Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grünalgen – ein ökologisches und gesundheitliches Problem

25.07.2011
Im August 2009 erstickte ein Pferd an den Stränden des bretonischen Departements Côtes-d’Armor in einem Algenteppich, während sein Halter nur knapp dem Tod entkam.

Ein tragisches Schicksal, welches ein 50 Jahre altes Problem wieder ins Licht gerückt hat. Die für das Unglück verantwortlichen Algen sind zwei Arten der Gattung Ulva (U. rotundata und U. armoricana). Sie ernähren sich vorwiegend von Nitraten, die in diesem Fall von Schweinegülle stammen.

In dieser auf die intensive Schweinezucht spezialisierten Region ist die Güllemenge, die als Dünger eingesetzt wird, so groß, dass der Boden sie nicht aufnehmen kann. Nitrate gelangen somit insbesondere durch Regenfälle ins Meer. Des Weiteren wird das Algenwachstum im Sommer von der Sonne und der Hitze begünstigt. Neben dem ästhetischen Aspekt stellen Algen auch ein gesundheitliches Problem dar, da die Zersetzungsgase (Schwefelwasserstoff) sehr giftig sind.

Zwei Jahre später versuchen Bagger auch weiterhin die Algen an den betroffenen Stränden zu beseitigen. In den letzten sechs Monaten wurden insgesamt 20.000 m3 Algen entfernt, im Vergleich zu 13.000 m3 im Vorjahr. Welche Maßnahmen wurden bereits eingeleitet und welche sind noch notwendig, um diesem Problem Herr zu werden? Für Umweltorganisationen liegt die Lösung klar auf der Hand: Der Tierbestand an Schweinen muss reduziert werden, um das Problem der Grünalge in den Griff zu bekommen. Den Landwirten zufolge ist diese radikale Umstellung jedoch nicht ohne erhebliche finanzielle Unterstützung vom Staat möglich.

Wie von Premierminister François Fillon versprochen, wurde ein interministerieller Ausschuss ins Leben gerufen, der sich diesem Fall angenommen hat. Er brachte alle Beteiligten (Landwirte, Politiker, Verbände), zusammen und gemeinsam wurden zwei Aktionspläne erarbeitet – einer für jede betroffene Region in der Bretagne: die Buchten von Lannion und Saint-Brieuc. In diesen Aktionsplänen (der erste wurde am 30. Juni 2011 angenommen, der zweite wird in den kommenden Wochen verabschiedet) ist eine drastische Senkung des Nitratflusses (30-40%) vorgesehen. Auch wenn diese Aktionspläne hinsichtlich der Menge des zu reduzierenden Algenbestandes als sehr effektiv eingestuft werden (zehn Millionen Euro sind für die Beseitigung von Algen geplant), so sind sie nach Meinung des wissenschaftlichen Ausschusses [1] was die Vorsorge betrifft, nicht ausreichend.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Methanisierung. Dieser Prozess wird in Deutschland sehr häufig zum Abbau organischer Substanzen eingesetzt und dient der Erzeugung von Biogas durch die Zersetzung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden meist tierische Exkremente (Gülle, Festmist) und Energiepflanzen als Substrat eingesetzt. Aber auch dieses Projekt ist sehr kostspielig, weil es den Bau von Anlagen erfordert.

[1] Weitere Informationen (auf Französisch) unter:
http://www.eau-et-rivieres.asso.fr/media/user/File/Actu2011/Avis_
Conseil_scientifique_PlanAV_fev2011.pdf?bcsi_scan_1fe59ba8c561fa18=0&bcsi_scan_
filename=Avis_Conseil_scientifique_PlanAV_fev2011.pdf
Quelle:
Artikel aus futura-sciences – 07.07.2011 -
http://www.futura-sciences.com/fr/news/t/developpement-durable-1/d/algues-vertes-le-point-sur-un-probleme-ecologique-inquietant_31236/#xtor=RSS-8
Redakteurin:
Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr

Myrina Meunier | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/umwelt-klima-agronomie/grunalgen-ein-okologisches-und-gesundheitliches-problem/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften