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Ein Herz für Warmduscher: Schüler bauen Solar-Brause

19.10.2009
Nachhaltige Entwicklung: DBU fördert Projekt an Berufsbildender Schule mit rund 200.000 Euro

Aufträge kalkulieren, Angebote erstellen, Produkte nachhaltig entwickeln und termingerecht produzieren - was für Auszubildende in Handwerk und Industrie Alltag ist, erleben seit einem Jahr auch 40 Schüler der Berufsbildenden Schulen Friedenstraße in Wilhelmshaven.

In der Berufseinstiegsschule mit eigener Produktionsstätte wird ein Unternehmen im Schulbetrieb nicht nur simuliert, sondern tatsächlich geführt. Immer im Fokus der Arbeit: das Konzept der Nachhaltigkeit. Als eines der ersten Produkte entstand nun eine mobile Solar-Duschanlage für Großveranstaltungen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Bildungsprojekt mit rund 200.000 Euro. "Nachhaltiges Handeln ist für jeden Beruf und jede Branche von Bedeutung. Schüler müssen mit dieser Arbeitsrealität so früh wie möglich vertraut gemacht werden", erklärt ihr Generalsekretär, Dr. Fritz Brickwedde, heute anlässlich der Einweihung der neuen Fertigungshalle auf dem Schulgelände.

"Ich bin mir sicher, dass die mobile Solar-Dusche nicht nur am Strand von Wilhelmshaven ein 'echter Renner' wird", betont Brickwedde bei der zweitägigen Herbstakademie der Berufsbildenden Schulen Friedenstraße in Wilhelmshaven. So kommen bald vielleicht schon verschwitzte Marathonläufer oder verkaterte Besucher großer Freiluft-Festivals in den Genuss der innovativen Anlage. Denn für diese Zielgruppen ist die solarbetriebene Brause gedacht, die die Schüler heute präsentieren. Kaum 90 Minuten dauert es, bis die Seitenteile des kompakten Anhängers aufgeklappt sind und das Zelt mit den sechs Duschkabinen aufgeschlagen ist. Über 100 Personen können nach einem Heizvorgang der 40 Solarkollektoren darin warm duschen. Bei direkter Sonneneinstrahlung heizt sich die Solarflüssigkeit in den 40 Vakuumröhren des Kollektors schon in zehn Minuten auf über 120 Grad auf. Die 800 Liter im Wasserspeicher sind damit schnell so heiß, dass zum Duschen Kaltwasser beigemischt werden muss. An grauen Tagen hilft ein Propangas-Generator nach.

Rund ein Jahr lang haben die Schüler an der Anlage geschraubt, gebohrt, gelötet und poliert. "Dabei lernen sie, Produktionsverantwortung zu übernehmen", erklärt Schulleiter Wilfried Steenblock. In der bundesweit ersten Berufseinstiegsschule mit integrierter Produktionsrealität und dem Fokus Nachhaltigkeit wird ein Wirtschaftsbetrieb eben nicht nur simuliert, sondern von der Berufsschule tatsächlich ausgeführt. In enger Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft erhalten so auch junge Menschen eine Chance, die in der strukturschwachen Region zunächst keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. "Die berufliche Qualifizierung im Umgang mit regenerativen Energien ist heute wichtiger denn je zuvor. Im Rahmen des Projekts werden kreative Lösungen zum wirksamen Einsatz natürlicher Rohstoffe frühzeitig erlernt. Gleichzeitig wird einem Mangel an Nachwuchskräften entgegengewirkt", ist DBU-Expertin Verena Exner überzeugt.

Das Projekt gilt als intelligente Fortschreibung des dualen Ausbildungssystems. Zum Programm gehört, dass die Teilnehmer eine Woche lang zur Probe arbeiten müssen. Wer genommen wird, erhält einen richtigen Anstellungsvertrag und auch eine kleine Vergütung. 7,5 Stunden feste Arbeitszeit am Tag sind ebenso selbstverständlich wie das Training sozialer und kommunikativer Fähigkeiten. Der Erfolg rechtfertigt den Aufwand: Nach der harten Schule fanden alle sechs Teilnehmer des ersten Schuljahres eine Lehrstelle.

Die über herkömmliche schulinterne Fortbildungen weit hinausgehende Herbstakademie am 19. und 20. Oktober soll nun zur Initialzündung werden, um ausgehend von der Berufseinstiegsschule die gesamte Berufsschule mit ihren 2.200 Schülern und 145 Lehrkräften nachhaltig zu entwickeln. Steenblock: "Die Schüler sollen lernen, die direkten und indirekten Folgen ihres beruflichen Handelns auf die Umwelt und die Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitmenschen und künftiger Generationen zu reflektieren und positiv zu verändern."

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel29360_335.html

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