Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt zeigt: Hecken in Agrarflächen schützen Biodiversität in Madagaskar

18.08.2016

Weltweit ist ein stetiger Verlust von Tier- und Pflanzenarten zu beobachten. Vor allem auf Madagaskar, das als sogenannter „Hotspot der Biodiversität“ gilt, sind einzigartige Tiergemeinschaften von dramatischen, durch Menschen hervorgerufenen, Rückgängen ihres natürlichen Lebensraums bedroht. Wie dem entgegengewirkt werden kann, hat ein Forscherteam der Universität Hamburg untersucht und die Ergebnisse nun im „Journal of Applied Ecology“ veröffentlicht.

Die Forscher aus der Arbeitsgruppe „Tierökologie & Naturschutz“ erforschten auf dem Mahafaly Plateau im Südwesten Madagaskars, inwieweit von Menschen künstlich angelegte Hecken zum Erhalt der Biodiversität auf Agrarflächen beitragen können. Dabei untersuchten sie beispielhaft den Einfluss verschiedener Landnutzungsformen auf die in dieser Region sehr artenreiche Gruppe der Reptilien.


Opuntien sind Hauptbestandteile von vielen Hecken in den Agrarflächen. Diese bieten unter anderem Lebensraum für die Taggecko-Art Phelsuma breviceps.

Joachim Nopper

Dort gefährden u. a. Brandrodung, Beweidung durch Nutztiere und nicht-nachhaltiger Holzeinschlag den Weiterbestand natürlicher Wälder. Ein Grund dafür ist der steigende Ressourcenbedarf einer stark wachsenden Bevölkerung.

Die Hamburger Studie zeigt, dass künstlich angelegte Hecken an Feldrändern positiv zum Artenreichtum beitragen. So konnte etwa die vom Aussterben bedrohte Taggecko-Art Phelsuma breviceps, die auf den Feldern keinen Lebensraum hat, in den angelegten Hecken nachgewiesen werden.

Die Autoren der Studie betonen aber, dass diese Hecken zum einen strukturreich sein und zum anderen untereinander und auch mit Wäldern in Verbindung stehen müssen, um möglichst vielen Tierarten Lebensraum zu bieten.

In der Studie, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Sustainable Landmanagement in Madagascar“ (SuLaMa) entstand, spielte es zudem eine wichtige Rolle, ob und wie die Menschen in Madagaskar für die Pflanzung von Hecken und damit für den Erhalt der Biodiversität gewonnen werden können.

Denn im Südwesten Madagaskars betreiben die Einwohnerinnen und Einwohner Viehzucht und Ackerbau und entnehmen dem natürlichen Ökosystem Nahrungs- und Futtermittel, Medikamente sowie Bau- und Brennholz. Künstlich angelegte Hecken dienen als Schutz der Anbauflächen vor Nutztieren (Ziegen, Schafe, Zebus) und bieten der Bevölkerung Ressourcen, die sie im täglichen Leben verwenden können, z. B. Kaktusfeigen.

Allerdings muss in weiteren Studien untersucht werden, inwieweit sich Opuntien (Kakteengewächse), die derzeit Hauptbestandteil der Hecken sind und erst im späten 18. Jahrhundert in Madagaskar eingeführt wurden, negativ auf die Verbreitung heimischer Floren- und Faunenelemente auswirken.

„Die Studie zeigt, dass die Menschen und die einzigartige Tierwelt koexistieren können“, erklärt Joachim Nopper, Tierökologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg. Dies sei eine positive Erkenntnis – vor allem auch für die Bevölkerung vor Ort.

Allerdings stellten diese von Menschen genutzten Flächen keinen vollwertigen Ersatz für ungestörte Wälder dar: „Negative Auswirkungen auf natürliche Systeme werden durch die Anlage von Landschaftselementen wie Hecken zwar verringert, aber nur zusammen mit vorhandenen Wäldern können sie dem Artensterben effektiv entgegenwirken“, sagt Nopper.

In anderen Teilprojekten von SuLaMa wird daher unter anderem untersucht, welche Alternativen es zu Brandrodung gibt und wie nachhaltige Landwirtschaft in Madagaskar umgesetzt werden kann.

Link zur Originalstudie:

DOI 10.1111/1365-2664.12752

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12752/full

Mehr Informationen „Sustainable Landmanagement in Madagascar“:

http://www.sulama.de

Für Rückfragen:

Joachim Nopper
Biozentrum Grindel
Arbeitsgruppe „Tierökologie & Naturschutz“
Tel.: +49 40 42838-8052
E-Mail: Joachim.Nopper@uni-hamburg.de

Birgit Kruse | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Nur die Spitze des Eisbergs / Monitoring-Programme unterschätzen den Einfluss des Menschen
16.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie