Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für die Erhaltung von historisch altem Grünland – Neues Forschungsprojekt an der Uni Regensburg

02.02.2015

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung finanzieren ein neues Forschungsprojekt an der Universität Regensburg. Das Team um Prof. Dr. Peter Poschlod und Prof. Dr. Christoph Reisch vom Lehrstuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie am Institut für Pflanzenwissenschaften wird bis Ende 2018 mit über 600.000 Euro gefördert. Ziel ist die Entwicklung von Verfahren zur Identifikation historisch alten Grünlands.

„Die Wiese ist die Mutter des Ackers“. Dieser Leitspruch aus dem 19. Jahrhundert, in dem das Grünland durch den Wiesenbau seinen Höhepunkt hatte, ist heute Geschichte. Durch die Erfindung des Mineraldüngers und seinem vermehrten Einsatz seit den 1950er Jahren, die Umstellung von der Freiland- zur Stallhaltung, zahlreiche agrarpolitische Reformen und aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist das Grünland stark zurückgegangen.


Historisch altes Grünland muss als genetische Ressource für die Zukunft erhalten werden.

Foto: Universität Regensburg – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung

Waren es 1950 noch 60.000 km² in der BRD, so sind es heute nur noch etwa 47.500 km² in ganz Deutschland. Damit einher ging wegen der Nutzungsintensivierung (Entwässerung, Düngung, Umbruch und Neueinsaat, extrem hohe Schnittzahl) oder -aufgabe (in Grenzertragslagen) eine drastische Abnahme der Artenvielfalt. Dies hat sowohl für die Pflanzenzucht als auch für den Naturschutz zur Folge, dass die verbliebenen artenreichen Restflächen geschützt werden müssen.

Um historisch altes Grünland als genetische Ressource für die Zukunft zu erhalten, wird das neue Regensburger Projekt deshalb im Rahmen der „Richtlinie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Förderung von Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich der Erhaltung und innovativen nachhaltigen Nutzung der Biologischen Vielfalt“ gefördert.

Grünland ist aber nicht gleich Grünland. Pilotstudien, die am Regensburger Lehrstuhl durchgeführt wurden, haben bereits gezeigt, dass sich je nach Alter des Grünlandes die Artenzusammensetzung wesentlich unterscheiden kann. Ziel des neuen Forschungsprojekts ist vor diesem Hintergrund die Identifikation und Charakterisierung (Artenvielfalt und genetische Vielfalt) historisch alten Grünlands.

Im Rahmen des Projekts werden in einem ersten Schritt archäobotanische, historisch-ökologische (bspw. natürliche Archive wie die Bodensamenbank oder auch historische Aufzeichnungen und Karten) sowie bodenkundliche Untersuchungen genutzt, um historisch altes Grünland zu identifizieren. Daraus soll ein Set von Indikatorarten erarbeitet werden.

In einem zweiten Schritt folgen die populationsgenetische Charakterisierung sowie weitere genetische Untersuchungen zu einer notwendigen Minimum-Gebietskulisse für historisch altes Grünland (Lage und Anzahl von Beständen). In Zusammenarbeit mit dem Regierungsbezirk Tübingen sollen die Ergebnisse dann in die Ausweisung von Grünland-Erhaltungszentren münden.

Das neue Projekt ist somit auch ein Modellprojekt für ganz Deutschland. In einem neu zu erarbeitenden Leitfaden soll die Vorgehensweise zur Identifikation historisch alten Grünlands dokumentiert und die Übertragbarkeit auf andere Pflanzengesellschaften erläutert werden.

Vorarbeiten der Regensburger Wissenschaftler stießen wegen des hohen landwirtschaftlichen Potentials auf großes Interesse von Pflanzenzüchtern. In einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe sind daher auch Wissenschaftler des IPK (Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung) sowie des JKI (Julius Kühn-Institut bzw. Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) vertreten.

Rahmendaten zum Forschungsprojekt
Titel: „Identifikation und Erhaltung historisch alten Grünlands“ (BLE)
Förderkennzeichen: 2813BM001

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Peter Poschlod
Universität Regensburg
Institut für Pflanzenwissenschaften
Tel.: 0941 943-3108
Peter.Poschlod@ur.de

und

Prof. Dr. Christoph Reisch
Universität Regensburg
Institut für Pflanzenwissenschaften
Tel.: 0941 943-3131
Christoph.Reisch@ur.de

Alexander Schlaak | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Rasante Evolution einer Kalkalge
14.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Insektensterben: Auch häufige Arten werden selten
01.02.2018 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics