Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frostschutz in der Nordsee

30.11.2011
Erstmals wird die Umweltchemikalie Benzotriazol in der Nordsee wissenschaftlich nachgewiesen. Benzotriazole werden als Metallschutz zum Beispiel in Frostschutzmitteln eingesetzt.

Seit einigen Jahren steigt die Menge an Benzotriazolen in der Umwelt an. Hendrik Wolschke vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht hat nun erstmals Messergebnisse für die Deutsche Bucht veröffentlicht.

Pünktlich zur kalten Jahreszeit stehen Enteisungsmittel im Regal. PKW Fahrer kommen mit geringen Mengen durch den Winter. Anders im Flugverkehr. Allein für die Enteisung eines Langstreckenflugzeuges werden etwa 3600 Liter Enteisungsmittel verbraucht. Seit einigen Jahren enthalten viele dieser Mittel Benzotriazole. Benzotriazole haben die Eigenschaft, Korrosion zu verhindern. Sie schützen Materialien und Bauteile und beugen Sicherheitsrisiken vor. Auch in Geschirrspülmitteln, Bremsflüssigkeiten und in Kühlsystemen sind Benzotriazole enthalten.

Wissenschaftler weisen diese Chemikalie vermehrt in Gewässern nach, auch im Grundwasser. Denn dieser Stoff hat bestimmte Eigenschaften: Benzotriazole sind gut wasserlöslich, lassen sich schwer binden und werden biologisch nur schwer abgebaut. Sie können Kläranlagen quasi ungehindert passieren. Von dort gelangen sie in Flüsse, Seen und Meere. Für Wasserorganismen sind Benzotriazole als giftig eingestuft. Die Auswirkungen für die Umwelt lassen sich derzeit nur schwer abschätzen.

Hendrik Wolschke vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht hat im Rahmen seiner Diplomarbeit gemessen, wie viel Benzotriazol in die Nordsee eingetragen wird. Denn im Gegensatz zu anderen Gewässern, liegen für die Meere noch keine Messdaten vor. „Mich interessiert, wie viel Benzotriazol über die unterschiedlichen Zuflüsse in die Nordsee fließt und wie sich die Chemikalie dort räumlich und saisonal verteilt“, so Wolschke. Von Bord des Forschungsschiffes Ludwig Prandtl hat der Umweltwissenschaftler zu unterschiedlichen Jahreszeiten Wasserproben in der Elbe, Weser und Ems genommen. Stichprobenartig wurden der Rhein und einigen Zuflüsse in Belgien und den Niederlanden untersucht. Für die Proben aus der Deutschen Bucht war Wolschke mit dem Forschungsschiff Heinke unterwegs.

In allen Proben wurden Benzotriazole nachgewiesen, wobei die Konzentration in den Flüssen um ein vielfaches höher liegt als in der Deutschen Bucht. In der Elbe sinkt die Konzentration von etwa 300 Nanogramm Benzotriazol pro Liter im Hamburger Hafen auf etwa 20 Nanogrammn pro Liter im äußeren Mündungsbereich. In der Elbe wurden vor allem im März hohe Konzentrationen gemessen, die auf den Einsatz von benzotriazolhaltigen Enteisungs- und Frostschutzmitteln in den Wintermonaten schließen lassen.

Die Datenauswertungen des Umweltwissenschaftlers ergaben eine Gesamtmenge von etwa 80 Tonnen Benzotriazole, die 2010 in die Nordsee eingetragen wurden – rund 75 Prozent davon über den Rhein. Der zweitgrößte Zufluss kommt aus der Elbe. In der Nordsee werden die Benzotriazole durch die große Wassermenge stark verdünnt, ein Abbau konnte nicht beobachtet werden. Benzotriazole weisen in der Gruppe der so genannten Polaren Organischen Schadstoffe eine vergleichsweise hohe Konzentration auf. Daher sollten die weiträumige Verbreitung und die Langlebigkeit der Benzotriazole im globalen Wasserkreislauf weiter beobachtet und untersucht werden.

Hintergrund
Hendrik Wolschke arbeitet in der Abteilung Umweltchemie unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Ebinghaus am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Wolschke und seine Kollegen untersuchen, wie Schadstoffe in die Meeresumwelt gelangen, wie sie sich dort verbreiten und wo sie verbleiben.

Dr. Torsten Fischer | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.hzg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie