Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grenzüberschreitende Netzwerke für Lachs, Fischotter & Co.

25.03.2009
Vor allem in dichtbesiedelten Räumen haben es empfindliche Tier- und Pflanzenarten schwer: Verkehrstrassen und Siedlungen zerschneiden die Landschaft, wertvolle Biotope verinseln dadurch immer mehr. Ein anhaltender Rückgang der Artenvielfalt ist die Folge.

Mit dem Konzept des Biotopverbunds bemüht man sich in Deutschland, Lebensräume wieder miteinander zu vernetzen. Doch funktioniert das auch über Deutschlands Außengrenzen hinweg? Und welche Faktoren bestimmen den Erfolg bei dieser Art grenzüberschreitender Zusammenarbeit? Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) untersuchten jetzt umfassend grenzüberschreitende Biotopverbund-Kooperationsprojekte.

Entlang der deutschen Außengrenze gibt es rund 30 grenzüberschreitende Kooperationsprojekte, die sich zwischen 2003 und 2007 mit der Etablierung von Biotopverbünden beschäftigt haben - davon deutlich mehr im Grenzgebiet zu den westlichen Nachbarstaaten als an den östlichen Grenzen. Im Hinblick auf Art und Größe des Kooperationsraums, Ziele, Inhalte, Beteiligte vor Ort und die Finanzierung weisen sie große Unterschiede auf. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass die Zusammenarbeit immer auf Freiwilligkeit beruht. Der beträchtliche Kooperationsaufwand wird umso weniger gescheut, je größer die ökologischen Problemlagen vor Ort sind - zum Beispiel durch sehr hohen Siedlungsdruck oder Gewässerverschmutzung.

Ein prominentes Beispiel der untersuchten Kooperationsprojekte ist der Biotopverbund am Rhein. Auch hier bestehen gravierende ökologische Probleme. Bebauung, intensive Nutzung der Ufer, die Begradigung des Flusslaufs und die vielen Flussbauwerke beeinträchtigen das Ökosystem des Flusses sehr. Besonders wandernde Tierarten wie der Lachs waren daher jahrzehntelang auf dem Rückzug. Ziel ist es nun insbesondere, bis 2020 wieder einen stabilen Lachsbestand zu etablieren. "Inzwischen ist bereits viel passiert. Diverse Fischpässe wurden angelegt, an den Nebenflüssen wurden ebenfalls zahlreiche Wehre umgestaltet oder komplett geschleift, außerdem wurden in vielen Bereichen die Ufer umgestaltet", sagt Dr. Markus Leibenath vom IÖR. Und weiter: "Diese Erfolge basieren maßgeblich auf der Arbeit der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins, aber auch vieler Akteure auf regionaler und lokaler Ebene." Die Kommission wurde bereits 1963 ins Leben gerufen und ist per Staatsvertrag legitimiert. Seit dem schweren Chemieunfall im Sandoz-Werk 1986 verfolgt sie immer stärker das Ziel, das Ökosystem Rhein lebendig und gesund zu erhalten. Dank ihrer formellen Gremien und Entscheidungsstrukturen können Anforderungen eines Biotopverbundes besser durchgesetzt werden. "Die Kommission bildet eine formale Kooperationsplattform. Das erleichtert die Arbeit für Behörden und Naturschutzverbände enorm", so Markus Leibenath.

So wie am Rhein, wo der Biotopverbund von einem breiten politischen Engagement der betroffenen Nachbarstaaten profitieren kann, stellt sich die Situation längst nicht überall dar. Ganz anders sieht es zum Beispiel an der bayerisch-tschechischen Grenze aus. Das wesentlich von einer einzelnen Wissenschaftlerin initiierte Projekt "Otterbahnen nach Oberfranken" will dazu beitragen, die im benachbarten Tschechien noch zahlreicher vertretenen Fischotter nach Oberfranken und dann auf eine Ost-West-Wanderachse bis in die Benelux-Länder zu lotsen. Dazu müssen Trittsteinbiotope geschaffen werden, die die Weibchen zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen. Problematisch ist, dass Fischotter existierende Straßenunterquerungen häufig nicht annehmen. In der Folge fallen viele "Einwanderer" dem Straßenverkehr zum Opfer. Die von deutscher Seite angestoßene grenzüberschreitende Kooperation kann zwar einerseits an die bereits seit längerem bestehenden Aktivitäten der Tschechischen Otterstiftung anknüpfen. Zugleich ist dieses Projekt aber ein gutes Beispiel für die zentrale Bedeutung einzelner Akteure und deren Kompetenzen in der alltäglichen Zusammenarbeit. So ist das Projekt ohne größeren institutionellen Rahmen beispielsweise auf individuelle Fremdsprachenkenntnisse und ein hohes persönliches Engagement der beteiligten Akteure angewiesen. Dadurch wird es sehr anfällig für einen Wechsel der Ansprechpartner auf der einen oder anderen Seite der Grenze.

"Insgesamt zeichnen sich sehr deutlich zentrale Erfolgsfaktoren für grenzüberschreitende Biotopverbundprojekte ab", fasst Markus Leibenath die Arbeit des Forschungsteams zusammen. Zum einen können internationale Institutionen den Projekten den nötigen formalen Rahmen geben. Zum anderen tragen gut organisierte, starke Naturschutzverbände zum Gelingen von grenzüberschreitenden Biotopverbundprojekten bei. Auch das hohe Engagement einzelner Personen ist ein bedeutender Erfolgsfaktor. Oft sind es auch wirtschaftliche Ziele, wie die Förderung des Tourismus, die den Weg für Biotopverbundprojekte frei machen. Es zeigte sich, dass Biotopverbünde in Grenzräumen vor allem da vorangebracht werden, wo die Dichte und Qualität grenzüberschreitender Institutionen hoch ist.

Ansprechpartner:
Dr. Markus Leibenath
Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung
Tel.: + 49 (0) 351 463 42 417
E-Mail: M.Leibenath@ioer.de
Biologische Vielfalt als Forschungsthema des IÖR
Das IÖR erforscht den Einfluss von Landnutzung und Landnutzungsänderungen auf die Vielfalt von Ökosystemen. Projekte befassen sich mit den Auswirkungen von Siedlungsentwicklung und der damit einhergehenden Landschaftszerschneidung, den Veränderungen der Freiräume und ihrer Struktur sowie dem großräumigen und grenzüberschreitenden Biotopverbund. Ein wichtiger Aspekt der Forschungen ist die Frage, wie die Raumwissenschaft mit geeigneten Instrumenten zum Erhalt und zur Wiederherstellung einer hohen biologischen Vielfalt beitragen kann.

Anja Petkov | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht MULTI-ReUse - Neues Forschungsprojekt zur Abwassernutzung
06.01.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie