Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gegen weiße Flecken auf der Landkarte: EU-gefördertes Projekt stellt Umweltverschmutzung dar

17.11.2010
Welches Ausmaß hat eine Ölverschmutzung auf hoher See? Wohin breitet sich das Öl aus? Um solche Fragen zu beantworten, stehen nun erstmals Landkarten im Internet zur Verfügung, die Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung in Echtzeit darstellen.

Dieses für jeden zugängliche Angebot ist das Ergebnis des internationalen Forschungsprojektes "Interoperability and Automated Mapping" (INTAMAP). Dabei haben Wissenschaftler eine Software entwickelt, die Umrisskarten erstellt, welche nicht nur das exakte Verschmutzungsgebiet darstellen, sondern auch zeigen, woher die Schadstoffe kommen und wohin sie sich bewegen.

"Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Forschung helfen kann, Menschen und Umwelt zu schützen. Mit den neu entwickelten Systemen können Behörden und Bürger künftig schnell auf Gefahrenlagen reagieren und die weitere Entwicklung einer Umweltkatastrophe besser einschätzen", betont Prof. Dr. Edzer Pebesma, Koordinator des nun abgeschlossenen Projektes und stellvertretender Direktor des Instituts für Geoinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Europäische Kommission unterstützte INTAMAP innerhalb des sechsten EU-Forschungsrahmenprogramms mit 1,8 Millionen Euro. Beteiligt waren Wissenschaftler aus Österreich, Belgien, Griechenland, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland.

Die neue Methode löse ein Problem, sagen die Forscher: Bisher könne etwa bei einer Ölhavarie in europäischen Gewässern durch Messungen zwar das betroffene Verschmutzungsgebiet genau bestimmt werden. Oft sei aber nicht klar, wie stark die Verschmutzung ist oder woher sie kommt. Ohne diese Informationen sei es für die Behörden schwierig, schnell zu handeln und der Verschmutzung wirksam zu begegnen. So müssten beispielsweise Entscheidungen über eine Notevakuierung auf der Basis von Informationen getroffen werden, die von relativ wenigen, zum Teil weit auseinanderliegenden Messpunkten stammen. "Ohne Angaben über die Schadstoffbelastung zwischen diesen Messpunkten haben die Verantwortlichen aber keinen vollständigen Überblick über das Ausmaß des Verschmutzungsproblems", erklärt Edzer Pebesma.

Mithilfe der sogenannten Interpolationsmethode verdeutlicht INTAMAP, was zwischen den Messpunkten geschieht. Daher gibt die Karte ein genaueres Bild der Lage. Da hierfür eine lange Rechenzeit notwendig sein kann, entscheidet die Software anhand der im Ernstfall zur Verfügung stehenden Zeit, ob für eine sehr detailreiche Karte die genauste Interpolation erfolgt. Müssen beispielsweise Behörden schnell Entscheidungen über einen Rettungseinsatz treffen, erstellt das System in kurzer Zeit eine einfachere Darstellung, die zunächst einen groben Überblick über die Situation gibt und eine zeitnahe Reaktion ermöglicht.

Herzstück des Projekts ist eine quelloffene, also für jeden Interessierten zugängliche Interpolationssoftware, die über Webdienste mit der Außenwelt verbunden wird. Sie kann mit Rohdaten arbeiten, die nach den offenen Standards des "Open Geospatial Consortium" (OGC) im Internet veröffentlicht werden. Sobald die Daten verarbeitet sind, können die Karten mit Hilfe von Webdiensten, die ebenfalls den OGC-Standards entsprechen, nach Bedarf automatisch erstellt, im Web dargestellt und aktualisiert werden.

Ein mögliches Anwendungsbeispiel von INTAMAP für Privatpersonen betrifft die Partikelkonzentration aus städtischer und industrieller Luftverschmutzung. Sie kann schon in kurzen Entfernungen recht unterschiedlich sein. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, könnte mit Hilfe von INTAMAP die mittlere Schadstoffbelastung berechnen und verschiedene Fahrwege miteinander vergleichen. Ein anderes Anwendungsbeispiel betrifft Behörden und wird bereits umgesetzt: Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz benutzt das INTAMAP-System zur Darstellung der Ergebnisse der stündlichen Gammastrahlenmessung durch die Plattform "EURDEP" (European Radiological Data Exchange Plattform).

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.intamap.org/index.php
http://ifgi.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven
22.11.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

23.11.2017 | Geowissenschaften

Leistungsfähigere und sicherere Batterien

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik

Ein MRT für Forscher im Maschinenbau

23.11.2017 | Maschinenbau