Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Empfehlungen zur Bewertung eingeschleppter Arten

22.12.2014

Die Verschleppung von Tier- und Pflanzenarten ist eine der massivsten - von Menschen verursachten - globalen Veränderungen. Und sie hat langfristige Konsequenzen: Manche eingeschleppten Arten zerstören die Lebensräume der heimischen Flora und Fauna, andere verursachen massive Schäden in der Landwirtschaft, manche wiederum beeinträchtigen die menschliche Gesundheit. Wie lassen sich die Auswirkungen eingeschleppter Arten richtig erfassen und bewerten?

Diese Fragen wurden von einer internationalen Forschungsgruppe beantwortet - mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Ergebnisse sind jetzt aktuell im renommierten Fachjournal BioScience erschienen.


Das aus dem Himalaya stammende Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört mittlerweile zu den häufigsten eingeschleppten Arten in Auengebieten. Tritt es in dichten Beständen auf, so verdrängt es heimische Arten.

Foto: Stefan Klotz/ UFZ


Fraßspuren der Raupe der Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella). Diese Mottenart hat ihren Ursprung in Mazedonien, befällt Roßkastanien und richtet dadurch große Schäden an.

Foto: André Künzelmann, UFZ

Die Website zur Pressemitteilung (inkl. Foto) finden Sie unter: http://www.ufz.de/index.php?de=33434


In den letzten Jahrzehnten wurden eine große Anzahl von Tier- und Pflanzenarten durch den Menschen verschleppt - mehr als 13.000 solcher gebietsfremder Arten sind in Europa bekannt. Die Auswirkungen dieser invasiven Arten auf die Biodiversität und auf den Menschen sind vielfältig. Manche Arten verändern naturnahe Lebensräume massiv - wie die Robinie, eine aus Nordamerika stammende Baumart, die Magerwiesen zuwachsen lässt und mit Nährstoffen anreichert.

Andere sind allergieauslösend - wie etwa das bekannte Ragweed, eine aus Nordamerika stammende Pflanze mit hoch allergenen Pollen, die sich in tiefen Lagen Österreichs derzeit rasch ausbreitet. Um effektive Regelungen zur Kontrolle invasiver Arten entwerfen zu können, ist es wichtig, die Größe dieser Auswirkungen quantifizieren zu können. So lässt sich klären, welche Arten heute oder in Zukunft zu den schädlichsten gehören und welche keine großen Auswirkungen haben. Dieses Wissen ist wiederum nötig, um zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können.

Von der Kunst, das Wichtige richtig zu studieren

Ein Team ausgewiesener ExpertInnen aus vier verschiedenen Kontinenten, darunter Prof. Ingolf Kühn vom UFZ aus Halle (Saale), hat eine Checkliste für das Studium der Auswirkungen von eingeschleppten Tieren und Pflanzen erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise qualitative Veränderungen an Ökosystemleistungen, Auswirkungen auf die genetische Vielfalt oder die Historie der invasiven Art.

"So vielfältig die Arten und Lebensräume, so schwer war es bisher die Studien darüber zu vergleichen. Mit der jetzt vorgestellten Arbeit gibt es endlich einen konzeptionellen Standard. Das hilft, künftige Untersuchungen besser planen zu können. Außerdem lassen sich so die Ergebnisse besser vergleichen und kommunizieren ", erklärt Ingolf Kühn. Und sein österreichischer Forscherkollege Dr. Franz Essl von der Universität Wien ergänzt: "Diese Empfehlungen haben eine hohe Bedeutung für die Praxis, denn es ist wichtig, die knapp vorhandenen Mittel zielgerichtet einzusetzen - also gegen jene Arten, die die größten Schäden verursachen."

Empfehlungen zum richtigen Zeitpunkt

Die Empfehlungen basieren auf jahrelanger Erfahrung der ForscherInnen und sie behandeln gezielt jene Themen, bei denen die Wissenslücken am größten sind (etwa die Frage, wie sich Erkenntnisse aus kleinflächigen Experimenten verallgemeinern lassen). Die Vorschläge kommen zeitlich gerade richtig, denn am 1. Januar 2015 tritt die neue EU-Verordnung zu gebietsfremden Arten in Kraft. Von diesem Zeitpunkt an, müssen EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung problematischer, gebietsfremder Arten ergreifen.

Publikation:
Sabrina Kumschick, Mirijam Gaertner, Montserrat Vilà, Franz Essl, Jonathan M. Jeschke, Petr Pyšek, Anthony Ricciardi, Sven Bacher, Tim M. Blackburn, Jamie T.A. Dick, Thomas Evans, Philip E. Hulme, Ingolf Kühn, Agata Mrugała, Jan Pergl, Wolfgang Rabitsch, David M. Richardson, Agnieszka Sendek, and Marten Winter (2014): Ecological Impacts of Alien Species: Quantification, Scope, Caveats, and Recommendations - A Unified Classification of Alien Species Based on the Magnitude of their Environmental Impacts. BioScience. doi:10.1093/biosci/biu193
http://bioscience.oxfordjournals.org/content/early/2014/12/12/biosci.biu193.short


Der Artikel entstand aus einem Workshop der Global Soil Biodiversity Initiative und des Synthesezentrums des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. iDiv wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und widmet sich der biologischen Vielfalt auf der Erde. iDiv ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig und wird zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena betrieben - sowie in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ und weiteren außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Ingolf Kühn
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: +49-345-558-5311
http://www.ufz.de/index.php?de=821
sowie
Dr. Franz Essl
Universität Wien / Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
M +43-676-609 16 38
http://cvl.univie.ac.at/mnb/Staff/staff_detail.cfm?Nachname=Essl
oder über
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640
sowie
Mag. Veronika Schallhart
Pressebüro der Universität Wien
T +43-1-4277-175 30 & M +43-664-602 77-175 30
http://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/


Weiterführende Links:
UFZ-Thema des Monats "Biodiversität und Verkehr": http://www.ufz.de/index.php?de=19324

Globalisierung belastet kommende Generationen mit biologischen Invasionen (Pressemitteilung vom 20. Dezember 2010)
http://www.ufz.de/index.php?de=20893
Reichtum ist ein größeres Risiko als der Klimawandel (Pressemitteilung vom 16. Juni 2010)
http://www.ufz.de/index.php?de=19723
Europas Pflanzenwelt verarmt (Pressemitteilung vom 8. Dezember 2009)
http://www.ufz.de/index.php?de=19137
Ökologen bringen Preisschilder bei invasiven Arten an (Pressemitteilung vom 22. April 2009)
http://www.ufz.de/index.php?de=18001
Anzahl fremder Pflanzen in Europa deutlich gestiegen (Pressemitteilung vom 16. September 2008)
http://www.ufz.de/index.php?de=17176

UFZ-Video "Invasion der Minke"
http://www.youtube.com/watch?v=HyfWvy3QtwM 

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. http://www.univie.ac.at

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau