Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flächenverbrauch gefährdet die biologische Vielfalt in Deutschland

28.04.2009
Biodiversität braucht Raum! - Diese Forderung richteten Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) heute beim Parlamentarischen Frühstück der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin an die Politik.

Die Wissenschaftler bezeichneten die nach wie vor hohe Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke sowie die zunehmende Landschaftszerschneidung als besorgniserregend und als wesentliche Ursachen für die Gefährdung der biologischen Vielfalt in Deutschland.

Die tägliche Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr liegt heute trotz stagnierendem Bevölkerungswachstum ähnlich wie in den 1990er Jahren bei 96 Hektar pro Tag (Datenbasis von 2007). Auch wenn Wohnraum, Straßen und Industrie- und Gewerbeflächen ihren Platz brauchen - für die biologische Vielfalt birgt ein derart hoher Flächenverbrauch ein enormes Gefährdungspotenzial.

Siedlungsbau und Verkehrsinfrastruktur, aber auch die Begradigung von Fließgewässern sowie intensive Flächennutzung in der Landwirtschaft haben in den letzten Jahren zu einem alarmierenden Rückgang bzw. zu einer Beeinträchtigung von Lebensräumen geführt. Die Existenz vielfältiger Lebensräume ist jedoch eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt von Pflanzen- und Tierarten.

"Biologische Vielfalt hängt direkt vom Umgang des Menschen mit der Fläche ab", sagt Prof. Dr. Bernhard Müller, Direktor des IÖR. Engagierte Forschungsvorhaben für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme existierten bereits seit Langem. Nun käme es darauf an, die in Wissenschaft und Politik gleichermaßen vertretenen Forderungen nach einem nachhaltigen Umgang mit der Ressource Fläche auch konsequent umzusetzen.

Lebensräume von Tieren und Pflanzen müssen großräumig gesichert und stärker miteinander vernetzt werden, um das langfristige Überleben vieler Arten in Mitteleuropa zu sichern, fordert Bernhard Müller. Ein leistungsfähiger Biotopverbund könne jedoch nicht auf lokaler Ebene und auch nicht allein von einzelnen Ländern geschaffen werden, sondern erfordert Abstimmungen über Landes- und Staatsgrenzen hinweg. Entsprechende Vernetzungsprioritäten sollten daher auf Bundesebene formuliert werden und könnten Eingang in ein Bundeslandschaftsprogramm finden, das unter anderem auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert. Im Hinblick auf wandernde Tierarten und auf großräumig zusammenhängende Biotopkomplexe sollte ein solches nationales Konzept auch europäische Zusammenhänge berücksichtigen und geeignete Schnittstellen aufzeigen.

"Ein vergleichsweise einfacher, aber wirkungsvoller Beitrag zu einem nationalen Biotopverbund könnte auch dadurch geleistet werden, dass die ökologische Zerschneidungswirkung der Autobahnen durch Grünbrücken gemindert wird", sagt Bernhard Müller. Solche grünen Verbindungswege werden bei Neubauten vielfach berücksichtigt, an den rund 10.000 km umfassenden bestehenden Autobahnen fehlen diese Verbindungswege jedoch. Hier sollten an Schlüsselstellen Grünbrücken und grüne Korridore geschaffen werden. Durch wenige punktuelle Baumaßnahmen könnten hier bereits große Verbesserungen erzielt werden, so Müller. Und weiter: "Ziel sollte es sein, analog zur nationalen Verkehrswegeinfrastruktur und deren Planung einen Mechanismus zur Schaffung einer grünen Infrastruktur in Leben zu rufen." In der Siedlungsentwicklung wünscht sich Müller, Städte ökologisch aufzuwerten. Dies sei z. B. durch Schaffung hochwertiger Naturräume, gezielte Entwicklung von Grünachsen und Biotopvernetzung innerhalb der Stadt sowie zwischen Stadt und Region möglich.

Das IÖR erforscht den Einfluss von Landnutzung und Landnutzungsänderungen auf die Vielfalt von Ökosystemen. Projekte befassen sich mit den Auswirkungen von Siedlungsentwicklung und der damit einhergehenden Landschaftszerschneidung, den Veränderungen der Freiräume und ihrer Struktur sowie dem großräumigen und grenzüberschreitenden Biotopverbund. Ein wichtiger Aspekt der Forschungen ist die Frage, wie die Raumwissenschaft mit geeigneten Instrumenten zum Erhalt und zur Wiederherstellung einer hohen biologischen Vielfalt beitragen kann. Das IÖR ist Mitglied im Leibniz-Verbund Biodiversität, einem Zusammenschluss von 24 Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft, der die Kompetenzen der einzelnen Einrichtungen in der Biodiversitätsforschung bündelt.

Anja Petkov | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
10.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie