Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feinstaub im Tunnel bis zu 1.000 mal höher

31.08.2009
Giftiger Cocktail in der Verkehrsraumluft belastet die Gesundheit

Die Luft in Straßentunnels ist um ein Vielfaches mehr mit ultrafeinen Staubpartikeln belastet als die normale Stadtluft. Darauf machen australische Forscher der Queensland University of Technology in der Zeitschrift "Atmospheric Environment" aufmerksam.

In Experimenten wurden Fahrzeuge 300 mal durch einen vier Kilometer langen Straßentunnel der Stadt Sydney geschickt, während ein am Wagen montiertes Messgerät die Konzentration der Feinstaubpartikel maß. "Je nach Verkehrsaufkommen dauerte diese Durchfahrt bis zu 26 Minuten und ergab Belastungen, die bis zu 1.000 mal höher waren als in der städtischen Umgebung", so die Studienautorin Lidia Morawska. Die Forscher drängen auf Maßnahmen, um die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu reduzieren.

Dass die australischen Städte Melbourne und Sydney für Tunnel mit extrem hoher Verkehrsbelastung bekannt seien, berichtet auch Hinrich Rottmann, Experte für Tunnelbelüftung im pressetext-Interview. "Kommt es dann zu Staus, laufen die Motoren und die Konzentration der Schadstoffe in der Luft erhöht sich ständig. Doch auch in europäischen Tunnels kommt es immer wieder zu vergleichbaren Verkehrszuständen", so Rottmann. Zur Vermeidung der damit verbundenen Luftbelastung konzentriere man sich bisher auf Maßnahmen auf der Verkehrsseite, wobei etwa durch Ampelsteuerungen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen der Zufluss in Tunnels reduziert wird und der Verkehr verflüssigt werden soll.

Ansätze für technische Lösungen des Problems wie die Luftfilterung gibt es bisher nur in der Theorie. "Elektrofilter würden die Luft nur von gröberen Feinstaubpartikeln reinigen, während Textilfilter auch die allerfeinsten absorbieren könnten. Bisher bläst man jedoch lieber die verunreinigte Luft unter hohem Energieeinsatz durch Kamine in die Höhe und verteilt sie dann dort. Filter kommen zumindest unter bestimmten Bedingungen mit wesentlich weniger Energie aus, deren Einsparung Geld zum Betrieb der Filter freimacht. Ohne Mehrkosten käme das der Umwelt zugute", so der Frankfurter Tunnelexperte. Die Bundesregierung als Betreiber der meisten Tunnels habe jedoch bisher keinen einzigen Filter eingesetzt. "Man ist der Ansicht, dass die Schadstoffe im Tunnel durch eine Optimierung der Fahrzeugmotoren reduziert werden sollen, was die Hersteller statt die Steuerzahler in Pflicht nimmt." Problematisch könne dieses Vorgehen ab Jahresbeginn 2010 werden, wenn verschärfte Stickoxyde-Grenzwerte in Kraft treten.

Die australischen Autoren der Studie machen besonders auf die gesundheitlichen Schäden aufmerksam, die die Luftbelastung im Tunnel für Fahrzeuglenker und Mitfahrende verursachen kann. "Die Folgen des Einatmens ultrafeiner Partikel, die bei der Treibstoffverbrennung entstehen, reichen von kleineren Atemproblemen bei gesunden Menschen bis zu Herzinfarkten und anderen Herzproblemen bei Menschen, die bereits ein schwaches Herz haben", so Morawska. Insassen in neueren Autos mit geschlossenen Fenstern seien im Tunnel grundsätzlich am besten vor der verschmutzten Luft geschützt. "Menschen, die in älteren Fahrzeugen fahren, die weniger gut abgedichtet sind, sowie auch die Motorrad-Fahrer oder Insassen von Cabriolets sind unglaublich hohen Konzentrationen ausgeliefert", warnt die Studienautorin.

Dass Verkehrsteilnehmer im Tunnel höheren Luftbelastungen ausgesetzt sind, ohne dagegen viel unternehmen zu können, betont auch Judith Schübl vom Verkehrsclub Österreich http://www.vcoe.at gegenüber pressetext. "Das Risiko nimmt man bei der Tunnelbenutzung auf sich. Autofahrer sind am besten beraten, die Klimaanlage im Tunnel auf Umluft einzustellen. Motorradfahrern bleibt nur die Option, bei Stau vor dem Tunneleingang zu warten", so Schübl.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.qut.edu.au
http://tunnelfilter.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE