Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

E-Waste verlangt nach globalem Recyclingkonzept

06.07.2009
Hightech-Verfahren minimieren Ressourcenverlust und Umweltbelastung

Ab 2012 müssen Entwicklungsländer jährlich mehr als 30 Mio. gebrauchte Computer entsorgen. Aus Industrienationen werden dann einer Gartner-Studie zufolge pro Jahr schon 69 Mio. Second-Hand-Geräte in Entwicklungsländer exportiert.

Aufgrund der dortigen Entsorgungspraktiken droht einerseits ein massiver Ressourcenverlust, andererseits belasten unsachgemäß gelagerte toxische Stoffe die Gesundheit von Mensch und Umwelt.

Trotz einer eindeutigen Gesetzeslage in Form der EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte von 2007 finden Exporte aus Europa weiterhin illegal statt. "Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen wird eine immer größere Anzahl an gebrauchten Computern auf Müllhalden in Entwicklungsländern landen oder unsachgemäß demontiert werden," gibt Meike Escherich, Chefanalystin bei Gartner, zu bedenken.

"Leiterplatten und andere Komponenten mit wertvollen Edelmetallen (beispielsweise Gold, Silber und Palladium) und Sondermetallen (Zinn, Indium und Antimon) können bei Nutzung von Hightech-Verfahren sehr effizient recycelt werden. Die Wiedergewinnungsquote liegt bei Edelmetallen über 95 Prozent", sagt Christian Hagelüken, Leiter des Bereichs Geschäftsentwicklung bei Umicore Precious Metals Refining http://www.preciousmetals.umicore.com , auf Anfrage von pressetext. In Entwicklungsländern hingegen kämen meist nur primitive Methoden beim "Recycling" von Metallen wie Gold und Kupfer zum Einsatz. Die Ausbeute liege dann im Falle von Gold bei unter 25 Prozent und damit um 70 Prozent unter den bei optimalen Bedingungen erzielbaren Quoten. Bei Silber oder Palladium sei von noch geringeren Wiedergewinnungsquoten auszugehen und Sondermetalle gingen vollständig verloren.

Untersuchungen haben auch gezeigt, dass zwar Sammlungs- und Sortierungstechniken in Entwicklungsländern tendenziell gute Ergebnisse nach sich ziehen. Ressourcenverluste sind dennoch nicht zu verhindern, da die Rückgewinnungsquoten hochmoderner Verfahren mit den dort geübten Praktiken bei weitem nicht erreicht werden. Zudem seien die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit dramatisch, so Hagenlüken weiter. So wirken sich Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertiges Chrom und bromhaltige Flammschutzmittel stark nachteilig auf Mensch und Umwelt aus, sollten Altgeräte modernen Hightech-Recyclingketten nicht zugeführt werden. Vorreiter wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen http://www.empa.ch engagieren sich daher über ihre Forschungsarbeit hinausgehend in Ländern wie Südafrika bei der Einführung von modernen Elektroschrott-Recycling-Systemen.

2007 wurden bereits 15 Mio. gebrauchte PCs in Entwicklungsländern entsorgt. In den nächsten Jahren drohe eine Verdoppelung, vor allem wegen einer verstärkten Nachfrage nach Neugeräten im Gefolge der Wirtschaftskrise, heißt es bei Gartner. Auch können die zur Fertigung der Platinen verwendeten Kunststoffe lediglich als Malgut neuen Kunststoffen zugesetzt und nicht als sortenreine Kunststoffe zurückgewonnen werden. Das Problem E-Waste verlangt daher nach einem globalen Recyclingmanagement und es bedarf einer strengeren Vollziehung geltender Gesetze. Neben finanziellen Anreizen würden auch verbesserte Aufbereitungsverfahren sowie ein nachhaltiges Produktdesign zu einer Verringerung des Ressourcenverlustes sowie von Umweltbelastungen führen. Ein besonderes Problem stellen mobile Endgeräte dar. So liegt die Rücklaufquote von Handys unter fünf Prozent und der Trend hin zu kompakten Geräten wie Smartphones oder Netbooks scheint angesichts immer leistungsfähigerer Anschlusstechnologien (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090617020/) ungebrochen.

Nikolaus Summer | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.preciousmetals.umicore.com
http://www.empa.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Mit der Filtermembran auf den Weltmarkt
12.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie