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Grüne Zeitzeugen vor Säge bewahrt: Alleen blühen wieder auf

28.04.2010
Historischer Baumbestand modellhaft restauriert - DBU stiftete 200.000 Euro - Ergebnisse übertragbar

Noch strecken die Eichen auf dem Weg zum Herrenhaus von Gudow ihre Äste etwas kahl dem Himmel empor. Im Sommer bildet ihr Laub ein dickes grünes Dach. Seit etwa 300 Jahren bietet die Allee Tieren einen Lebensraum, filtert die Luft und spendet Schatten. Doch wie der Bestand vieler baumgesäumter Straßen Deutschlands sind die Eichen durch Umweltbelastungen zunehmend bedroht.

Um dieses wichtige Kultur- und Naturgut zu erhalten, führten die Landesämter für Denkmalpflege sowie für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein mit dem Institut für Baumpflege (Hamburg) ein modellhaftes Projekt zur Res taurierung sechs historischer Alleen durch. „Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse können nun weitere der grünen Zeitzeugen gerettet werden“, so Margret Brahms, Abteilungsleiterin im Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein, bei der heutigen Präsentation der Ergebnisse. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderte das Projekt mit rund 200.000 Euro.

Alleen als natürliche Brücke zwischen Biotopen

Bereits seit dem 17. Jahrhundert sind Alleen ein fester Bestandteil unseres Landschaftsbildes. Zunächst in herrschaftlichen Gärten, später auch als Ruheoasen in Städten – der Schönheit von Alleen erlagen Künstler wie Paul Cezànne, Max Liebermann oder Gustav Klimt, die das Farbenspiel und die Lichtreflexe auf der Leinwand festhielten. „Auch aus ökologischer Sicht sind Alleen bedeutend“, betont Lutz Töpfer, DBU-Referent für Umwelt- und Kulturgüterschutz. Sie böten Fledermäusen, Nachtfaltern und Käfern einen wichtigen Lebensraum. Vögel fänden Brut- und Nisträume. „Ist ihr Laub dicht gewachsen, stellen sie eine natürliche Brücke zwischen voneinander getrennten Biotopen dar“, so Töpfer. Zudem verbesserten die alten Bäume Klima und Luftqualit ät. Laut Bundesumweltministerium kann eine hundertjährige Buche durch Photosynthese bis zu 45.000 Liter Sauerstoff am Tag produzieren.

Wissen um Pflege von Alleen droht verloren zu gehen

Doch durch Abgase, Streusalz und Straußenbau sei der zum Teil bis zu 300 Jahre alte Baumbestand in Schleswig-Holstein zunehmend gefährdet. Auch das Wissen um Pflege und Erhalt von Alleen drohe verloren zu gehen. Bisherige Maßnahmen richteten sich vor allem an der Verkehrssicherheit aus. Belange des Naturschutzes und der Denkmalpflege seien in der Praxis weniger beachtet worden. „In der Folge kann es dazu kommen, dass Bäume umstürzen oder gefällt werden müssen“, erklärt Dr. Michael Paarmann, Landeskonservator und Leiter des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. An sechs Standorten haben Experten unterschiedlicher Fachrichtungen daraufhin modellhaft die kulturhistorische, ökologische und baumbiologische Bedeutung von Alleen erforscht – darunter die Platanenallee in Kiel-Holtenau, die Schwarzpappelallee in Bliestorf, die Kastanienallee in Kletkamp, die Eichendoppelallee in Gudow sowie die Lindendoppelalleen in Ascheberg und Farve.

Konzepte zur Verkehrsberuhigung erarbeitet

„In einer ersten Phase haben wir die rund 1.000 Bäume vermessen, kartiert und auf ihren Gesundheitszustand untersucht“, so Paarmann. In einer zweiten Phase schlossen sich baumpflegerische Maßnahmen an: Kronen stutzen, kranke und absterbende Äste abschneiden, Totholz entfernen – „natürlich auf das erforderliche Maß beschränkt“, betont der Landeskonservator. Dort, wo es nötig war, seien auch Konzepte zur Verkehrsberuhigung erarbeitet worden. Das entlaste die Wurzeln der Bäume und beuge Stammschäden vor. „Das wiederum stärkt die Verkehrssicherheit“, sagt Paarmann. „Durch die richtige Pflege können geschädigte Alleebäume oftmals noch viele Jahre an ihrem Standort erhalten werden. Nur drei der 607 untersuchten Bäume mussten der Säge zum Opfer fallen.“

Projektergebnisse auf andere Regionen übertragbar - großer Alleenbestand in Ostdeutschland

Viereinhalb Jahre Arbeit, ein Kostenaufwand von 475.000 Euro – 208.000 Euro davon übernommen von der DBU – sowie eine ausführliche Dokumentation sind nun die Bilanz. „Die Arbeit hat sich gelohnt. Das Landesnaturschutzgesetz Schleswig-Holsteins wurde während des Projekts geändert und enthält erstmals konkrete Aussagen über Wert und Schutzwürdigkeit historischer Alleen“, betont Paarmann. Rund 23.000 Kilometer überörtlicher Straßen sind in der Bundesrepublik Alleen. Davon 18.000 Kilometer allein in den ostdeutschen Bundesländern. „Die Ergebnisse des Projektes sind sehr gut auch auf andere Regionen übertragbar“, so Töpfer. Die Abschlusspublikation ist erhältlich beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 25748): Dr. Margita Meyer, Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Telefon: 0431-6967775

Dr. Margita Meyer | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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