Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Geheimnis der Flüsse

03.08.2011
Flüsse, wie wir sie kennen, sind keine Naturlandschaften mehr, sie sind vom Menschen geprägt. Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen erforschen dieses Wechselspiel zwischen Mensch und Natur. Sie treffen sich vom 8. bis 12. August 2011 in Berlin zum Symposium der Internationalen Gesellschaft für Fließgewässerforschung.

Auf ihnen fahren Schiffe, man kann in ihnen Angeln oder baden und zunehmend sollen sie auch saubere Energie liefern: Flüsse in Industrienationen sind vom Menschen gemachte, vernetzte Ökosysteme. Sie liegen nicht mehr in ihrer ursprünglichen natürlichen Form vor - mit Kurven, Flussauen und vielen Tier- und Pflanzenarten. Sie werden gestaut und begradigt, ausgebaggert und künstlich verbunden. Trotzdem bergen sie viele Geheimnisse.


Oderlandschaft bei Reitwein
Foto: IGB

„Für große Flüsse, so wie wir sie kennen, gibt es keine Vorbilder in der Natur“, sagt Dr. Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Daher gibt es noch großen Forschungsbedarf im Bereich der Fließgewässer. Diese sind komplexe Systeme, die den vielfältigsten Wechselwirkungen unterliegen. Auf der Tagung kommen deshalb Experten unterschiedlichster Fachrichtungen zusammen wie Hydrologen, Hydrodynamiker, Auenökologen, Fischökologen, Limnologen, Mikrobiologen, Biochemiker und Genetiker.

Ziel der Gewässerforscher ist es dabei nicht, die Flüsse wieder in ihren natürlichen Zustand zu überführen. Sie untersuchen vielmehr, wie der Mensch die Flüsse möglichst verträglich nutzen kann. So haben die Forscher beispielsweise heraus gefunden, dass die zehn-prozentige Verringerung der Geschwindigkeit von Schiffen zu 50 Prozent weniger Wellen führt. Wellen schädigen die Uferbereiche und insbesondere die dort lebenden Fischlarven und Kleinstlebewesen, letztere dienen wiederum als Nahrung für Fische.

Auch Staustufen und Wehre können für Fische zum Problem werden, da sie in Fließgewässern zu ihren Laichplätzen wandern müssen. „Wenn solche Anlagen gebaut werden, wird darauf meist wenig Rücksicht genommen, die Fischtreppen sind in der Regel zu klein“, sagt Wolter. Ein Umdenken hat hier ein Projekt zur Wiederansiedlung des Störs in Elbe und Oder gebracht. Der Stör kann bis zu drei Meter lang werden und zieht oft in großen Schwärmen, da braucht er viel Platz, wenn er Höhenunterschiede im Flussbett überwinden will. „Der Stör fasziniert auch die Wasserbauingenieure. Jetzt werden für ihn viel größere Fischtreppen gebaut, wovon natürlich auch die anderen Fische profitieren.“

Insbesondere in Deutschlands größter Wasserstraße, dem Rhein, gibt es noch ein anders Phänomen. Hier fühlen sich seit einiger Zeit aus der unteren Donau eingewanderte Fische, die Grundeln, zuhause. Als Grund für die starke Zunahme vermuten die Forscher eine Besonderheit: Die Flossen der Grundel sind zu einer Saugscheibe zusammengewachsen, mit der sie sich am Flussgestein festhält. Im Rhein findet sie beste Bedingungen vor, denn seine Uferbefestigung besteht überwiegend aus großen Steinblöcken. „Wir wissen aber noch nicht, wie sich das auf die anderen Fischpopulationen auswirkt“, so Wolter. Denn Fische, die sich stark vermehren, fressen ihren Konkurrenten die Nahrung weg und manchmal sogar deren Eier. Überhaupt seien im Rhein 90 Prozent der Wirbelosen - also Muscheln, Krebse und Schnecken – eingewanderte Arten. Dies könne man nicht mehr rückgängig machen, ist Wolter überzeugt. „Aber wir müssen das beobachten und die ökologischen Wirkungen erfassen.“

Auch den Ausbau erneuerbarer Energien, wie etwa Wasserkraftanlagen im Miniformat, sieht der Flussexperte skeptisch. Solche Anlagen werden jetzt in vielen Flüssen genehmigt. Damit sie wirtschaftlich arbeiten, benötigen sie einen hohen Durchsatz an Wasser – eine tödliche Falle für wandernde Fische. „Das sind die reinsten Aalhäckselmaschinen“, sagt Wolter.

Die Wasserqualität dagegen hat sich in den meisten einheimischen Flüssen erfreulich entwickelt. In der Berliner Spree geht Wolter baden und auch die Fische, die hier leben, vor allem Barsche und Plötzen, empfiehlt er ohne Bedenken zum Verzehr.

ISRS 2011
2nd Biennial Symposium of the International Society for River Science ISRS
Vom 8. bis 12. August 2011, Berlin
Abacus Tierpark Hotel, Franz-Mett-Str. 3-9, D-10319 Berlin
Kontakt:
Dr. Christian Wolter, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Tel.: 030 641 81 633, wolter@igb-berlin.de

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de
http://www.isrs2011.igb-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise