Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Golf-Öl bedroht nun Atlantik

07.06.2010
Modellrechnungen zeichnen dramatisches Bild für US-Ostküste

Ein US-deutsches Forscherteam hat Modellrechnungen über den Verlauf des Öls, das im Golf von Mexiko freigesetzt wird, gemacht. Demnach ist es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich das Öl über den Golfstrom weit in den Atlantik ausbreiten wird. Besonders betroffen davon würde die atlantische Küste Floridas sein. Initiatoren der Studie sind Forscher vom National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder und vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Die Rechnungen wurden am Los Alamos National Laboratory durchgeführt.

"Welche Auswirkungen das Öl dann hat, hängt von der Region ab", meint Claus Böning stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs "Ozeanzirkulation und Klimadynamik" am IFM-Geomar im pressetext-Interview. "Im offenen Atlantik wären die Folgen nicht dramatisch, da sich das Öl sehr stark vermengen würde. Anders hingegen sieht es in der Region der Florida Keys und den Sandstränden entlang der Ostküste aus", so der Experte. "Diese Region wäre am stärksten betroffen", erklärt Böning. Der südliche Teil Floridas ist nicht nur eine beliebte Urlaubsregion, sondern beherbergt auch die einzigen Korallenriffe am US-Festland.

Die Ergebnisse der aktuellen Modellexperimente zeigen, dass der Ölteppich den Atlantik innerhalb weniger Wochen erreichen und sich dann rasch weiter nach Nordosten ausbreiten könnte. "Dass dies geschehen wird, zeichnet sich schon länger ab", meint Böning. "Doch offensichtlich haben die US-Behörden aufgrund des Tourismus in der Region wohl darauf verzichtet, darüber zu berichten." Demnach könnte nun nicht nur die Golfküste Floridas, sondern auch die langen weißen Sandstrände von den Florida Keys bis South Carolina von der Ölkatastrophe betroffen sein.

Karibik als Wiege des Golfstroms

Die Karibik ist die Wiege des Golfstroms. Von dort ergießen sich pro Sekunde etwa 32 Mio. Kubikmeter Wasser durch die Floridastraße in den Atlantik. "Insofern lag nahe, einmal nachzuschauen, ob und wie schnell ein Stoff, aus dem Golf von Mexiko in den Atlantik transportiert wird", erklärt Martin Visbeck, Leiter der Physikalischen Ozeanographie am IFM-GEOMAR.

Aktuelle Modellrechnungen mit einem hochauflösenden Ozeanmodell der Meeresforscher zeigen, dass sich der Ölteppich sehr rasch aus dem Golf von Mexiko heraus in den atlantischen Golfstrom ausbreiten könnte. "Die Meeresenge wirkt wie ein Auslassventil", erklärt Böning. Überraschend sei das nicht. "Wir sind davon ausgegangen, dass es zweieinhalb bis drei Monate nach Beginn der Einleitung des Öls im Golf zu dieser Bewegung Richtung Atlantik kommt, schließlich liegt die Geschwindigkeit der Strömung bei bis zu 150 Kilometer am Tag.

Schon länger bekannt

Für europäische Strände gibt Visbeck unter den derzeitigen Umständen Entwarnung. "Durch die starke Verwirbelung des Golfstroms dürfte sich das Öl anschließend weiträumig im Nordatlantik verteilen und die Konzentrationen damit stark absinken", erklärt Visbeck. "Zudem wird in den Modellstudien der biologische Abbau, der die Dauer der Ölbelastung deutlich abschwächt, nicht berücksichtigt." Die Experten schließen allerdings nicht aus, dass bei ungeminderter Öl-Ausströmung bis August, die momentanen Abschätzungen revidiert werden müssen.

Links: http://www2.ucar.edu/news/ocean-currents-likely-to-carry-oil-spill-to-atlantic-coast

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ncar.ucar.edu
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz