Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Fichtenwald zurück zum Laubmischwald

11.07.2013
Nationalpark Eifel: Wissenschaftler untersuchen Folgen der Renaturierung

Ab August 2013 wandelt der Nationalpark Eifel den Fichtenwald am Wüstebach in einen Laubmischwald um. Dazu entnahmen Wissenschaftler unter Führung des Forschungszentrums Jülich Ende Juni umfassend Bodenproben. Die Forscher begleiten die Umwandlung in den kommenden Jahren im Rahmen des Vorhabens TERENO (Terrestrial Environmental Observatories). Gemeinsam mit dem Nationalpark und den regionalen Wasserverbänden wollen sie erstmals langfristig und kontinuierlich untersuchen, welche Auswirkungen ein solcher Prozess auf einen Standort hat.


An rund 175 Stellen wurden im Gebiet Wüstebach Proben aus verschiedenen Tiefen entnommen, die auch die unzersetzte Biomasse auf dem Waldboden erfassen.
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Fichten finden sich an vielen Stellen im Nationalpark Eifel. Doch eigentlich sind es gar keine einheimischen Bäume. Diese Nadelbäume wurden im 19. und 20. Jahrhundert dort gepflanzt, um die vom Menschen reduzierten Laubwaldbestände aufzuforsten. Heute setzt der Nationalpark auf Renaturierung: Veränderungen durch den Menschen, die natürliche Prozesse auf Dauer stören, werden wieder rückgängig gemacht. Das verbessert zum Beispiel den Lebensraum heimischer und teilweise selten gewordener Tiere.

Für die Bodenwissenschaft ist die Umwandlung ein spannender Vorgang. Wie reagiert die Umwelt auf die Entfernung von rund acht Hektar Fichtenwald? Wie ändern sich langfristig Wasser-, Kohlenstoff- und Stickstoffhaushalt? Bislang gibt es keine Untersuchungen, die auf mehrere Jahre angelegt sind. Der Wüstebach ist hierfür ideal. Das Gebiet ist ein mit zahlreichen Messgeräten ausgestatteter Standort von TERENO, einem auf mindestens 15 Jahre angelegten Forschungsvorhaben der Helmholtz-Gemeinschaft zur Untersuchung der regionalen Folgen des Klimawandels.

Dort arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Helmholtz-Zentren, Universitäten und anderer Forschungseinrichtungen eng zusammen, um unter anderem Veränderungen der Flora und Fauna, Bodenfeuchte sowie bodenphysikalische und bodenchemische Eigenschaften zeitlich hoch aufgelöst zu erfassen. Das gilt ebenso für den Austausch von Treibhausgasen zwischen Boden und Atmosphäre. Die Maßnahmen sind auch Teil des laufenden LIFE+-Projektes zur naturschutzfachlichen Verbesserung der europäischen NATURA2000-Schutzgebiete im Nationalpark.

"Ein großer Vorteil ist, dass die Versuchsfläche ein in sich geschlossenes Wassereinzugsgebiet ist. Wir können also tatsächlich Stoff- und Wasserflüsse bilanzieren", erläutert Dr. Thomas Pütz vom Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG-3) des Forschungszentrums Jülich.

Die Jülicher Forscher und ihre Kollegen von den Universitäten Bonn, Köln und Trier nahmen an rund 175 Stellen Proben aus verschiedenen Tiefen bis maximal einen Meter. Sie erfassten auch die sogenannte organische Auflage, also die noch weitestgehend unzersetzte Biomasse, die auf dem Waldboden liegt. Die Proben, die jetzt entnommen wurden, sind die Ausgangsbasis, mit denen künftige Proben verglichen werden. Zusätzlich werden die Wissenschaftler eine weitere Eddy-Kovarianz-Messstation auf der entwaldeten Fläche installieren, um die dort vom Boden ausgehenden Kohlendioxid-Emissionen und die Energiebilanz zu erfassen.

Die Ergebnisse sind auch für den Natur- und Klimaschutz in anderen Ländern von Interesse. Beispielsweise kommt es in Skandinavien und Russland immer wieder zur Abholzung von Nadelwäldern, ohne dass die Folgen untersucht werden. Dabei sind die Wälder ein bedeutender erdgebundener Kohlenstoffspeicher und somit ein wichtiger Faktor für das globale Klima.

entnommene BodenprobenAn rund 175 Stellen wurden im Gebiet Wüstebach Proben aus verschiedenen Tiefen entnommen, die auch die unzersetzte Biomasse auf dem Waldboden erfassen.

Quelle: Forschungszentrum Jülich

Ansprechpartner:

Dr. Thomas Pütz
Institut für Bio- und Geowissenschaften
IBG-3: Agrosphäre
Forschungszentrum Jülich
Tel.: 02461-616182
Mobil: 0171-3020302
Mail: t.puetz@fz-juelich.de
Dr. Michael Röös
Nationalparkforstamt Eifel
Fachgebietsleiter Forschung und Dokumentation
Tel.: 02444-9510-43
Mail: michael.roeoes@wald-und-holz.nrw.de
Pressekontakt:
Annette Stettien
Tel.: +49 2461 61-2388
a.stettien@fz-juelich.de
Weitere Informationen:
Institut für Bio- und Geowissenschaften
Agrosphäre (IBG-3)
www.fz-juelich.de/iek/iek-ste/DE/Home/home_node.html
TERENO (Terrestrial Environmental Observatories)
www.tereno.net
Nationalpark Eifel
www.nationalpark-eifel.de

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen