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Erhalt von Brachenteilflächen sichert Artenvielfalt

02.12.2008
Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts hat Auswirkungen des drastischen Brachenrückgangs 2008 auf Indikator-Vogelarten untersucht. Um keinen Artenrückgang zu riskieren, sollten zumindest Teile der Brachflächen erhalten werden.

Viele Landwirte schaffen sich durch den Anbau von Energiepflanzen wie Mais ein zweites Standbein. Da sie seit 2008 nicht mehr gesetzlich verpflichtet sind 10 Prozent ihrer Fläche stillzulegen, nutzen sie dazu nun unter anderem diese Brachen.

Von 2007 auf 2008 halbierte sich der Anteil der Brachen (Erhebung: Statistisches Bundesamt). Brachen erfüllen jedoch eine wichtige Funktion in der Kulturlandschaft. Wildgräser und -kräuter siedeln sich an, Tiere nutzen sie als Lebensräume, z. B. nutzen sie viele Vogelarten als Brutplatz. Brachen tragen zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) haben den Einfluss des drastischen Brachenrückgangs auf die Artenvielfalt untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, zumindest Teile der Brachflächen zu erhalten, um keinen Artenrückgang zu riskieren.

"Bestimmte Vogelarten wie Braunkelchen, Feldlerche und Grauammern, die am Ende der Nahrungskette stehen, gelten als Indikatoren für die biologische Qualität einer Landschaft", sagt Dr. Jörg Hoffmann. Der Wissenschaftler vom JKI-Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde hat deshalb für Brandenburg ermittelt, welche und wie viele dieser Indikatorvögel 2008 noch zu finden waren. Neben den schwindenden Brachen lag ein zweiter Augenmerk auf Maisflächen, die seit dem Vorjahr deutschlandweit um 6,5 Prozent zugenommen haben. Dabei konnte der Biologe auf Vogelbestandsdaten aufbauen, die er mit Kollegen auf 65 je einen Quadratkilometer großen Monitoringflächen in Brandenburg 2005/2006 erhoben hatte. Hoffmanns Fazit: "Da selbstbegrünte Brachen ein wichtiger Lebensraum für Vögel sind, führt ihre starke Reduktion zum Verlust der lokalen Artenvielfalt. Wir haben festgestellt, dass sich in einer zu ,aufgeräumten' Landschaft weniger Tiere der Indikatorvogelarten ansiedeln." Zudem stellte sich heraus, dass neu entstehende Maisflächen weniger attraktiv für die Vögel sind. Sie sind zwar zeitweilig bedeutsam für Nahrungsgäste, vermögen jedoch den Verlust der Artenvielfalt nicht zu kompensieren.

"Unsere Empfehlung ist, zumindest Teilflächen der Brachen zur Erhaltung der Artenvielfalt beizubehalten", sagt Hoffmann. "Besonders in den Grenzzonen zu Kleingewässern sowie an Waldrändern und Hecken bietet es sich an, breite Saumstrukturen von 10-20 Metern zu schaffen." Diese sind nach seinen Studien gut als Ausgleich für fehlende Brachen geeignet und verbessern die Lebensraumbedingungen in der Agrarlandschaft. "Auch trockene Kuppen in großen Ackerschlägen eignen sich, um kleinen Bracheflächen zu etablieren", sagt Hoffmann. Da es sich in vielen Regionen bei Brachen häufig um Land mit niedrigen Bodenpunkten (mindere Bodenqualität) handelt, dürfte es den Landwirten nicht schwer fallen, kleine Flächenanteile in ein "Brachemanagement" aufzunehmen, so die Hoffnung des Wissenschaftlers. Zumal wenn dafür finanzielle Anreize, vielleicht im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen, geschaffen würden. Eine weitere Maßnahme, um die Artenvielfalt zu erhalten ist der Anbau verschiedener Fruchtarten. Angesichts resistenter werdender Schaderreger und teurer Pflanzenschutz- und Düngemittel ist auch diese Forderung für Landwirte nicht abwegig. Denn intelligente Fruchtfolgen senken das Risiko für Pflanzenkrankheiten, die durch Pilze oder tierische Schädlinge verursacht werden.

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Dr. Jörg Hoffmann
Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde am
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531/ 569- 2312
E-Mail: joerg.hoffmann(at)jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

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