Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geändertes Waldmanagement verantwortlich für Lücke im Verständnis des Kohlenstoffkreislaufes

25.09.2013
In der globalen Kohlenstoffbilanz der Atmosphäre klafft eine Lücke, die die Wissenschaft bisher nur unzureichend erklären kann.

Rund 2,5 GtC/yr, so viel wie ein Drittel der gesamten Emissionen aus Fossilenergie, verschwinden jährlich aus der Atmosphäre, ohne dass man genau wüsste, warum das so ist und wo der Kohlenstoff bleibt. Ein internationales Forscherteam rund um Karl-Heinz Erb, Institut für Soziale Ökologie Wien, liefert in der aktuellen Ausgabe des Nature Climate Change eine mögliche Erklärung für einen Teil dieser unbekannten Senke.

Der unbekannte Posten in der atmosphärischen Kohlenstoffbilanz wird als „residual sink“ bezeichnet. Es hat sich eingebürgert anzunehmen, dass diese Kohlenstoffsenke durch Klimawandel verursacht wird, weil der Anstieg von CO2 und pflanzenverfügbarem Stickstoff in der Luft das Pflanzenwachstum beschleunigt.

Im aktuellen Artikel zeigen Karl-Heinz Erb und seine Kollegen auf, dass zumindest 30-40 Prozent dieses „residual sink“ auf Veränderungen in der Bewirtschaftung des Waldes zurückzuführen sind. Im 19. Jahrhundert wurden Wälder nicht nur zur Holzgewinnung genutzt, sondern waren auch Nährstofflieferanten für Weidevieh und für den Ackerbau. Zweige und Blätter wurden als Streu verwendet und damit Nährstoffe dem Waldboden entzogen. Diese Form der Waldbewirtschaftung verlor in den letzten Jahrhunderten – nicht zuletzt aufgrund der Verfügbarkeit von Fossilenergie – an Bedeutung. Damit haben sich die Bedingungen für das Wachstum der Bäume wesentlich verbessert.

Das hat entscheidende Folgen für den globalen Kohlenstoffkreislauf, wie die ForscherInnen aufzeigen. Die verbesserte Nährstoffbilanz führte zu massiven Erhöhungen des natürlichen Zuwachses in den Wäldern, weit über die Einschlagraten hinaus, und damit auch zu einer drastischen Zunahme des Kohlenstoffbestandes. Anhand von Modellergebnissen und historischen Daten konnten die WissenschafterInnen zeigen, dass dieser Effekt bereits weit vor Mitte des 20. Jahrhunderts eingesetzt haben muss. Da die Mitte des 20. Jahrhunderts auch als der Zeitpunkt angesehen wird, vor dem Effekte des Klimawandels kaum eine Rolle spielten, kann dies also nicht alleine von Klimawandel verursacht werden.

Die WissenschafterInnen konnten diesen Sachverhalt für Österreich zeigen. Karl-Heinz Erb dazu: „Das Land ist zwar klein, aber die hervorragende Datenverfügbarkeit erlaubt es uns, den Effekt systematisch zu analysieren.“ Die historischen Zeitreihen aus Österreich stammen aus früheren Arbeiten am Institut für Soziale Ökologie und wurden hauptsächlich von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert. Da ähnliche Landnutzungsveränderungen wie in Österreich aber auch für andere Weltregionen bekannt sind, gehen die WissenschafterInnen davon aus, dass dieser Effekt einen wesentlichen Teil des „residual sink“ erklären kann.

„Die tatsächliche Größe des Effekts kann aber erst durch verbesserte Klima- und Landnutzungsmodelle sowie belastbare Daten aus weiterer Sozialökologischer Langzeitforschung abgeschätzt werden“, so Erb. Der Wissenschafter betont, dass es wichtig sei, Effekte der Landnutzung stärker in die Berechnungen zum Kohlenstoffkreislauf und von Interaktionen zwischen Erde und Atmosphäre einzubeziehen.

Karl-Heinz Erb ist Träger eines Starting Independent Researcher Grants des European Research Councils – ERC (263522 LUISE-“An integrated socio-ecological approach to land-use intensity: Analysing and mapping biophysical stocks/flows and their socioeconomic drivers”).

Erb, K.-H., Kastner, T., Luyssaert, S., Houghton R. A., Kuemmerle, T., Olofsson, P. & Haberl, H. (2013). Bias in the attribution of forest carbon sinks. Nature Climate Change (3).

Dr. Romy Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.aau.at/sec

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der schärfste Laserstrahl der Welt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt entwickelt einen Laser mit nur 10 mHz Linienbreite

So nah an den idealen Laser kam bisher noch keiner: In der Theorie hat ein Laser zwar genau eine einzige Farbe (Frequenz bzw. Wellenlänge). In Wirklichkeit...

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der schärfste Laserstrahl der Welt

29.06.2017 | Physik Astronomie

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften