Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Universität Hohenheim vermessen die Vulkanaerosole über Stuttgart

20.04.2010
Großes Rätselraten herrscht über die Verteilung und die Wirkung der Vulkanaerosole, die den Luftverkehr in Europa fast zum Erliegen bringen. Entgegen anders lautender Meldungen gibt es aber eine Methode, die Licht ins Dunkel bringen kann: Mit moderner Lasertechnik kann sehr genau die vertikale Verteilung der Aerosolpartikel vom Boden bis in die Stratosphäre vermessen werden.

Gestern Abend führten Hohenheimer Forscher vom Institut für Physik und Meteorologie mit einem weltweit einzigartigen Laserfernerkundungssystem die erste Messung über Stuttgart durch. Die Messergebnisse zeigen, dass die Vulkan-Aerosole hauptsächlich zwischen 2-3 km über dem Boden zu finden sind. Die Konzentration wird nun gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten bestimmt. So können den Entscheidungsträgern wertvolle Datensätze an die Hand gegeben werden, um die Gefahr für die Flugsicherheit realistisch einzuschätzen.

Die Emission der Aerosole des Vulkans Eyjafjallajok hat den Luftverkehr in Europa nahezu zum Erliegen gebracht. Vulkanasche kann die Triebwerke von Flugzeugen beschädigen und sogar zu deren Ausfall bringen. Die Vorsichtsmassnahmen im Hinblick auf die Flugsicherheit beruhen auf Vermutungen über die Konzentration und Verteilung der Vulkanasche. Diese Informationen werden hauptsächlich aus Daten einer Computersimulation beim Volcanic Ash Advisory Centre in London sowie aus Satellitendaten gewonnen. Da aber Satellitenmessungen auf "passiv" gestreutem Sonnenlicht und auf Emissionen der Strahlung der Erde basieren, erlauben sie weder genaue Messungen über die Vertikalverteilung von Aerosolpartikeln noch über deren Konzentration.

Hier kommt nun eine innovative, lasergestützte Messtechnik ins Spiel, die als Lidar (Light Detection and Ranging) bezeichnet wird. Im Gegensatz zu den Standardmethoden des Wetter- und Klimamonitoring erlaubt sie horizontale und vertikale Messungen mit sehr großer Auflösung. Das Lidar-System des Instituts für Physik und Meteorologie (IPM) der Universität Hohenheim ist sogar in der Lage, räumliche Abtastungen durchzuführen, die Atmosphäre also nach Aerosolpartikeln abzuscannen, und ist damit weltweit einzigartig.

"Wo die Standardmethoden der Wetterdienste an ihre Grenzen stoßen, ist die Wetterforschung gefragt", so Prof. Dr. Volker Wulfmeyer, Leiter des Instituts für Physik und Meteorologie der Universität Hohenheim. "Verschiedene Forschungseinrichtungen in Deutschland verfügen über hochmoderne Lidar-Systeme, die selbst in klarer Luft Aerosole sichtbar machen können. In dieser Krise können sie sich als besonders hilfreich erweisen, wenn sie ihre Messungen miteinander koordinieren." Auf diesem Wege könne, so der Hohenheimer Atmosphärenforscher, den Entscheidungsträgern ein aussagekräftiger Datensatz geliefert werden, um das Gefährdungspotential der Vulkanaschewolke realistisch einschätzen zu können.

Die ersten Messungen geben nun folgendes Bild ab, dass sich natürlich nur auf den Messstandort bei der Universität Hohenheim bezieht, wegen der unmittelbaren Nähe zum Flughafen Stuttgart - ca. 3 km - aber hochinteressant ist: Die Vulkan-Aerosole sind hauptsächlich zwischen 2-3 km über dem Boden zu finden sind. Die Konzentrationen überschreiten kaum die Signale, die durch industrielle Emissionen oder den Verkehr auftreten. Von 3-8 km sind keine signifikanten Aerosolmengen nachweisbar und eine Schicht von 8-9 km zeigte Zirruswolken, die eventuell von Aerosolpartikeln beeinflusst sein könnten.

Heißt das nun, dass von einer großen Aschewolke über Stuttgart keine Rede sein kann, dass also die Auswirkungen des Vulkanausbruchs zumindest für die Region Stuttgart überschätzt wurden? "Eine solche Schlussfolgerung wäre voreilig", warnt der Hohenheimer Atmosphärenforscher. "Wenn die Messungen des DLR - Forschungsflugzeugs Falcon vorliegen, mit denen wir unsere bodengestützte Messung zeitlich und räumlich koordiniert haben, wissen wir schon mehr. Die Konsequenz aus unserem Datensatz für die Flugsicherheit können natürlich nicht die Meteorologen allein ziehen, denn hier kommt es auf Expertenwissen aus der Luftfahrttechnik an." Die in der Wolke gesammelten Daten werden so schnell wie möglich ausgewertet und dem Deutschen Wetterdienst und der Flugsicherung für eine Beurteilung des Flugverbots übermittelt. Der erste Eindruck nach der Hohenheimer Messung deutet jedoch auf eine weniger dramatische Kontamination der Atmosphäre hin, als bisher befürchtet wurde.

Ansprechperson für Medienvertreter:
Prof. Dr. Volker Wulfmeyer, Universität Hohenheim,
Institut für Physik und Meteorolgie,
Tel.: 0711/ 459-22150, E-Mail: volker.wulfmeyer@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten