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Fischerei an der Grenze zum Kollaps

07.07.2011
Ökologisch katastrophal, wirtschaftlich unsinnig, aus demokratischer Sicht fragwürdig – so beschreibt der Fischereibiologe Dr. Rainer Froese vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in der aktuellen Ausgabe des international renommierten Wissenschaftsmagazins „Nature“ die europäische und deutsche Fischereipolitik der vergangenen Jahrzehnte. Dabei sind Alternativen schon lange bekannt.

Wirtschaftlicher Erfolg mit hohen Umweltschutzstandards – die EU und speziell Deutschland sehen sich in diesem Bereich gern als globale Vorreiter. Dr. Rainer Froese, Fischereibiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und Mitglied im Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“, kommt in Bezug auf die Fischereipolitik jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis.

Eine starre Allianz aus Lobbygruppen, Landwirtschaftsministerien und nationalen Fischereiverwaltungen habe seit Jahrzehnten echte Reformen verhindert, schreibt Froese in einem Artikel, der heute in dem weltweit renommierten Wissenschaftsmagazin „Nature“ erscheint. Darin stellt er Ergebnisse der fachübergreifenden Forschungen im „Ozean der Zukunft“ zum Fischereimanagement in Europa vor. Sein Fazit: Die gemeinsame Fischereipolitik Europas hält die Fischbestände vorsätzlich an der Grenze zum Kollaps.

„Das schadet letztendlich allen: Fischbestände stehen vor dem Zusammenbruch, Fischer haben Mühe, die wenigen verbleibenden Fische zu fangen, und Verbraucher zahlen für ihren Speisefisch doppelt, weil ohne hohe Subventionen aus Steuergeldern Fischerei nicht mehr rentabel wäre“, erläutert Froese.

Nicht nur mit der Fischereipolitik der EU, sondern auch mit der deutschen geht Froese hart ins Gericht. „Den ,deutschen’ Fischen geht es oft noch schlechter als ihren Nachbarn", sagt der Fischereibiologe. „Kabeljau und Hering in der deutschen Bucht geht es beispielsweise schlechter als dem Kabeljau in der Barentssee oder dem Hering vor der norwegischen Küste. Und Dorsch und Hering an der deutschen Ostseeküste geht es schlechter als dem Dorsch in der restlichen Ostsee und dem Hering in der Bothnischen See. Die Ursache liegt in dem weit überhöhten Fischereidruck auf die deutschen Bestände, den Deutschland Jahr für Jahr auf Drängen der Fischereilobby in Brüssel durchgesetzt hat."

Dabei hatte Froese zusammen mit Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern des „Ozeans der Zukunft“ bereits in den vergangenen Jahren Pläne vorgelegt, die eine Erholung der Fischbestände mit einem gesteigerten Ertrag für die Fischer verbinden. „Beispiele aus Neuseeland, Australien und den USA zeigen, dass es funktioniert“, betont Froese.

Am 13. Juli wird die Europäische Kommission ihre Vorstellungen zur Reform dieser Fischereipolitik vorlegen. Nach Einschätzung von Froese ist der Reformvorschlag ein großer Schritt in die richtige Richtung, da er auf eine Erholung der Bestände und die Abschaffung unsinniger Vorschriften zielt. So sollen die Fischer nicht mehr gezwungen werden, gute Speisefische aus rein bürokratischen Gründen tot über Bord zu werfen. Allerdings geht Froese die Reform nicht weit genug: „Eine vollständige Erholung der Bestände und Gesundung der Fischerei wird mit den vorgeschlagenen Fangregeln nicht möglich sein. Man hat es versäumt, von den gelungenen Fischereireformen in Neuseeland, Australien und USA zu lernen." Froese befürchtet, dass die positiven Elemente des Reformvorschlags der EU-Kommission von den Landwirtschaftsministern entkräftet werden. „Denn es ist der Ministerrat, der die europäische Fischereipolitik bestimmt, die bisherige und die zukünftige.“

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/
http://www.ozean-der-zukunft.de/

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