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EU-Projekt SCALES präsentiert erste Ergebnisse zur CBD-Vertragsstaatenkonferenz in Nagoya

18.10.2010
Die Ursachen des Artenrückganges wirken auf den verschiedenen Verwaltungsebenen in Europa unterschiedlich stark. Indirekte Ursachen wie der demografische Wandel oder die Entwicklung der Wirtschaft wirken auf allen Ebenen von der EU bis hin zu kleineren Regionen.

Direkte Ursachen wie Landnutzungswandel oder Verschmutzungen wirken dagegen meist nur lokal. Das ist eines der ersten Ergebnisse aus dem EU-Projekt SCALES, die am kommenden Mittwoch auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz (COP-10) der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) präsentiert werden.

Im Rahmen einer Veranstaltung zur Biodiversitätsforschung der EU werden insgesamt drei Projekte im japanischen Nagoya vorgestellt. Eines dieser drei Projekte koordiniert das UFZ, das auch an einem weiteren beteiligt ist.

Das Jahr 2010 ist nicht nur das Internationale Jahr der Biodiversität. In diesem Jahr wollte die Europäische Union auch den Rückgang der Artenvielfalt gebremst haben. Trotz vielfältiger Anstrengungen wurde dieses Ziel verfehlt. Weitere Anstrengungen auch über das Jahr 2010 hinaus sind daher notwendig, um die biologischen Ressourcen zu erhalten. Bedroht werden diese von verschiedenen Prozessen auf unterschiedlichen Skalen in unterschiedlicher Weise. Die Berücksichtigung dieser unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen nimmt also eine Schlüsselstellung für effektive Strategien zum Schutz der Biodiversität ein.

Die dafür notwendige wissenschaftliche Basis soll das EU-Projekt SCALES liefern. Wissenschaftler des französischen CNRS-CEFE haben als eines der ersten Ergebnisse eine Liste zu 26 ausgewählten Ursachen für den Artenrückgang erstellt und dazu Daten vom Statistischen Büro der Europäischen Kommission (EUROSTAT) und der Europäischen Umweltagentur EEA ausgewertet. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass die Umwandlung von landwirtschaftlichen Flächen in Wälder und naturnahe Gebiete neben Deutschland, Polen, der Slowakei und Ungarn auch in Irland, Schottland und Spanien von Bedeutung ist. Allerdings ist entscheidend, auf welcher Ebene dieser Faktor betrachtet wird: Auf Ebene der Staaten erscheint diese Umwandlung in Deutschland und Polen beide Länder gleichmäßig zu betreffen. Tatsächlich wurden zwischen 1990 und 2000 aber hauptsächlich Agrarflächen in Landkreisen im Nordosten Deutschlands und Westen Polens stillgelegt. Analog gilt das auch für den Rückgang von Feuchtgebieten. Während der Süden Deutschlands davon kaum betroffen ist, wurden an Nord- und Ostsee sowie rund um Berlin bis zu zwei Prozent der Flächen trockengelegt.

Neben den direkten Ursachen für die Veränderungen wie Klimawandel, Landnutzungswandel oder Verschmutzungen haben die Forscher vor allem die indirekten Ursachen unter die Lupe genommen. Dazu zählen Faktoren aus Bereichen wie Demographie, Wirtschaft, Soziales, Politik, Kultur und Religion oder Wissenschaft und Technologie. Dabei zeigt sich, dass diese Ursachen auf den unterschiedlichen Ebenen (EU, Mitgliedsstaat, Region) unterschiedliche Bedeutung haben.

„Das bedeutet, dass bestimmte Ursachen für den Artenschwund auf EU-Ebene angegangen werden müssen – andere dagegen auf der Ebene der Mitgliedsstaaten oder der Regionen“, erklärt PD Dr. Klaus Henle vom UFZ, der das SCALES-Projekt leitet. „Die Ergebnisse sind eine Erklärung dafür, weshalb die Bemühungen zum Schutz der Biodiversität in Europa bisher nicht so erfolgreich waren wie wir alle uns das gewünscht hätten. Wir hoffen, dass wir der Politik damit in den nächsten Jahren Werkzeuge in die Hand geben können, um effektiveren Naturschutz zu betreiben.“

SCALES (Securing the Conservation of biodiversity across Administrative Levels and spatial, temporal, and Ecological Scales) läuft fünf Jahre lang und zählt mit knapp 10 Millionen Euro Gesamtbudget zu den größten Forschungsprojekten Europas auf dem Gebiet der biologischen Vielfalt. Regionale Fallstudien werden dabei in Großbritannien, Finnland, Polen, Frankreich und Griechenland erstellt. Am SCALES-Projekt sind insgesamt 27 Institutionen aus 19 Ländern beteiligt. Koordiniert wird es vom UFZ in Leipzig.

Ebenfalls in Nagoya vorgestellt wird ein neues Projekt, das dem Dialog zwischen Wissenschaft und Politik dienen sollen. Das Projekt SPIRAL (Science Policy Interfaces for Biodiversity: Research, Action and Learning) untersucht, wie Schnittstellen zwischen Politik und Wissenschaft im Bereich Biodiversität in Europa funktionieren. Die Ergebnisse bilden eine Basis für das vom UFZ koordinierte Projekt KNEU (Developing a network of KNowlegde for biodiversity expertise in EUrope).welches die Biodiversitätsforschenden auf europäischer Ebene besser vernetzten soll – so wie es das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung in Deutschland bereits auf nationaler Ebene tut (www.biodiversity.de) – um das breite vorhandene Wissen besser für die Politik verfügbar machen. Damit sollen Anregungen für den im Aufbau befindlichen Weltbiodiversitätsrat IPBES gesammelt werden.

Tilo Arnhold

Die Vereinten Nationen haben 2010 zum Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt erklärt. Ziel ist es, dass Thema biologische Vielfalt mit seinen vielen Facetten stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit seiner Expertise trägt das UFZ dazu bei, die Folgen und Ursachen des Biodiversitätsverlustes zu erforschen sowie Handlungsoptionen zu entwickeln. Mehr dazu erfahren Sie unter:
http://www.ufz.de/index.php?de=16034 und http://www.ufz.de/data/ufz_spezial_april08_20080325_WEB8411.pdf
Die Biodiversitätsforschung in Deutschland ist auf zahlreiche Institutionen wie Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen und Ressortforschung bis hin zu Naturschutzverbänden und Firmen verteilt. Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung, ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland, möchte der Forschungscommunity deshalb eine gemeinsame institutionsunabhängige Kommunikationsstruktur und -kultur anbieten. Mehr dazu erfahren Sie unter:

http://www.biodiversity.de/

Weitere fachliche Informationen:
PD Dr. Klaus Henle/ Dr. Henning Steinicke/ Dr. Carsten Neßhöver/ Dr. Axel Paulsch
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Tel. 0341-235-1270 , -1652, -1649, -1650
http://www.ufz.de/index.php?de=1868
http://www.ufz.de/index.php?de=3883
http://www.ufz.de/index.php?de=4973
http://www.ufz.de/index.php?de=18511
or in English via
Dr. Pascal Marty
CNRS-CEFE
http://www.cefe.cnrs.fr/ecopop/Pascal_Marty_gb.htm
and
Dr. Joseph Tzanopoulos
University of Reading
http://www.reading.ac.uk/caer/staff_joseph_tzanopoulos.html
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
E-mail: presse@ufz.de
Weiterführende Links:
SCALES-Projekt:
http://www.scales-project.net
COP-10 der CBD in Nagoya:
http://www.cbd.int/cop10/side-events/?mtg=cop-10
COP-Blog: Aktuelle Berichte von COP10 in Nagoya:
http://biodiversity.de/index.php?option=com_content&view=category&id=132...
International Year of Biodiversity 2010:
http://www.cbd.int/2010/welcome/
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 16 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Tilo Arnhold | UFZ News
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=20671

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