Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg der Klimaverhandlungen entscheidend für langfristiges Klimaziel

15.11.2013
Für das 2-Grad-Ziel könnte es entscheidend sein, noch in dieser Dekade ein globales Klimaabkommen umzusetzen.

Andernfalls würde es sowohl im Hinblick auf die nötigen Emissionsreduktionen als auch auf die ökonomischen Folgen wesentlich schwieriger werden, das Ziel noch zu erreichen.

Dies zeigt der erste umfassende Modellvergleich eines internationalen Wissenschaftlerteams unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Fondazione Eni Enrico Mattei (FEEM) zu Szenarien der sogenannten Durban-Plattform.

Die Durban-Plattform-Verhandlungen sind Teil des gegenwärtigen Klimagipfels in Warschau. Sie zielen auf die Verabschiedung eines globalen Abkommens bis 2015, das 2020 in Kraft treten soll.

„Die Verhandlungen in Warschau sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem internationales Klimaabkommen bis 2015“, sagt Hauptautor Elmar Kriegler vom PIK. „Es mag berechtigte Zweifel daran geben, ob die Verhandlungen der Durban-Plattform zum Erfolg gebracht werden können. Unsere Analyse zeigt jedoch, dass bereits in den kommenden Jahren substantielle Emissionsreduktionen auf globaler Ebene eingeleitet werden sollten, um das 2-Grad-Ziel noch erreichen zu können.“ Je später Emissionen verringert werden, desto höher müssten die Reduktionsraten sein, um eine Erwärmung von mehr als zwei Grad noch vermeiden zu können – und desto höher wären die Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. „Bleiben die Emissionsreduktionen auf ihrem derzeitigen moderaten Niveau, könnte eine Verzögerung um weitere 10 Jahre die ökonomischen Herausforderungen wesentlich verschärfen“, sagt Kriegler.

Die Wissenschaftler untersuchten Szenarien möglicher Verhandlungsergebnisse der Durban-Plattform und ihre Folgen für die Erreichbarkeit des 2-Grad-Ziels im Vergleich verschiedener Modelle und Simulationen, um die Robustheit der Ergebnisse zu erhöhen. Als Teil des Projekts LIMITS (Low Climate lmpact Scenarios and the lmplications of Required Tight Emission Control Strategies) werden die Ergebnisse in einer Sonderausgabe der Zeitschrift Climate Change Economics veröffentlicht.

Gleichzeitig kann es eine gewisse Flexibilität bei der Umsetzung eines globalen Klimaabkommens zum 2-Grad-Ziel geben, wie die Studie zeigt. Um das Ziel in Emissionsreduktionen zu übersetzen, muss die Wahrscheinlichkeit für ein temporäres Überschreiten der 2-Grad-Marke als Grenzwert definiert werden. Die Wahl dieses Grenzwertes kann einen signifikanten Effekt auf die Anforderungen langfristiger Emissionsreduktionen und ökonomischer Folgen haben. Dabei bleibt die Notwendigkeit einer deutlichen Verstärkung der kurzfristigen Klimaschutzanstrengungen jedoch unverändert bestehen, da die globalen Emissionen in jedem der untersuchten Szenarien nach Inkrafttreten eines globalen Abkommens im Jahr 2020 zurückgingen.

Zusätzlich könnte das Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine Schlüsselrolle bei der Implementierung von Emissionspfaden der Durban-Szenarien spielen, etwa durch Technologien, die Energie aus Biomasse mit Carbon Capture and Storage (CCS) nutzen. Pflanzen absorbieren CO2, um zu wachsen, und könnten in Biogasanlagen weiter verarbeitet werden, die Emissionen aufgefangen und im Untergrund eingelagert werden.

Dies würde mehr Flexibilität beim langfristigen Ausgleich kurzfristig höherer Emissionsreduktionen bieten - allerdings auch das Risiko erhöhen, zeitweilig das 2-Grad-Ziel zu überschreiten. Und nicht zuletzt ruft die Nutzung dieser Technologien eine Reihe von Bedenken hervor. Die CCS-Technologie steht etwa noch nicht kommerziell zur Verfügung und die vermehrte Nutzung von Bioenergie könnte, etwa durch den den Wettbewerb um landwirtschaftliche Anbauflächen, beträchtliche Risiken mit sich bringen. „Es ist sehr riskant, sich darauf zu verlassen, dass die Emissionen der kommenden Jahrzehnte einfach aus der Atmosphäre entfernt werden können“, sagt Kriegler. „Wir brauchen diese Technologie vermutlich selbst dann, wenn ein globales Klimaabkommen 2020 in Kraft tritt. Je weiter sich jedoch der globale Klimaschutz verzögert, umso mehr müssten wir uns auf sie verlassen.“

„Aller Komplexität zum Trotz ist die Botschaft recht einfach“, sagt Kriegler. „Langfristig gibt es eine Reihe von Optionen, um auf 2-Grad-Kurs zu bleiben. Diese werden jedoch nur dann weiter offen stehen, wenn der globale Klimaschutz innerhalb der nächsten Dekade so verstärkt wird, dass die Emissionen nach 2020 absinken können.“

„Das zeigt, dass die Verhandlungen der Durban-Plattform noch immer zu einem mit dem 2-Grad-Ziel zu vereinbarenden Ergebnis führen können, wenn bis 2020 ein globales Klimaabkommen mit einem langfristigen Ziel erfolgreich eingeführt wird“, sagt Massimo Tavoni von FEEM. „Je weiter globaler Klimaschutz hinausgezögert wird, desto höher sind die nötigen Emissionsminderungen, und desto teurer wird es.“

Artikel: E. Kriegler, M. Tavoni, T. Aboumahboub, G. Luderer, K. Calvin, G. De Maere, V. Krey, K. Riahi, H. Rosler, M. Schaeffer, D. van Vuuren: What does the 2°C target imply for a global climate agreement in 2020? The LIMITS study on Durban Platform scenarios. To be published in a special issue of Climate Change Economics in early 2014.

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima

Jonas Viering | PIK Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.feem-project.net/limits/index.html
http://www.feem-project.net/limits/03_outreach_01_02.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Paradiese in Gefahr: Bayreuther Studierende forschen auf den Malediven zu Plastikmüll in den Meeren
13.04.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Ozeanversauerung: Wie individuell sind die Reaktionen?
06.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen