Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feinstaub-Schwerpunkt im Leipziger Westen wurde zu Fuß unter die Lupe genommen

07.03.2016

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) hat in den vergangenen Wochen mobile Feinstaub- und Rußmessungen rund um die Lützner Straße durchgeführt. Die Lützner Straße gilt als eine der am stärksten belasteten Straßen im Leipzig. Dort wurden in den vergangenen Jahren die höchsten Feinstaub-Konzentrationen in Sachsen gemessen. Die Überschreitung der Grenzwerte an dieser Station führte zu einem Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission. In Auftrag des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) wurde daher mit neuer Messtechnik in einem Rucksack die Umgebung detailliert untersucht, um weitere Quellen aufzuspüren.

Zum Einsatz kommt dabei tragbare Messtechnik, die am TROPOS entwickelt wurde. Angewendet wurde sie bereits im vorigen Jahr in einer wissenschaftlichen Studie in Manila. Die Hauptstadt der Philippinen ist einer der großen Ballungsräume, in denen die Luftqualität deutlich unter dem stark angestiegenen Autoverkehrs leidet.


Ruß gilt als die gefährlichste Komponente des Feinstaubes. Der Messrucksack wurde daher weiterentwickelt, um auch Ruß und PM10 / PM 2.5 zu bestimmen.

Foto: Birgit Wehner, TROPOS

Besonders markant für die Luftverschmutzung dort ist, dass frische Rußemissionen aus Dieselmotoren ohne Filter einen großen Anteil an der Feinstaubbelastung haben. Ruß gilt als die gefährlichste Komponente des Feinstaubes. Der Messrucksack wurde daher weiterentwickelt um Ruß und Feinstaub-Massenkonzentrationen (PM10 und PM 2.5) mit einer hohen räumlichen Auflösung zu bestimmen.

Die Rußkonzentration kann bereits auf wenigen Metern stark schwanken und ist z.B. an einer stark befahrenden Straße meist deutlich höher als im anliegenden Hinterhof. In Leipzig messen zwei Stationen des amtlichen Luftmessnetzes des LfULG sowie zwei Stationen des TROPOS Ruß kontinuierlich. Wie hoch die Rußbelastung an anderen Orten der Stadt ist, ließ sich bisher nur durch Computermodelle abschätzen.

Erst durch Verbesserungen in der Messtechnik wurde es in letzter Zeit möglich, auch hochwertige Messungen mobil durchzuführen. Das TROPOS-Team hat in den vergangenen Wochen fast täglich den Messrucksack zu Fuß durch die benachbarten Straßen getragen. Bis etwa Mitte März werden die Messungen in Dresden rund um die LfULG-Messstationen "Dresden-Nord" (am Bahnhof Dresden-Neustadt) und "Dresden-Winkelmannstraße" (am Hauptbahnhof Dresden) fortgesetzt. Da die Auswertung sehr aufwändig ist, ist mit ersten Ergebnissen in einigen Monaten zu rechnen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass an der Lützner Straße in Leipzig neben dem Straßenverkehr auf der B87 auch Feinstaub aus Kohle-Heizungen dazukommt und so zur Überschreitung der Grenzwerte beiträgt. In den kommenden Wochen werden die Messungen in Dresden weitergeführt, um auch dort die lokalen Variationen zu erfassen.

Die aktuellen Untersuchungen sind wichtig für die Stadt Leipzig, um Maßnahmen ihres Luftreinhalteplanes effektiv umsetzen zu können. Dazu gehören beispielsweise Anreize für den Umstieg auf Öl- oder Gasheizungen und zur Gebäudesanierung sowie Strategien für einen flüssigeren Verkehr. Im Rahmen des Vertragsverletzungsverfahrens, dass die Europäische Kommission wegen der Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte zur Zeit führt, könnten diese Maßnahmen in naher Zukunft über den Ausgang des Verfahrens und eventuelle Strafen entscheiden.

Rußpartikel wirken sich deutlich auf Klima und Gesundheit aus: Nach Kohlendioxid und Methan gilt Ruß als drittstärkster Einflussfaktor auf den Klimawandel, so der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Bericht. Durch von partikulärer Luftverschmutzung ausgelöste Gesundheitseffekte sterben Schätzungen zufolge jährlich weltweit etwa drei bis sechs Millionen Menschen vorzeitig - davon etwa 400.000 in der EU und etwa 35.000 in Deutschland. Die Europäische Union hat deshalb 2013 ein Maßnahmenpacket beschlossen, das in den kommenden Jahren die Folgen der Luftverschmutzung in der EU reduzieren soll.
Tilo Arnhold
 

Weitere Infos:
Dr. Birgit Wehner, Sascha Pfeifer, Prof. Alfred Wiedensohler
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)
Tel. +49-341-2717-7309, -7313, -7062
https://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/birgit-wehner/
https://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/alfred-wiedensohler/
oder
Tilo Arnhold, TROPOS-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49-341-2717-7189
http://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/
 
 

Links:
PM10-Überschreitungstage in Sachsen:
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/luftonline/PM10UebTage.aspx
Manila Aerosol Characterization Experiment (MACE-2015):
https://www.tropos.de/aktuelles/messkampagnen/mace-2015/
Nützen Umweltzonen der Luftqualität?
https://www.tropos.de/forschung/atmosphaerische-aerosole/langzeit-prozess-und-tr...
Umweltbundesamt zu Feinstaub
http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub
Poor air quality kills 5.5 million worldwide annually (Pressemitteilung der University of British Columbia):
http://news.ubc.ca/2016/02/12/poor-air-quality-kills-5-5-million-worldwide-annua...
World Health Assembly closes, passing resolutions on air pollution and epilepsy (Pressemitteilung der WHO):
http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2015/wha-26-may-2015/en/

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 88 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung, unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Leibniz-Institute pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen, der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die 88 Institute der Leibniz-Gemeinschaft, an denen rund 18.100 Personen beschäftigt sind; darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,64 Milliarden Euro.
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Informationen:

https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/feinstaub-schwerpunkt...
https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/

Tilo Arnhold | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise