Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fischbestände retten – für eine konsequente Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik

18.11.2011
In einer aktuellen Stellungnahme zur anstehenden Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) spricht sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) für grundlegende Reformen aus.

SRU Mitglied Prof. Dr. Manfred Niekisch warnt eindringlich: „Es ist ein echter Kurswechsel erforderlich, um ein nachhaltiges Fischereimanagement auf den Weg zu bringen.“ Die EU steht in der Verantwortung, den Raubbau an den Fischbeständen und der Meeresumwelt zu stoppen. Der Vorschlag, den die EU-Kommission im Juli dieses Jahres zur Reform der GFP vorgelegt hat, geht aus Sicht des SRU bereits in die richtige Richtung. Allerdings bestehe in einigen Bereichen noch erheblicher Nachbesserungsbedarf.

Ziel der Europäischen Fischereipolitik sollte nach Meinung des SRU sein, die Fischbestände dauerhaft auf möglichst hohem bzw. gesundem Niveau bewirtschaften zu können. Dies bedeutet, den Beständen die Möglichkeit zu geben wieder auf eine Größe zu wachsen, die eine maximale Produktivität zulässt. Damit wäre eine Abkehr von einer bisher lediglich an der Verhinderung von Bestandszusammenbrüchen orientierten Fischereipolitik verbunden.

Für eine solchermaßen nachhaltige Fischereipolitik ist es unumgänglich, die Übernutzung der europäischen Fischbestände zu stoppen. Die Fangquoten sollten ausschließlich auf der Basis verbindlicher, naturwissenschaftlich begründeter Grenzen festgelegt werden. Diese müssen präzise in die Grundverordnung zur GFP aufgenommen werden. Bei der Festlegung der Fangquoten muss nach Aussage des SRU der Vorsorgegedanke zum Tragen kommen, d. h., es bedarf angesichts vieler Unsicherheiten über die Bestandsentwicklung hinreichender „Sicherheitsabstände“. Das von der EU-Kommission vorgegebene Ziel, eine Bestandsgröße anzustreben, die langfristig einen größtmöglichen Dauerertrag gewährleistet, ist generell positiv zu bewerten. Da es aufgrund von Abhängigkeiten zwischen den Fischbeständen aber unwahrscheinlich ist, dass für alle Bestände diese Größe erreichbar ist, sollte zusätzlich festgelegt werden, welche prozentuale Entnahme von der Bestandsbiomasse auf keinen Fall überschritten werden darf.

Neben der Überfischung ist weiterhin der hohe Beifang von Jungfischen und kommerziell uninteressanten Fischarten ein ungelöstes Problem. Ein Großteil dieser Fische wird wieder über Bord geworfen und verendet. Damit geht er dem Fischbestand und dem Ökosystem verloren. Dazu Prof. Dr. Karin Holm-Müller vom SRU: „ Beifang, der einfach ins Meer gekippt wird, unterläuft alle Bemühungen, durch Fangquoten ein nachhaltiges Fischereimanagement zu erreichen. Diese Praxis muss umgehend beendet werden.“ Deshalb begrüßt der SRU das von der EU-Kommission vorgeschlagene Rückwurfverbot. Dieses darf aber entgegen dem Kommissionsvorschlag nicht auf wichtige kommerzielle Arten begrenzt sein, sondern muss schon allein der Kontrollierbarkeit wegen alle Fischarten umfassen. Ein solches Verbot wäre ein wichtiger Anreiz für die Fischer, Maßnahmen zur Vermeidung des Beifangs zu ergreifen. Darüber hinaus ist es aus Sicht des SRU aber auch erforderlich, weitergehende Maßnahmen zum Schutz der Meeresökosysteme vor den Fischereiaktivitäten zu ergreifen. Dies betrifft sowohl technische Vorgaben für möglichst umweltschonende Fangtechniken wie auch die konsequente Implementierung von Meeresschutzgebieten. Die Ausweisung von Schutzgebieten ist dabei nötig, aber bei weitem nicht ausreichend, sie müssen auch entsprechend gemanagt werden. Zu einem wirksamen Schutz gehören nach Meinung des SRU auch Zonen in den Schutzgebieten, in denen keinerlei menschliche Aktivitäten zulässig sind.

Eine Grundbedingung für den Erfolg einer Reform der GFP ist der Abbau der durch Subventionen gestützten Überkapazitäten in den Fischereiflotten. Einige Länder, einschließlich Deutschland, haben ihre Flotten bereits deutlich reduziert. Andere Flotten sind hingegen immer noch weit größer als es für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände zulässig ist. Die Überkapazitäten schaffen wiederum wirtschaftlichen Druck, höhere Fischereiquoten festzulegen als ökologisch vertretbar ist, führen zu illegalen Fangaktivitäten und zum Export der Überfischungsproblematik in Nicht-EU-Staaten, beispielsweise in westafrikanische Länder. Letzteres gefährdet die Ernährung und das Einkommen der dortigen Küstenbewohner. „Um diese Probleme zu beheben, ist es deshalb erforderlich, für die einzelnen Fischereien verbindliche Kapazitätsgrenzen festzulegen“, betont Professor Niekisch. Die im Reformvorschlag der EU-Kommission festgelegten Grenzen liegen nach Meinung des SRU deutlich zu hoch, um eine wirksame Kapazitätsreduktion zu bewirken.

Die aktuelle Stellungnahme „Fischbestände nachhaltig bewirtschaften – Zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik“ ist auf
http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/04_Stellungnahmen/2011_11_
Stellung_16_Fischbestaende.html
verfügbar.
Der SRU berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen der Umweltpolitik.
Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Universitätsprofessorinnen und professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive.
Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:
Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische Universität München
Prof. Dr. Heidi Foth (stellv. Vorsitzende), Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Christian Calliess, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Universität Flensburg
Prof. Dr. Karin Holm-Müller, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Goethe-Universität Frankfurt, Zoologischer Garten Frankfurt

Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie Universität Berlin

Christian Simon | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltrat.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte