Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Anzeichen für eine Erholung der Fischgemeinschaft in der Nordsee

18.03.2013
Es gibt Anzeichen, dass sich das restriktivere Fischereimanagement in der Nordsee positiv auf die gesamte dortige Fischgemeinschaft auswirkt.

Das zumindest besagt eine Studie, die Biologen des Thünen-Instituts für Seefischerei in Hamburg jetzt veröffentlicht haben. Demnach wiesen 27 der 43 bewerteten Fischbestände einen guten ökologischen Zustand auf.

Die Wissenschaftler zogen für ihre Untersuchung drei Bewertungskriterien heran: die Nutzungsraten, die Bestandsgrößen und die Bestandsstrukturen. Nach diesen Kriterien werteten sie Daten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) aus sowie Ergebnisse eigener Forschungsreisen und Statistiken über die Anlandungen der kommerziellen Fischerei. Diese Einzelbewertungen der Bestände führten sie in eine Gesamtbewertung zusammen.

„Möglicherweise erkennen wir hier erste Erfolge eines strengeren Fischereimanagements“, äußert sich Dr. Nikolaus Probst, Hauptautor der Studie, vorsichtig. Die Ergebnisse der Studie würden aber nicht bedeuten, dass alles im Lot sei. „Die Auswirkungen der Fischerei sind immer noch zu hoch, um der großen Mehrheit der Bestände einen guten Zustand zu bescheinigen“, so Probst. 16 Bestände verfehlten zumindest in einem der drei Kriterien eine positive Bewertung. Anlass zur Sorge würden die meisten Hai- und Rochenarten bereiten, aber auch wichtige kommerzielle Bestände der Nordsee wie Kabeljau, Flunder und Seezunge seien entweder überfischt, zu klein oder wiesen eine schlechte Größenstruktur auf.

Anstoß für die Studie ist die Umsetzung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die von den Mitgliedstaaten eine umfassende Bewertung der Meeresumwelt fordert. Dazu gehört auch die Bewertung des Zustandes genutzter Fischbestände. Solche Einzelbewertungen nimmt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) vor. Die ICES-Bewertungen erfolgen auf Basis einzelner Bestände, d.h. eine integrative Gesamtanalyse zum Zustand aller kommerziell genutzten Nordseefischbestände fand bisher nicht statt. Zudem bezogen die Forscher des Thünen-Instituts auch die Längenstruktur der Bestände in ihre Studie mit ein. „Unsere Studie ist ein erster Versuch, alle drei Bewertungskriterien – Nutzungsraten, Bestandsgrößen und Bestandsstrukturen – bei den wichtigen Beständen zusammenzuführen“, sagt Probst.

„Dabei legten wir für alle Bestände mit guter Datenlage als Bewertungsmaßstab das Prinzip der maximalen nachhaltigen Nutzung an, für alle anderen Bestände mit eingeschränkter Datenlage galt ein Verschlechterungsverbot“. Letzteres bedeutet, dass sich seit 1984 die Bestände in keinem der drei Bewertungskriterien verschlechtert haben sollen. „Natürlich wären auch alternative Zielsetzungen für eine Bewertung denkbar, zum Beispiel ein möglichst natürlicher oder unbeeinflusster Zustand. Da die Daten der Fischereiforschungsfahrten aber oft nur bis in die 1980er Jahre zurück reichen, können wir oftmals nicht sagen, wie ein ungenutzter Bestand aussehen sollte“, erklärt er. Für die aktuelle Bewertung hatten sich die Forscher daher vorgenommen, den momentanen Zustand zu erfassen und die Bestände mit Verschlechterungen zu erkennen.

„Bei der vorgeschrieben Neubewertung 2018 können die aktuellen Bewertungsergebnisse dann als Basislinie verwendet werden“, so Probst. Bis dahin lassen Langzeit-Managementpläne, die Errichtung von Meeresschutzgebieten sowie die anstehende Reform der EU-Fischereipolitik auf eine weitere Verbesserung vieler Bestände hoffen.

Literatur:
Probst, W.N., M. Kloppmann, G. Kraus (2013): Indicator-based status assessment of commercial fish species in the North Sea according to the EU Marine Strategy Framework Directive (MSFD). ICES Journal of Marine Science; doi:10.1093/icesjms/fst010

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik