Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fukushima: Radioaktivität verlagert sich ins Meer

29.03.2011
Keine Lagermöglichkeit für hochverstrahltes Wasser

Die Einsatzkräfte im havarierten Atommeiler Fukushima, die derzeit gegen eine noch größere Katastrophe ankämpfen, stehen vor einem Entsorgungsproblem. In den Turbinengebäuden stehen mehrere tausend Kubikmeter von hoch radioaktivem Meerwasser, das zur notdürftigen Kühlung der Brennstäbe diente.

Japans Atombehörde gab am heutigen Dienstag die Beschädigung der Brennstäbe der Reaktoren 1 bis 3 sowie der Schutzhülle zu, was die hochgefährliche Verstrahlung des Wasser erklären könnte. Das Abpumpen ist mittlerweile im Gange, Lagermöglichkeiten gibt es aufgrund fehlender Tanks jedoch nicht. Alles deutet darauf hin, dass das Wasser direkt ins Meer geleitet wird.

Trinkwasser in Gefahr

Für die Trinkwasserversorgung in Japan kann die Fukushima-Katastrophe langfristige Folgen haben, stammen doch 85 Prozent der Reserven Japans aus oberflächennahem Grundwasser. "Verstrahlungen werden hier über Luft und Regen übertragen. Ein großer Teil des am Kraftwerksgelände versickerten radioaktiven Wassers wird außer im Grundwasser im 800 Meter entfernten Pazifik landen, da der Untergrund aus Granit ist", so Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler gegenüber pressetext. Zwar sorgt die Ozeanströmung für Verdünnung, die jedoch aufgrund des Einsickerns in Sedimente und Unterschieden im Salzgehalt nicht gleichmäßig ist. Auch im Meer können dann wie an Land sogenannte "Hotspots" der Verstrahlung auftauchen.

Ozean-Nahrungskette direkt betroffen

"Von Meeresorganismen werden Radionuklide unterschiedlich schnell und stark angereichert", erklärt Günter Kanisch von der Leitstelle Umweltradioaktivität des Johann Heinrich von Thünen-Instituts für Fischereiökologie http://www.vti.bund.de/?id=311 , im pressetext-Interview. Bei Fischen verläuft dieser Prozess sehr langsam, wobei der Maximalwert - setzt man eine gleichbleibend kontaminierte Umgebung voraus - erst nach einem Jahr erreicht wird. Bei Algen geht es viel schneller, jedoch auch bei algen- und planktonfressenden Fischen und deren Räubern, die in Folge am meisten abbekommen.

Auch die Stärke der Anreicherung, die bei Fischen im Muskelgewebe geschieht, unterscheidet sich deutlich. "Bei andauernder konstanter Aktivkonzentration von Cäsium-137 im Wassers ein Fisch nach 100 Tagen die 100-fache Konzentration ansammeln. Andere Radionuklide wie etwa das in Japan derzeit noch nicht festgestellte Strontium-90 haben bei Fisch zwar einen deutlich geringen Anreicherungsfaktor, verbleiben jedoch im Menschen als Endkonsument wesentlich länger mit einer Halbwertszeit von rund 100 Tagen", so der Hamburger Wissenschaftler.

Dimension von Tschernobyl erreicht

Genaue Angaben über bisher abschätzbare Folgen sind derzeit vor allem deshalb nicht möglich, da sowohl AKW-Betreiber Tepco als auch die japanische Atomaufsicht ihre Messergebnisse nicht vollständig publizieren. "Was fehlt, ist der Nuklidwert der freigesetzten Strahlungen, der erst Aussagen über die Halbwertszeit ermöglicht", so Greenpeace-Experte Edler. Externe Schätzungen wie etwa der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik http://www.zamg.ac.at gehen davon aus, dass die bisherigen Emissionswerte mehrere 10.000 Terabecquerel betragen - was einem Störfall in der Größenordnung Tschernobyls und einer Einstufung in die Ines-Skala auf der höchsten Stufe (7) entspricht.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
10.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie