-lung naturnaher Landschaften oder die Reduzierung fragmentierter Landschaften. Dabei scheint es wichtiger zu sein, der Fragmentierung entgegenzuwirken, als die Größe von naturnahen Landschaften zu maximieren.

„Dieses Beispiel von Oliver et.al. zeigt die Chancen, die großflächig und langfristig erhobene Monitordaten bieten, die aber häufig nur mithilfe der Allgemeinheit durch Bürgerwissenschaft gesammelt werden können“, betont Josef Settele, der auch Mit-glied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung iDiv ist. Die Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit sollte daher weiter forciert werden, auch wenn es für einige Naturwissenschaftler anfangs vielleicht ungewohnt ist. Citizen Science wird nicht nur sehr nützliche Daten bieten, sondern auch das geistige Klima in der Wissenschaft und der ganzen Gesellschaft positiv beeinflussen.

Kommentar:
Josef Settele and Martin Wiemers: Interacting global change drivers
http://www.nature.com/nclimate/journal/v5/n10/full/nclimate2815.html

Publikation:
Oliver et al.: Interacting effects of climate change and habitat fragmentation on drought-sensitive butterflies
http://www.nature.com/nclimate/journal/v5/n10/full/nclimate2746.html

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/nclimate/journal/v5/n10/full/nclimate2815.html

Susanne Hufe | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE