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Handlungsbedarf im Klimaschutz: Bauernverband versteckt sich hinter Bäumen

21.11.2008
Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat mit der Studie "Klimawirkungen der deutschen Landwirtschaft" eine breite Debatte um die Verantwortung der Landwirtschaft für den Klimaschutz angestoßen.

Auf der Tagung "Landnutzung und Klimaschutz" wurde nun drei Monate nach der Veröffentlichung eine erste Bilanz gezogen: Was hat sich bisher an den Fronten bewegt?

Am vergangenen Mittwoch trafen sich in Berlin erstmals Vertreter der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft, der Verbraucherschutzorganisation foodwatch e.V. sowie die Autoren der Studie zum Gespräch. Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer von foodwatch e.V. und Auftraggeber der IÖW-Studie, bekräftigte seine Forderung: "Wir brauchen konkrete Reduktionsziele für die Landwirtschaft."

Denn auch der Bauernverband müsse sich den Regeln der europäischen Klimapolitik beugen. Es könne nicht sein, so Bode, dass ein so wichtiger Emittent eine Sonderrolle einnehme. Der Deutsche Bauernverband (DBV) beharrte hingegen auf seiner Position: Der Zuwachs an Waldflächen gehöre mit in die Klimabilanzierung der Landwirtschaft. Adalbert Kienle, Stellvertretender Generalsekretär des DBV: "Uns ist es wichtig: Nur Emissionen und CO2-Bindungen führen zur Bilanz."

Auch wenn sich der größte deutsche Bauernverband gesprächsbereit zeigte: Konkrete Ansätze für Klimaschutzmaßnahmen der konventionellen Landwirtschaft blieb er dem Publikum schuldig. Waldflächen in die landwirtschaftliche Klimabilanz einzubeziehen, sei gemäß internationaler Konventionen unzulässig, hatte das Umweltbundesamt Ende September in einem Brief an Gerd Sonnleitner, den Präsidenten des DBV, klargestellt. Dass die ökologische Landwirtschaft an Klimaeffizienz gewinnen müsse, ließ deren Vertreter, Dr. Alexander Gerber vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), durchblicken: "Wir sind gut, aber noch nicht gut genug."

"Unsere Untersuchung hat den Handlungsbedarf offen gelegt und konkrete Ansatzpunkte benannt", betonte Dr. Jesko Hirschfeld, Wissenschaftler am IÖW und Autor der Studie. Ökobetriebe müssten effizienter werden und die konventionellen Betriebe den Einsatz von Düngemitteln deutlich reduzieren. Geeignete Maßnahmen für mehr Klima- und Gewässerschutz wären eine Verschärfung der Düngeverordnung oder auch eine Besteuerung des Stickstoffeinsatzes, so Dr. Hirschfeld zum Abschluss.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der eintägigen IÖW-Tagung "Landnutzung und Klimaschutz: Potenziale in Landwirtschaft, Naturschutz und Bioenergieerzeugung" statt, die von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert wurde.

Kirstin Wulf | idw
Weitere Informationen:
http://www.landnutzung-klimaschutz.de

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