Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Greifswalder Forscher stellen Mikroorganismen in den Dienst der Klimaforschung

21.11.2008
In einem interdisziplinären Forschungsprojekt wollen Wissenschaftler verschiedener norddeutscher Forschungseinrichtungen molekularbiologische Untersuchungstechniken weiterentwickeln.

Mit neuen Technologien wollen sie die Geheimnisse mikrobieller Gemeinschaften im Meer entschlüsseln. Die Forscher interessieren sich besonders für die mikrobiellen Stoffwechselaktivitäten, die zur CO² Fixierung und zum Abbau mariner Verbindungen (Polymere) beitragen.

Das Verbundprojekt MIMAS (Mikrobielle Interaktionen in MArinen Systemen) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Es läuft drei Jahre.

In unseren Weltmeeren gibt es schätzungsweise 1 Million verschiedene Bakterienarten. Mikrobiologen können allerdings nur 0,1 Prozent dieser Organismen im Labor kultivieren. Das war bisher die Voraussetzung dafür, sie genauer untersuchen und ihren genetische Struktur bestimmen zu können.

In dem Verbundprojekt MIMAS sollen nun Verfahren entwickelt und angewandt werden, mit denen der genetische Code gleich mehrerer Mikroorganismen in einer Wasserprobe aus dem Meer entschlüsselt werden kann. Die Forscher gehen davon aus, mit Hilfe so genannter Metatranskriptom- und Metaproteomanalysen das Zusammenwirken verschiedener mariner Mikroorganismen in marinen Ökosystemen besser erklären zu können.

"Mikroorganismen im Meer sind bisher nur unzureichend erforscht.", sagt Projektkoordinator Prof. Dr. Thomas Schweder von der Universität Greifswald. "Marine Mikroorganismen sind hochinteressant für die Klimaforschung. Es gibt solche, die CO² binden, undandere Mikroorganismen, die deren Polymere abbauen. Außerdem wissen wir, dass im Meer Sedimentationsprozesse ablaufen, bei denen gebundenes CO² auf den Meeresboden sinkt. Schließlich gibt es auch CO2-Fixierungsprozesse, die unabhängig vom Licht in tieferen Wasserschichten ablaufen. Wie das aber genau funktioniert, dass wissen wir bis heute nicht. Wir brauchen also neue Technologien, die uns helfen, das Zusammenwirken der Mikroorganismen besser zu verstehen. Hier liegt der Schlüssel zu einem besseren Verständnis von Klimaveränderungen und menschlichen Einflüssen auf bio-geo-chemische Stoffkreisläufe", erklärt Prof. Dr. Rudolf Amann, Direktor des Max-Plank-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen und wissenschaftlicher Partner des Projektes. Die Wissenschaftler erwarten, dass sie mit ihren Erkenntnissen, die Überwachung und Untersuchung mariner Ökosysteme deutlich verbessern können.

Die Techniken und Werkzeuge, die im Rahmen des Forschungsvorhabens entwickelt werden, sollen an ausgewählten Standorten im Meer übergeprüft werden. Es ist geplant an der Forschungsstation Kabeltonne vor der Insel Helgoland in der Nordsee und am Gotland-Tief in der Ostsee regelmäßig Proben aus verschiedenen Wasserschichten zu holen. Diese Wasserproben werden dann gefiltert. Anschließend soll die DNA aller Organismen der Proben bestimmt werden.

An dem Projekt sind neben der Universität Greifswald das Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen, das Leibnitz-Institut für Ostseeforschung in Rostock (IOW) und die Jacobs-Universität Bremen beteiligt. Weiter Partner sind das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-Geomar) sowie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) Bremerhaven.

Prof. Dr. Thomas Schweder - Foto: Universität Greifswald / Jan Meßerschmidt
Das Foto kann in der Pressestelle abgerufen werden
Ansprechpartner für Rückfragen:
Prof. Dr. Thomas Schweder
AG Pharmazeutische Biotechnologie
Institut für Pharmazie,
F.-L.-Jahn-Str.17; 17498 Greifswald
Telefon 03834 86-4212
schweder@uni-greifswald.de
Weitere Informationen:
http://www.marine-biotechnologie.de - Marine Biotechnologie Greifswald
http://www.awi.de/de/- Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
http://www.io-warnemuende.de/ - Leibnitz-Institut für Ostseeforschung in Rostock
http://www.mpi-bremen.de/Home.html - Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen
http://www.bmbf.de/ - Bundesforschungsmisniterium
http://www.ifm-geomar.de/ - IFM-Geomar
http://www.jacobs-university.de/ - Jacobs-Universität

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten