Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Barcode für die Schlange

26.02.2014

Auch mehr als dreißig Jahre nach Verabschiedung des Washingtoner Artenschutzabkommens floriert der Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten.

Je seltener, desto höher der Marktwert. Um der Welt dessen Auswirkungen vor Augen zu führen, haben die Vereinten Nationen den 3. März zum World Wildlife Day erklärt. Wissenschaftler wie der Reptilien-Experte Dr. Auliya warnen vor den ökologischen Folgen des Handels: „In vielen der ursprünglichen Lebensräumen breiten sich bereits Rattenplagen und Krankheitserreger aus, weil Reptilien als natürliche Jäger und Aasfresser wegfallen.“ Mit einer neuen Technik will er nun helfen, internationale Kontrollen zu verbessern – mit einem Barcode für die Schlange.

Für exklusive Taschen, Schuhe oder Gürtel importiert die europäische Modeindustrie jährlich hunderttausende Reptilienhäute aus Südostasien. Allein knapp 160 000 Netzpython-Häute werden pro Jahr aus Indonesien exportiert. Gleichzeitig werden jährlich wildlebende Pythons und Reptilien im Wert von 31 Mio. Euro gehandelt.

Doch dass die begehrten Arten auch eine wesentliche Bedeutung in ihren Lebensräumen spielen, wird nun zunehmend sichtbar. “Wo der Python als größter natürlicher Jäger fehlt, treten oft bereits echte Rattenplagen auf“, weiß Dr. Mark Auliya vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig von zahlreichen Forschungsreisen nach Südostasien zu berichten.  Vielerorts würden sich die Bauern über Unmengen an Ratten auf den Reisfeldern beklagen, die die Ernte wegfressen. „Es ist absurd, wie oft ich mit Schlangenfängern unterwegs war und links und rechts die Päckchen voller Rattengift lagen“, erzählt Auliya kopfschüttelnd.

Laut Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES-Abkommen, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) ist der Handel mit Netzpythons zwar legal, unterliegt aber einem bestimmten Genehmigungsverfahren und einer Quotenregelung. Dabei dürfen auch nur so viele Exemplare gehandelt werden, solange die Rolle der Art in ihrem Lebensraum nicht in Gefahr ist. Doch meist weiß keiner genau, aus welchen Regionen und Ländern die exportierten Exemplare genau stammen. Oft genug werden Zertifikate gefälscht oder bei ausgeschöpfter Quote aus Indonesien stammende Häute einfach ins Nachbarland Malaysia geschmuggelt. Will man jedoch den Handel mit Wildressourcen nachhaltig gestalten, muss kontrolliert werden, aus welchem Ökosystem in welcher Zeit wie viele Tiere einer Art entnommen werden.

Wie lässt sich also zweifelsfrei feststellen, welche Tiere aus welcher Region stammen? Dazu wollen Auliya und sein Team den genetischen Fingerabdruck des Erbgutes der Tiere nutzen. Anhand von Gewebeproben aus den Schlangenhäuten wollen sie zunächst herausfinden, wo die genetischen Unterschiede zwischen den einzelnen Populationen auf Sumatra, Borneo, den Molukken und all den anderen Inseln Indonesiens liegen. Dadurch soll es möglich werden, auch optisch gleich aussehende Populationen voneinander unterscheiden zu können. „Wir wollen so jeder Python-Population eine Art Barcode geben, sodass wir dann bei Kontrollen erkennen können, woher ein Exemplar stammt und nicht Gefahr laufen, ganze Inselpopulationen zu verlieren“, erklärt der Reptilien-Experte. In ein paar Jahren könnte der Zoll auf dieser Grundlage genetische Schnelltests durchführen, um die Angaben zur Herkunft zu überprüfen.

„Traurigerweise nimmt Deutschland als Hauptimporteure von lebenden exotischen Reptilien in der EU eine führende Rolle innerhalb des internationalen Reptilienhandels ein“, beklagt Auliya. Doch die Politik scheine die Dringlichkeit schärferer Kontrollen im internationalen Handel mit bedrohten Tierarten zu erkennen. Laut neuem Koalitionsvertrag soll nicht nur der Handel und die private Haltung von exotischen Tieren und Wildtieren nun bundeseinheitlich geregelt werden. Auch Importe von Wildfängen in die EU sollen grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden.

Lesen Sie den gesamten Artikel hier

Ansprechpartnerin:

Verena Müller
NeFo-Pressereferentin
Telefon: +49 341 235 1062 / Mobil: 0176 631 651 35
E-Mail: verena.mueller@ufz.de

Weitere aktuelle Meldungen aus der Biodiversitätsforschung finden Sie auch unter www.biodiversity.de

Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NEFO) ist eine Kommunikationsplattform für Wissenschaftler und Anwender von Wissen zur biologischen Vielfalt. Das Projekt wird im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland e.V. durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ein wichtiges Ziel ist es, die Forschung unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zur Biodiversität befasst, stärker ins öffentliche Licht zu stellen und mit aktuellen relevanten Politikprozessen zu vernetzen. Hierzu stellen wir direkte Ansprechpartner für Fragen aus Medien, Politik und Öffentlichkeit bereit, arbeiten aktuelle Themen auf und vermitteln Experten. Projektpartner sind das Museum für Naturkunde Berlin und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ. Weitere Informationen finden Sie unter: www.biodiversity.de 

Verena Müller | NEFO / UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten