Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoffnung auf mehr Schutz für den Netzpython

31.08.2017

Der Handel mit Häuten des Netzpythons ist ein so lukratives Geschäft, dass illegale Exporte stark zunehmen und bestehende Handelsbeschränkungen im großen Stil umgangen werden. Das gefährdet die Stabilität der Bestände. Wissenschaftler des UFZ und der Royal Zoological Society Scotland (RZSS) entwickeln deshalb genetische Methoden, um der individuellen Herkunft der Reptilien und potenziellen Handelswegen der Häute auf die Spur zu kommen. Erste Ergebnisse sind nun im renommierten Fachjournal PlosOne publiziert.

Der Netzpython (Malayopython reticulatus ssp.) hält zwei Rekorde: Er ist das weltweit längste Reptil, und er zählt zu den weltweit meist gehandelten hautliefernden Reptilienarten. Netzpythonhäute werden seit zirka 80 Jahren kommerziell gehandelt. Sie sind eine äußerst lukrative natürliche Ressource für die internationale Modeindustrie.


Der südostasiatische Netzpython (Malayopython reticulatus ssp.) gehört ausgewachsen zu den größten Beutegreifern Asiens. Er ist vor allem als Lederlieferant für die Modeindustrie gefragt.

Mark Auliya, UFZ


Pythonhäute in einer Gerberei in West Malaysia für den internationalen Markt. Ob es sich dabei um illegale oder legale Fänge handelt, ist bislang durch die Behörden kaum nachweisbar.

Mark Auliya, UFZ

Allein Indonesien, Malaysia und Vietnam exportierten im Zeitraum von 2002 bis 2012 fast vier Millionen Häute des Netzpythons; mindestens 75 Prozent davon stammten aus „legalen“ Wildfängen. Der intensive internationale Kommerz stellt jedoch die Legalität und Nachhaltigkeit dieses Handels infrage, der eigentlich im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES für den Netzpython geregelt ist. Denn der Netzpython ist eine von zirka 34.000 Arten des CITES-Anhangs II, deren Handel nur mit speziellen Dokumenten legal ist.

In der Realität sei die Handelsdynamik des Netzpythons jedoch fast nicht überschaubar, sagt Dr. Mark Auliya, der sich am UFZ als Experte für den angewandten Artenschutz mit dem internationalen Wildtierhandel befasst, und als solcher auch die Weltnaturschutzunion (IUCN), das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sowie wissenschaftliche Behörden und Zollstellen berät. Managementansätze auf regionaler und nationaler Ebene sind seiner Meinung nach kaum vorhanden.

Einige Unternehmen der Modeindustrie sehen sich daher in die Pflicht genommen und unterstützen Forschungsprojekte, wie das des UFZ-Biologen und seiner schottischen Kollegin Dr. Gillian Murray-Dickson, das den Ursprung der Häute innerhalb der Handelskette verifizieren und so den illegalen Handel reduzieren will.

Die Wissenschaftler gingen der Frage nach inwieweit die evolutionären Beziehungen zwischen den Populationen für das Management von Fangquoten herangezogen werden können. Hierfür analysierten sie mitochondriale DNA von Netzpythons aus verschiedensten Regionen ihres Verbreitungsgebietes.

Dabei zeigte sich eine deutliche Separierung von Populationen westlich und östlich der sogenannten „Wallace Linie“. Diese imaginäre biogeografische Linie verläuft auf dem Malaiischen Archipel und trennt Gebiete mit ausschließlich asiatischer Fauna von Gebieten, die neben asiatischen auch Faunenelemente australischen Ursprungs enthalten. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass sich die Netzpythonpopulationen der Philippinen von anderen Populationen der Sundaregion unterscheiden lassen und dass die Art wahrscheinlich auf die Molukkeninsel Ambon vom Menschen eingeschleppt wurde.

Diese Erkenntnisse sollen zum einen dazu beitragen, die genetische Vielfalt der Pythons nachhaltig zu schützen. „Wenn die Tiere einer bestimmten Region eine ganz eigene genetische Variation haben, muss diese Population gesondert gemanagt werden“, erklärt Mark Auliya. Dazu kann man zum Beispiel angepasste Fang- und Exportquoten festsetzen oder gegebenenfalls ein Handelsverbot verhängen.

Zum anderen können die genetischen Untersuchungen helfen, die Angaben des Erstexportlandes (unter der Annahme, dass dieses auch Ursprungsland ist) oder des in den CITES-Papieren angezeigten Ursprungslandes zu überprüfen – also zum Beispiel um festzustellen, ob die importierten Häute tatsächlich wie angegeben aus den Philippinen oder aus einer anderen Region stammen. Das würde den Vollzug des internationalen Regelwerks erleichtern und die illegalen Machenschaften erheblich einschränken.

Das Forschungsprojekt wurde durch den Konzern Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) finanziell unterstützt. Er ist der weltweit führende Anbieter von Luxusgütern, darunter auch Reptilienlederprodukte.

Publikation:
Gillian Murray-Dickson, Muhammad Ghazali, Rob Ogden, Rafe Brown, Mark Auliya: Phylogeography of the reticulated python (Malayopython reticulatus ssp.): Conservation implications for the worlds’ most traded snake species, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0182049

Weiterführende Informationen:
Dr. Mark Auliya
UFZ-Department Naturschutzforschung
E-Mail: mark.auliya@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?de=38972

Weiterführende Links:
ZDF / Planet-e: https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-schlangenhaeute-fuer-den-luxu...
UFZ-Newsletter März 2016 / Seite 6-8: http://www.ufz.de/newsletter/ufz/Maerz2016/index.html#/6
Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) https://www.cites.org/
Weltnaturschutzunion (IUCN): http://www.iucnredlist.org/

Weitere Informationen:

http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=26/2017

Susanne Hufe | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Grünes Licht für neues 3D-Verfahren

Premiere auf der formnext: Additive Fertigung von Kupferwerkstoffen per Selective Laser Melting mit grünem Licht

Eine Neuheit im Bereich Additive Manufacturing ist auf der formnext vom 14. bis zum 17. November 2017 in Frankfurt am Main zu sehen: Das Fraunhofer-Institut...

Im Focus: Green Light for New 3D Printing Process

Premier at formnext: Additive Manufacturing of Copper Materials Using Selective Laser Melting with Green Light

An innovation in the field of additive manufacturing will make its debut from November 14–17 at this year’s formnext in Frankfurt, Germany: the Fraunhofer...

Im Focus: Kernspinresonanz: hohe Sensitivität auf engem Raum

Forscher des KIT verwenden erstmals Lenz-Linsen für Messungen der Nuklearen Magnetischen Resonanz (NMR) – Methode eröffnet neue Möglichkeiten für Anwendungen in der Medizin

In vielen Bereichen von den Materialwissenschaften bis zur Medizin ermöglicht Nukleare Magnetische Resonanz (NMR) detaillierte molekülspezifische...

Im Focus: Kopf-Hals-Tumoren: Zeit für neue Einblicke in die individualisierte Krebstherapie

Die Bildgebungsmethode der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit dem radioaktiven Markerstoff FMISO ermöglicht es, die Wirkung der kombinierten Radio-Chemotherapie bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren vorherzusagen. Fällt die Prognose für den jeweiligen Patienten schlecht aus, könnte die Strahlenbehandlung künftig intensiviert werden, um die Heilungschancen zu verbessern. Ihre Forschungsergebnisse stellen Forscher des Dresdner OncoRay-Zentrums, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung im Fachjournal Radiotherapy & Oncology vor.

FMISO-PET-Bildinformationen sind in hohem Maße zur Vorhersage des Therapieverlaufs bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren geeignet. Eine besondere Rolle spielt...

Im Focus: Mehr Sicherheit und Effizienz im Hafen durch Vernetzung und Automatisierung der Portalhubwagen

Digitalisierung im Hafen: Forschungsprojekt von BIBA an der Universität Bremen und Terminalbetreiber EUROGATE hat Containerumschlag in Megahäfen im Fokus | „Herausragendes Beispiel für die Innovationskraft der deutschen Hafenwirtschaft“

Kurze Lösch- und Ladezeiten sind ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil für Häfen. Eine entscheidende Rolle können dabei die Portalhubwagen einnehmen. Diese...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die dunkle und die helle Seite der Algorithmen

30.08.2017 | Veranstaltungen

Computer als Brücke zwischen Theorie und Praxis der Hirnforschung

30.08.2017 | Veranstaltungen

Save the Date! AKL’18 vom 2. bis zum 4. Mai 2018

29.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smarte Sensoren steuern Industrieprozesse von morgen

31.08.2017 | Verfahrenstechnologie

ALMA findet gigantische versteckte Vorräte an turbulentem Gas in entfernten Galaxien

31.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher berechnen zentrale Eigenschaft von Wasser

31.08.2017 | Biowissenschaften Chemie