Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsreise zu Luftqualität und Klimawandel rund um die Arabische Halbinsel erfolgreich beendet

05.09.2017

Internationales Team untersuchte erstmals Wechselwirkungen zwischen gasförmigen und partikulären Schadstoffen mit atmosphärischen Staub- und Meersalz-Aerosolpartikeln

Nach gut zwei Monaten und knapp 20.000 Kilometern auf See ging Ende August eine spannende Expedition zu Fragen der Luftqualität und des Klimawandels zu Ende. Am 3. August legte das Forschungsschiff „Kommandor Iona“ im Hafen von Seyne sur Mer in Südfrankreich an und entließ die Teilnehmer der wissenschaftlichen Reise AQABA („Air quality and climate change in the Arabian Basin“) an Land.


Die Dunstglocke über Kuwait ist vom Schiff aus gut sichtbar.

Hartwig Harder

Ein internationales Forscherteam, das vom Max-Planck-Institut für Chemie (MPI für Chemie) in Mainz geleitet wurde, hatte rund zwei Monate lang erstmalig Daten über die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre auf der Seestrecke zwischen Europa und Kuwait gesammelt.

Ziel des Forschungsprojektes war es, den Einfluss von Luftverschmutzung auf die öffentliche Gesundheit, das Klima und die Umwelt zu untersuchen. An dem gemeinschaftlichen Projekt waren neben dem MPI für Chemie auch Wissenschaftler des Kuwait Institute for Scientific Research aus Kuwait, des Cyprus Institute auf Zypern sowie aus Saudi-Arabien, Frankreich und den USA beteiligt.

Die AQABA-Mission führte die Wissenschaftler von Europa rund um die Arabische Halbinsel bis nach Kuwait und traf dabei auf ein einzigartiges Spektrum unterschiedlichster Umweltbedingungen. Die intensive Sonnenstrahlung führte zu hochintensiver Fotochemie, sodass die abwechslungsreichen Konditionen eine Art „natürliches Labor“ darstellten.

So durchfuhren sie im Arabischen Meer saubere, unberührte Luft, wohingegen im Roten Meer verschmutzte, staubige Luft aus Afrika die Forscher empfing. Im Nahen Osten trübten Abwinde aus den städtischen Gebieten sowie Schiffsabgase die Luft. Im Persischen Golf hingegen überwogen die Verschmutzungen durch die Emissionen der Petrochemie.

Erste Messergebnisse der AQABA-Mission zeigen bereits, welche wichtige Rolle die Luftverschmutzung spielt: „Luftschadstoffe verändern die Chemie von natürlichem Staub in der Atmosphäre. Dies wiederum wirkt sich auf den Wasserkreislauf aus, da die Staubpartikel als Kondensationskeime von Wolkentröpfchen fungieren, die den Niederschlag und das Klima verändern können“, erklärt Prof. Jos Lelieveld, Leiter der Expedition.

Außerdem können Flora und Fauna gestört werden, weil die Luftverschmutzung die mineralogische Zusammensetzung der Staubpartikel ändert, ergänzt der Direktor am MPI für Chemie und Professor am Cyprus Institute. Die Partikel werden mit reaktivem Stickstoff, Schwefel, Eisen, Phosphor und toxischen Substanzen angereichert, die sich im Ökosystem an Land und im Meer ablagern. Die AQABA-Messungen liefern zudem kritische Kontrollen für Computermodelle und Daten zur Berechnung von atmosphärischen Prozessen im Nahen Osten und bestimmen die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, Nährstoffkreisläufe und den Klimawandel.

Messungen vom Mittelmeer bis Kuwait

Die Seereise führte die Forscher von Juni bis August 2017 von Südfrankreich über das Mittelmeer durch den Suezkanal nach Kuwait und zurück. Insgesamt legte das Team an Bord des Forschungsschiffs „Kommandor Iona“, das der Reederei Hays Ships in Großbritannien angehört, rund 20.000 Kilometer zurück.

Die Messinstrumente waren dabei in fünf klimatisierten Laborcontainern auf dem Vordeck des Forschungsschiffs untergebracht. Sie detektierten Aerosolpartikel und Gase in direkter Nähe zu den am Bug liegenden Lufteinlässen. Erstmals wurden auch unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen), die vom Schiff aus gestartet wurden, eingesetzt. Diese untersuchten die vertikale Struktur der unteren Troposphäre in bis zu zwei Kilometern Höhe.

Die AQABA-Instrumentierung stellte die bisher umfassendste Analytik für atmosphärische Chemie und Aerosol-Untersuchungen an Bord eines Schiffes dar und lieferte einzigartige Datensätze. Diese fließen in Studien über die Wechselwirkungen von Gasen und Aerosolen ein. Die Daten werden aber auch Untersuchungen verbessern, die sich mit der atmosphärischen Chemie von Staub und Meersalz und anderen natürlichen Emissionen aus Meer und Land und deren Interaktion mit Luftverschmutzung aus einer Vielzahl von Quellen beschäftigen.

Kooperationspartner AQABA:
Zu den Kooperationsinstitutionen gehören das Max-Planck-Institut für Chemie (Deutschland), das Kuwait-Institut für wissenschaftliche Forschung (Kuwait Institute for Scientific Research, KSIR), die Universität Kairo (Ägypten), die Zayed Universität (Vereinigte Arabische Emirate), die König Abdullah Universität für Wissenschaft und Technologie (King Abdullah University of Science and Technology, KSA), die Universität von Kalifornien, San Diego (USA), das Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Laboratory for Climate and Environmental Science, Frankreich) und das Cyprus Institute (Zypern).

Hintergrundinfos zur Kampagne:
Der Nahe Osten ist eine bevölkerungsreiche Region mit warmem und trockenem Klima. Hitzeextreme, fehlender Niederschlag und fotochemische Luftverschmutzung können die öffentliche Gesundheit gefährden. Zudem hat man beobachtet, dass die atmosphärische Staubkonzentration in den letzten 15 Jahren stark zugenommen hat. Die Umweltforschung in der Region ist auf aktuelle Messdaten angewiesen, insbesondere solchen zur atmosphärischen Zusammensetzung der Luft.

Dr. Susanne Benner | Max-Planck-Institut für Chemie
Weitere Informationen:
http://www.mpic.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hoffnung auf mehr Schutz für den Netzpython
31.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen

Bald schon wollen Physiker mit Hilfe von Quantensimulatoren Probleme lösen, an denen herkömmliche Computer scheitern. Dafür benötigen sie aber neue Werkzeuge, um sicherzustellen, dass die Simulatoren richtig arbeiten. Innsbrucker Forscher um Rainer Blatt und Christian Roos haben nun gemeinsam mit Forschern der Universitäten Ulm und Strathclyde ein neues Verfahren im Labor umgesetzt, mit dem auch komplexe Quantenzustände effizient charakterisiert werden können. Die Matrix-Produkt-Zustands-Tomographie könnte zu einem neuen Standardwerkzeug für Quantensimulatoren werden.

Viele Phänomene der Quantenwelt lassen sich im Labor nicht direkt untersuchen, und auch Supercomputer scheitern beim Versuch, sie zu simulieren....

Im Focus: Wie Rezeptoren für Medikamente im Zellinneren arbeiten

G-Protein-gekoppelte Rezeptoren sind für viele Medikamente der zentrale Angriffspunkt. Würzburger Wissenschaftler konnten jetzt genauer zeigen, wie diese Rezeptoren im Zellinneren wirken.

G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) werden zu Hunderten im menschlichen Erbgut kodiert. Sie bilden die größte Gruppe von Rezeptoren, über die Hormone und...

Im Focus: How receptors for medicines work inside cells

G protein-coupled receptors are the key target of a large number of drugs. Würzburg scientists have now been able to show more precisely how these receptors act in the cell interior.

The human genome encodes hundreds of G protein-coupled receptors (GPCRs). These form the largest group of receptors through which hormones and...

Im Focus: Drehtür am Zellkern: Wie Shuttle-Proteine die Kernpore steuern

Kernporen sind winzige Kanäle, durch die Stoffe zwischen Zellkern und Zytoplasma transportiert werden. Das gängige Modell zur Regulierung dieses nuklearen Transports könnte nun durch eine neue Studie von Forschern der Universität Basel widerlegt worden sein. Die im «Journal of Cell Biology» veröffentlichte Studie zeigt, dass Shuttle-Proteine, sogenannte Importine, die Funktion der nuklearen Poren steuern. Bislang ging man vom Gegenteil aus und nahm an, dass die nuklearen Poren den Importin-Shuttle steuern würden.

Im Kern jeder Zelle befindet sich die Erbinformation. Geschützt werden diese von einer Membran, die den Kern umschliesst und die etliche Kernporen enthält....

Im Focus: Like a Revolving Door: How Shuttling Proteins Operate Nuclear Pores

Nuclear pore complexes are tiny channels where the exchange of substances between the cell nucleus and the cytoplasm takes place. Scientists at the University of Basel report on startling new research that might overturn established models of nuclear transport regulation. Their study published in the Journal of Cell Biology reveals how shuttling proteins known as importins control the function of nuclear pores – as opposed to the view that nuclear pores control the shuttling of importins.

Genetic information is protected in the cell nucleus by a membrane that contains numerous nuclear pores. These pores facilitate the traffic of proteins known...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ICNFT 2018 - 5th International Conference on New Forming Technology

05.09.2017 | Veranstaltungen

21. Business Forum Qualität: Data Analytics für das digitale Qualitätsmanagement

05.09.2017 | Veranstaltungen

VDE veranstaltet Tagung zur Zukunft der Netze

05.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen

05.09.2017 | Physik Astronomie

Organische Photodioden – eine kostengünstige Alternative zur Detektion im NIR-Bereich

05.09.2017 | Messenachrichten

Magnetische Surfer: Nanostrukturen können gezielt beeinflusst werden

05.09.2017 | Physik Astronomie