Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herstellung von Olivenöl erzeugt giftiges Abwasser

09.07.2013
Olivenöl ist gesund, doch bei der Herstellung entsteht giftiges Abwasser.

Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau untersuchen derzeit gemeinsam mit Kollegen aus Israel und dem Westjordanland in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt, wie sich das Abwasser als Dünger nutzen lässt – ohne schädliche Auswirkungen auf Boden und Umwelt.


Bei der Olivenölproduktion anfallendes Abwasser wird in vielen Ländern häufig auf Äckern entsorgt. Hier ein Wissenschaftler bei der Probennahme im Wadi Qana im Westjordanland.
Jawad Hasan, AlQuds University

Jährlich werden weltweit etwa drei Millionen Tonnen Olivenöl produziert, vor allem in Griechenland, Italien und Spanien. Doch auch in anderen Ländern des Mittelmeerraums wie Kroatien, Israel und Tunesien steigt der Anbau überdurchschnittlich. Diese warmen, aber meist trockenen Gebiete sind häufig auf eine Bewässerung der Anbaufelder angewiesen.

Bei der Herstellung des Olivenöls wird sehr viel Wasser verbraucht, etwa 500 bis 1.000 Liter pro Tonne Öl, zudem fallen große Mengen an giftigem Abwasser an. Für jede Tonne Olivenöl sind dies etwa 500 bis 1.500 Liter Abwasser. Dieses entsteht insbesondere beim sogenannten Drei-Phasen-Prozess, der aus Kostengründen in den meisten Familienbetrieben Israels, Palästinas und anderer Mittelmeerländer eingesetzt wird. Sie geben dabei den zerkleinerten Früchten Wasser zu und verrühren es. Die Mischung wird in eine horizontale Zentrifuge eingebracht, in der sich die trennenden Phasen Abwasser, Öl und Feststoffe kontinuierlich über seitliche Öffnungen ableiten lassen.

Giftige Substanzen

„Das Abwasser enthält jedoch giftige Substanzen“, erklärt Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. Das Institut steht an der Spitze des trilateralen DFG-Projekts Oliveoil, in dem Wissenschaftler aus Israel, Palästina und Deutschland in gemeinsamen Feldexperimenten und Laborstudien eng zusammenarbeiten.

„Vor allem die phenolischen Stoffe sind toxisch für Pflanzen und Mikroorganismen. Daher stören sie auch den Klärprozess, und das Abwasser wird daher in vielen Ländern von den Kläranlagen nicht mehr angenommen. Stattdessen wird es häufig auf Äckern entsorgt, wo es das Auskeimen der Samen hemmt und in Verdacht steht, die Böden wasserabweisend zu machen.“

Aufgrund dieser Problematik sind die großen Industriebetriebe inzwischen auf den modernen Zwei-Phasen-Prozess umgestiegen. Dieser verbraucht deutlich weniger Wasser und erzeugt kein Abwasser, sondern neben dem Olivenöl nur Feststoffe als Schlamm. Zusätzlich setzen sie zahlreiche Technologien ein, um das in anderen Herstellungsphasen entstehende Abwasser sowie den Schlamm aufzubereiten. Viele kleinere Betriebe können sich das teure Zwei-Phasen-System jedoch nicht leisten und arbeiten weiterhin, mit Sicherheit noch 10 bis 15 Jahre, mit drei Phasen.

Abwasser in Dünger umwandeln

Am Institut für Umweltwissenschaften Landau untersuchen Wissenschaftler derzeit, wie sich das Abwasser als Dünger ohne schädliche Auswirkungen auf die Felder nutzen lässt. Dabei werden verschiedene Behandlungs- und Ausbringungsvarianten geprüft. Denn schon die ersten Wochen nach der Ausbringung entscheiden darüber, ob sich negative Auswirkungen einstellen.

Der aktuelle Stand der noch laufenden Feldstudien deutet darauf hin, dass schon alleine eine Verschiebung des Ausbringungszeitpunktes in den Frühling hinein und gegebenenfalls eine Mengenbegrenzung das Problem lösen könnten. Bislang wird das Abwasser im Winter kurz nach der Ernte auf die Felder verteilt. Im kalten, feuchten Winter finden Mikroorganismen, die giftige Substanzen abbauen, aber sehr ungünstige Bedingungen vor. Zudem können die giftigen Stoffe kurz nach der Ausbringung durch die starken Winterregenfälle ins Grundwasser transportiert werden. Im Frühling könnten sie die Stoffe deutlich schneller umsetzen und die Gefahr der Grundwasserkontamination wäre deutlich geringer. Im Sommer dagegen wird der Boden durch das trockene, heiße Klima sehr schnell wasserabweisend.

Es sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine nachhaltige Ausbringung des Abwassers aus der Olivenproduktion zu gewährleisten. Damit die Verbraucher in der Zukunft ihr Lieblingsöl – nachhaltig produziert – bedenkenlos kaufen können.

Die Studie:
Schaumann, G.E.; Borisover, M.; Nasser, A.; Bukhanovsky, N.; Hasan, J. & Marei Sawalha, A. (2010). Potential effects of olive oil production waste water on soil quality. Acta Horticulturae, 888, 337-344.

Kurtz, M.; Peikert, B.; Bruehl, C.; Dag, A.; Hasan, J. & Schaumann, G.E. (submitted 2013). Effects of olive mill wastewater on soil arthropods and soil chemistry in two different cultivation scenarios in israel and palestine. Journal of Ecosystems.

Peikert, B.; Schaumann, G.E.; Keren, Y.; Bukhanovsky, N.; Borisover, M.; Abo Garfha, M.; Hassan, J. & Dag, A. (submitted 2013). Does spreading of olive oil mill wastewater on soil change soil characteristics? – a screening study of israel and the west bank. Agriculture, Ecosystems and Environment.

Weitere Informationen zum Thema:
http://www.trilat-oliveoil.uni-landau.de
http://www.soil-waste-water.de
Kurzprofil Institut für Umweltwissenschaften Landau:
Das Institut für Umweltwissenschaften Landau betreibt grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, in deren Fokus die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt stehen. Das Institut vereint die Expertisen von neun interdisziplinären Arbeitsgruppen damit aktuelle Forschung vom Molekül über Ökosysteme bis zur menschlichen Gesellschaft. Das Institut für Umweltwissenschaften Landau wurde 2004 an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau gegründet. Weitere Informationen: http://www.umwelt.uni-landau.de
Kontakt:
Universität Koblenz-Landau
Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-31571
E-Mail: schaumann@uni-landau.de
Pressekontakt:
Universität Koblenz-Landau
Kerstin Theilmann
Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-32219
E-Mail: theil@uni-koblenz-landau.de
Fink & Fuchs Public Relations AG
Ralf Klingsöhr
Paul-Heyse-Str. 29
80336 München
Tel.: (089) 589787-12
E-Mail: ralf.klingsoehr@ffpr.de
Weitere Informationen:
http://www.trilat-oliveoil.uni-landau.de
http://www.soil-waste-water.de
http://www.umwelt.uni-landau.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koblenz-landau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten