Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronikschrott in Afrika: Risiken und Chancen

20.02.2012
Der Binnenkonsum in afrikanischen Ländern wie Nigeria und Ghana selbst ist eine der Hauptursachen für die dortige, wachsende Elektronikschrottproblematik.

85 Prozent des in West-Afrika anfallenden E-Schrotts stammen aus dem dortigen Gebrauch. Verstärkt wird das Problem durch den Strom an Altgeräten aus Europa und anderen Industrieländern. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP) unter Mitwirkung des Öko-Instituts.

Koordiniert durch das Sekretariat der Basler Konvention und in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Institut Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology (EMPA), dem Europäischen Netzwerk für die Umsetzung und den Vollzug von Umweltgesetzen (IMPEL) sowie den Regierungen von Benin, Côte d’Ivoire, Ghana, Liberia, Nigeria, Ägypten und Tunesien wertete das Öko-Institut in dem groß angelegten „E-waste Afrika Projekt“ Daten zur Elektronikschrott-Situation in den fünf zuerst genannten Ländern aus. Gleichzeitig schlagen der UN-Report „Where are WEee in Africa?“ sowie eine Reihe spezifischer Analysereports Lösungen vor, um die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Elektronikschrottrecyclings in West-Afrika zu verbessern.

Verbesserung des Recyclings und politische Strategien

„Der Bedarf, insbesondere das Recycling von Altgeräten zu optimieren, ist enorm“, erläutert Andreas Manhart, Projektleiter am Öko-Institut. „Viele Menschen arbeiten dort teilweise unter gesundheitlich extrem riskanten Bedingungen und bringen gefährliche Schadstoffe in die Umwelt. Wir haben deshalb lokale Recycler in mehreren Trainingseinheiten im fachgerechten Umgang mit Altgeräten und dessen Zerlegung geschult.“

Darüber hinaus begleitete das Öko-Institut gemeinsam mit den Partnern den nigerianischen und ghanaischen Diskussionsprozess um Lösungsansätze bei der Elektronikschrottthematik. In beiden Ländern hat dies bereits zu Gesetzesinitiativen geführt. Insgesamt ging es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darum, für West-Afrika gangbare Wege zu finden um Gesundheits-, Umwelt- und Ressourcenschutz auf der einen und die Bedeutung von Arbeitsplätzen auf der anderen Seite in kohärenten Strategien zusammen zu führen.

Nigeria und Ghana – Elektronikschrott in West-Afrika

Die Wissenschaftler des Öko-Instituts untersuchten im Detail die Funktionsweise und sozialen Auswirkungen der Second-hand- sowie der Elektronikschrott-Wirtschaft in Nigeria und Ghana. Zudem analysierten sie die Gebrauchtwaren- und Schrottströme von Europa nach West-Afrika. Insbesondere Lagos, mit 17 Millionen Einwohnern die größte Stadt West-Afrikas, ist Hauptumschlagplatz für neue und gebrauchte elektrische und elektronische Produkte.

„Kein anderes westafrikanisches Land importiert so viele Altgeräte wie Nigeria“, fasst Manhart die Ergebnisse zusammen. „Das bedeutet gleichzeitig, dass Reparatur und Recycling von Alt- und Schrottgeräten wichtige Arbeitsmärkte für die Menschen sind. Allein auf den zwei größten Märkten des Landes – dem Alaba Market und dem Ikeja Computer Village – reparieren und verkaufen 15.000 Menschen in 5.500 Kleinbetrieben gebrauchte elektrische und elektronische Geräte. Kein Reformansatz dieser – teilweise informellen – Sektoren kommt an der Frage vorbei, was mit den Arbeitsplätzen in Zukunft geschehen soll“.

Dabei gibt es durchaus positive Nachrichten. So existiert beispielsweise in Ghana eine überaus effiziente Sammelstruktur, mit der 95 Prozent aller Altgeräte erfasst werden. Dieser Wert liegt weit über den Kennzahlen der europäischen Länder.

„Beim Recycling sollte West-Afrika nicht einfach den europäischen Weg einschlagen“, fordert Manhart. „Denn in Europa sind die Verfahren oft auf einen möglichst geringen Arbeitskräfteeinsatz optimiert. Dies wäre in West-Afrika einerseits aus sozialen Gründen nicht akzeptabel, andererseits gehen bei vielen mechanisierten Verfahren auch wertvolle Rohstoffe unwiederbringlich verloren.“

Pressemitteilung der UNEP “Domestic Consumption is Main Contributor to Africa's E-Waste”

http://www.unep.org/newscentre/Default.aspxDocumentID=2667&ArticleID=9022&am...

Studie “Where are WEee in Africa?” E-Waste in West-Afrika von UNEP, Öko-Institut, EMPA, BCCC und anderen Partnern

http://www.oeko.de/oekodoc/1372/2011-008-en.pdf

Studie „Informal e-waste management in Lagos, Nigeria – socio-economic impacts and feasibility of inter-national recycling co-operations” des Öko-Instituts

http://www.oeko.de/oekodoc/1371/2011-008-en.pdf

Studie “Flows of used and end-of-life e-products from Germany, The Netherlands and Belgium” des Öko-Instituts

http://www.oeko.de/oekodoc/1370/2010-451-en.pdf

Weitere Informationen des Öko-Instituts zum Thema Elektroschrott-Recycling:

Pressemitteilung „Elektroschrott – jenseits von gut und böse“
http://www.oeko.de/presse/pressemitteilungen/dok/1041.php
Studie „ Socio-economic assessment and feasibility study on sustainable e-waste management in Ghana” des Öko-Instituts

http://www.oeko.de/oekodoc/1057/2010-105-en.pdf

Kurzfassung der Studie zum nachhaltigen Elektroschrott-Recycling in Ghana
http://www.oeko.de/oekodoc/1058/2010-106-de.pdf
Ansprechpartner am Öko-Institut:
Andreas Manhart
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V.
Telefon: +49 89-125900-77
E-Mail: a.manhart(at)oeko.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Romy Klupsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten