Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Extremwetter verschiebt den Blühzeitpunkt von Pflanzen

05.11.2008
Eine große Trockenheit verändert die Natur so stark wie ein Jahrzehnt Klimaerwärmung
Extremwetterereignisse haben größere Auswirkungen auf die Flora als bisher angenommen. Ein Monat Trockenheit verschiebt den Zeitpunkt der Blüte von

Grünland- und Heidepflanzen in Mitteleuropa um durchschnittlich 4 Tage.

Damit entspricht ein so genanntes 100-jähriges Dürre-Ereignis etwa einem Jahrzehnt Klimaerwärmung. Der Blühzeitraum eines wichtigen Frühblühers, des Gewöhnlichen Hornklees (Lotus corniculatus), wurde durch Starkregen sogar um mehr als einen Monat verkürzt und um knapp einen Monat verfrüht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bayreuth und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ).

Die Forscher hatten bei ihrem Experiment auf Versuchsflächen in Bayreuth künstlich Starkregen und Trockenheit erzeugt. Die Auswirkungen auf zehn verschiedene Pflanzenarten wurden zwei Jahre lang beobachtet. Mit dem Klimawandel werden solche extremen Wettereignisse in Häufigkeit und Stärke zunehmen. Dies birgt ein Risiko für Tier-Pflanze-Interaktionen und ökologische Serviceleistungen. So ist es denkbar, dass durch extreme Wetterereignisse die Synchronisation zwischen blühenden Pflanzen und blütenbesuchenden Insekten entkoppelt wird und der Evolutionsrhythmus außer Takt gerät, da die Aktivität blütenbestäubender Insekten eher durch Temperatur- als durch Niederschlagsveränderungen bestimmt wird, schreiben die Forscher im Fachblatt Global Change Biology.

Verschiebungen im Blühzeitpunkt von Pflanzen gelten als eines der deutlichsten Anzeichen für die globale Erwärmung.

So hatten andere Studien bereits gezeigt, dass sich der Beginn des Frühlings seit 1960 auf der Nordhalbkugel im Schnitt um 2,5 Tage pro Jahrzehnt verschoben hat. Obwohl Prognosen wie der IPCC-Report 2007 mit einer deutlichen Zunahme von Extremwetterereignissen rechnen, sind die Auswirkungen solcher Ereignisse auf die Ökologie bisher wenig erforscht. Die Wissenschaftler um Prof. Anke Jentsch errichteten deshalb im Ökologisch-Botanischen Garten Bayreuths ein Versuchsfeld, um die Auswirkungen von Extremwetterereignissen wie Trockenheit oder Starkregen zu erforschen. Das Gebiet liegt mit Durchschnittswerten von 8.2 Grad Celsius und 724 Millimeter Jahresniederschlag in der Übergangszone zwischen Ozean- und Kontinentalklima. Je einhundert Pflanzen von weit verbreiteten Arten wie zum Beispiel Wolliges Honiggras (Holcus lanatus), Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und Heidekraut (Calluna vulgaris) wurden auf dreißig der vier Quadratmeter großen Versuchsflächen gepflanzt. Durch Planendächer simulierten die Forscher eine extreme Trockenperiode von 32 Tagen und durch künstliche Beregnung eine extreme Regenzeit von 170 Millimeter Niederschlag über 14 Tage hinweg, was einem lokalen 100-jährigen Extremereignis entsprich. Beide Simulationen entsprechen den historischen Höchstwerten von Bayreuth, die im Sommer 1976 und 1977 gemessen wurden. Zwei Jahre lang wurden die Flächen beobachtet und der Zeitpunkt der Blüte aller Pflanzen registriert.

Dabei stellte sich heraus, dass zwei Wochen Starkregen die Blütezeit durchschnittlich um 3 bis 5 Tage, für einen wichtigen Frühjahrsblüher sogar um 37 Tage verkürzte und um 26 Tage verfrühte. Der Zeitpunkt der Blüte änderte sich jedoch nicht. Ganz anders dagegen bei einer langen Trockenperiode von einem Monat: Durchschnittlich blühten die Pflanzen insgesamt vier Tage länger und auch vier Tage eher. "Eine einzelne extreme Trockenheit kann also für die Pflanzenblüte ähnliche Auswirkungen haben wie ein Jahrzehnt globale Erwärmung", erläutert Anke Jentsch. "Der Klimawandel mit häufigeren Extremwetterereignissen wird weitreichende Konsequenzen für die Ökosysteme und die Interaktionen zwischen Arten haben."

Publikation:
Anke Jentsch, Juergen Kreyling, Jegor Boettcher-Treschkow and Carl Beierkuhnlein (2008): Beyond gradual warming: extreme weather events alter flower phenology of European grassland and heath species. Global Change Biology
doi: 10.1111/j.1365-2486.2008.01690.x
http://www3.interscience.wiley.com/journal/121448202/abstract
Weitere fachliche Informationen:
Prof. Anke Jentsch
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)/ Universität Bayreuth
Telefon: 0341-235- 2100, 0921-552290
http://www.ufz.de/index.php?de=1921
und
Dr. Jürgen Kreyling
Universität Bayreuth/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0921-552256
http://www.bitoek.uni-bayreuth.de/biogeo/de/mitarbeiter/mit/mitarbeiter_detail.php?id_obj=25760
http://www.ufz.de/index.php?de=5151
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
Weiterführende Links:
Forschungsprojekt EVENT:
http://www.old.uni-bayreuth.de/departments/biogeo/de/forschung/klimafolgen/deutsch.htm
Mehr zum Thema Biodiversität finden Sie in einer Spezialausgabe des UFZ-Newsletters zur 9.
Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zur Biologischen Vielfalt (COP9), die im Mai 2008 in Bonn stattgefunden hat:

http://www.ufz.de/index.php?de=16853

Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus):
http://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnlicher_Hornklee
Wolliges Honiggras (Holcus lanatus):
http://de.wikipedia.org/wiki/Holcus_lanatus
Spitzwegerich (Plantago lanceolata):
http://de.wikipedia.org/wiki/Spitzwegerich
Heidekraut (Calluna vulgaris):
http://de.wikipedia.org/wiki/Besenheide
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen.

Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17357

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie verändert der Verlust von Arten die Ökosysteme?
18.05.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie

Heiße Materialien: Fachartikel zum pyroelektrischen Koeffizienten

23.05.2017 | Physik Astronomie