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Forscher untersuchen die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten in Südamerika und Australien

13.07.2011
Chile ist gefährlicher für Argentinien als umgekehrt.

Invasive Pflanzenarten in Chile stellen ein größeres Risiko für das Nachbarland Argentinien dar als umgekehrt. Das schlussfolgern Wissenschaftler der Universität Concepción in Chile und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) aus einer Analyse der Flora beider Länder. Besonders 22 gebietsfremde Arten, die in Chile an den Verbindungsstraßen ins Nachbarland vorkommen, stellten ein hohes Risiko dar, schreiben die Forscher im Fachblatt Biological Invasions.

Der Handel zwischen Chile und Argentinien verläuft hauptsächlich auf dem Straßenweg. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Transportmenge mehr als verdreifacht. Lange bildeten die Anden eine natürliche Barriere zwischen beiden Ländern, die durch den steigenden Verkehr zunehmend löchrig wird. Von den 875 gebietsfremden Arten kommen knapp 300 jeweils nur in Chile oder Argentinien sowie gut 300 in beiden Ländern vor. Invasive Arten können Ökosysteme empfindlich stören und große Schäden in der Landwirtschaft hervorrufen.

Als am gefährlichsten für das Nachbarland stuften die Forscher die Gelbe Bartsie (Parentucellia viscosa) ein. Diese einjährige krautige Pflanze kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Innerhalb von 48 Jahren hat sich bereits in 10 Provinzen Chiles ausgebreitet. „Aus unserer Sicht sollte besonderes Augenmerk den Sträuchern und Bäumen gewidmet werden“, schlussfolgert Dr. Nicol Fuentes. „Arten wie die Mittelmeer-Brombeere (Rubus ulmifolius), die Wein-Rose (Rosa rubiginosa) oder die Silber-Akazie (Acacia dealbata) werden nur schwer auszurotten sein, weil sie inzwischen weit verbreitet sind. Gute Chancen gibt es dagegen beim Gestreiften Ginster (Cytisus striatus), da sich dieser noch am Anfang der Ausbreitung befindet.“

Aus Sicht der Biologen ist es wichtig, dass Prioritäten für die Maßnahmen gegen invasive Arten von Wissenschaftlern und Experten festgelegt werden. „Die Zusammenarbeit von Nachbarländern bei der gemeinsamen Planung von Maßnahmen, wäre der effektivste Weg, Steuergelder in die Vorbeugung und Kontrolle von invasiven Pflanzenarten zu investieren. Das hat unsere Untersuchung gezeigt“, erklärt Dr. Ingolf Kühn vom UFZ.

Bereits vor zwei Jahren hatte das chilenisch-deutsche Forscherteam die Entwicklung der Flora in Chile seit 1900 ausgewertet. Aus über 70.000 Proben im Herbarium der Universität Concepción konnten sie 1997 einheimische und 629 gebietsfremde Pflanzen identifizieren. Dabei zeigte sich, dass sich innerhalb eines Jahrhunderts invasive Arten nahezu auf das ganze Territorium ausgebreitet haben. Zentrum der Ausbreitung ist die mediterrane Klimazone, in der die spanischen Kolonialherren ab 1520 die Landwirtschaft aus ihrer europäischen Heimat einführten. Als die Chilenische Landwirtschaft und damit auch die Getreideproduktion zwischen 1910 und 1940 stark wuchs, kam es auch zur starken Ausbreitung invasiver Arten.

Um das Risiko, dass von einzelnen Arten ausgeht, abzuschätzen, nutzten die Forscher eine Methode aus Australien. Denn auch in Australien stellen Pflanzenarten aus Europa ein Problem dar. Australische, tschechische und deutsche Wissenschaftler konnten in einer kürzlich veröffentlichten Studie zeigen, dass 750 Pflanzenarten aus Mitteleuropa inzwischen in Australien zu finden sind. Die meisten Arten kamen zwischen 1840 und 1880 sowie zwischen 1980 und heute auf den fünften Kontinent und spiegeln so die Einwanderungswellen wieder. Rund zwei Drittel der Arten wurden absichtlich nach Australien eingeführt. Darunter auch viele Arten, die zur Dekoration der Gärten gedacht waren wie die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) oder die Rotbuche (Fagus sylvatica). Als erste Art gilt der Haselnussstrauch (Corylus avellana), der ab 1803 in australischen Baumschulen gehandelt wurde. 1843 kam der Spitzahorn (Acer platanoides) dazu, der von Landschaftsplanern gerne beim Anlegen von Straßenalleen verwendet wird. Bei so vielen gebietsfremden Arten rechnen die Forscher damit, dass sich weitere Arten etablieren und invasiv ausbreiten – auch wenn das erst mit Verzögerung passieren kann.

Tilo Arnhold

Publikationen:
Fuentes, N., Ugarte, E., Kühn, I., Klotz, S. (2010): Alien plants in Southern South America. A framework for evaluation and management of mutual risk of invasion between Chile and Argentina. Biological Invasions 12: 3227–3236.
http://dx.doi.org/10.1007/s10530-010-9716-9
Die Untersuchung wurde von der EU im Rahmen des Forschungsprojektes ALARM gefördert.
Phillips M. L., Murray B. R., Pyšek P., Pergl J., Jarošík V., Chytrý M. & Kühn I. (2010): Plant species of the Central European flora as aliens in Australia. – Preslia 82: 465–482.
http://www.ibot.cas.cz/preslia/P104Phillips.pdf
Die Untersuchung wurde vom Australian Research Council und der Tschechischen Republik gefördert.
Fuentes, N., Kühn, I., Ugarte, E., Klotz, S. (2008): Alien plants in Chile. Inferring invasion periods from herbarium records. Biological Invasions 10: 649-657.
http://dx.doi.org/10.1007/s10530-007-9159-0
Die Untersuchung wurde von der EU im Rahmen des Forschungsprojektes ALARM gefördert.
Weitere fachliche Informationen:
Dr. Ingolf Kühn, Dr. Stefan Klotz
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0345-558-5311, -5302
http://www.ufz.de/index.php?en=821
http://www.ufz.de/index.php?de=14699
sowie
auf Spanisch und Englisch:
Dr. Nicol E. Fuentes Parada & Prof. Eduardo Ugarte, PhD
Universidad de Concepción (Chile)
telephone +56-41-2204418
http://www.lib.udec.cl/staff.html
http://www.natura.udec.cl/departamentos/botanica/html/prof/ugarte.htm
auf Englisch:
Prof. Petr Pyšek, Academy of Sciences of the Czech Republic, Prùhonice / Praha,
telephone +420 271015266
http://www.ibot.cas.cz/personal/pysek/
and
Megan Phillips & Dr. Brad R. Murray, University of Technology Sydney
telephone +61-2-9514-4075
http://www.c3.uts.edu.au/members/megan-phillips.html
http://aconservationbiologist.blogspot.com/
http://datasearch2.uts.edu.au/c3/members/detail.cfm?StaffID=6852
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
E-mail: presse@ufz.de
Weiterführende Links:
DAISIE-Datenbank zu gebietsfremden Pflanzen und Tieren in Europa:
http://www.europe-aliens.org
EU-Strategie zur Bekämpfung invasiver Arten:
http://ec.europa.eu/environment/nature/invasivealien/index_en.htm
Newsletter of the Asia-Pacific Forest Invasive Species Network ( APFISN )
http://www.apfisn.net/
Die Biodiversitätsforschung in Deutschland ist auf zahlreiche Institutionen wie Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen und Ressortforschung bis hin zu Naturschutzverbänden und Firmen verteilt. Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung, ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland, möchte der Forschungscommunity deshalb eine gemeinsame institutionsunabhängige Kommunikationsstruktur und -kultur anbieten. Mehr dazu erfahren Sie unter:
http://www.biodiversity.de/
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=21942

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