Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Gelbe Scheinkalla - Invasive Sumpfstaude erfolgreich zurückgedrängt

06.08.2014

Invasive Pflanzenarten können sich unter optimalen Bedingungen schnell ausbreiten. Sind ihre Vorkommen eher kleinräumig, besteht die Chance, die vorhandenen Bestände vollständig zu beseitigen - wie im Fall der Gelben Scheinkalla  Lysichiton americanus. 

Die invasive Sumpfstaude stammt aus dem pazifischen Nordamerika und ist dort in Feuchtgebieten zu finden, zum Beispiel in Feuchtwäldern oder an Ufern von stehenden oder fließenden Gewässern.

In Deutschland steht der "Stinktierkohl" oder "Riesenaronstab" - wie die Staude auch genannt wird - auf der Aktionsliste des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Sie gehört damit zu den zehn in Deutschland vorhandenen gebietsfremden Gefäßpflanzenarten, die im Naturschutz eine besondere Priorität haben, weil sie erst am Anfang ihrer Ausbreitung stehen und Sofortmaßnahmen vorhanden sind.

Die intensiven Beseitigungsmaßnahmen zeigen bei der Gelben Scheinkalla bereits Erfolg. Sie konnte - bisher als einzige invasive Pflanzenart in Deutschland - an allen bekannten Wuchsorten zurückgedrängt werden.  

Der Blüten- und Fruchtstand der Gelben Scheinkalla ähnelt dem des in Deutschland heimischen Aronstabs. Bei der invasiven Art erscheint der attraktive Blütenstand im zeitigen Frühjahr vor den Blättern. Der 12 bis 20 Zentimeter lange Kolben ist von einem gelben Hochblatt, der Spatha, umgeben und bildet nach der Blüte Beerenfrüchte mit je ein bis vier Samen aus.

Insgesamt können so an einem Kolben etwa 300 bis 650 Samen heranreifen. Allerdings gelangen nur ältere und kräftige Pflanzen zur Blüte und bilden in der Regel ein oder zwei Kolben. Zur Fruchtreife wird der Kolben fragil, löst sich vom Stiel und sinkt meist in unmittelbarer Nähe der Mutterpflanze zu Boden.

Die Samen verbleiben direkt neben der Mutterpflanze oder werden von fließendem Wasser erfasst und weitertransportiert. Im Heimatland Amerika tragen Nagetiere und Vögel zur Verbreitung bei. Ob das auch in Deutschland so ist, ist bisher noch nicht geklärt.  

Ursprünglich wurde die auffällige Staude mit den ungeteilten und gestielten Blättern, die bis zu 1,5 Meter lang werden können, in Deutschland vor allem in Garten- und Parkanlagen angepflanzt, zum Beispiel in den Botanischen Gärten in Frankfurt a. M. und in Berlin.

Als Teichpflanze wird sie vereinzelt im Gartenhandel angeboten. Die größten Vorkommen im Taunus stammen von einer bewussten Ausbringung in die Natur und wurden Anfang der 80er bis Anfang der 90er Jahre von Botanikern gefunden. Andere Vorkommen gehen vermutlich auf Verwilderungen aus Gartenabfällen zurück.  Lysichiton americanus  breitet sich ausschließlich generativ über Samen aus.  

Gartenbesitzer sollten auf eine Anpflanzung der invasiven Sumpfstaude verzichten, zumal das Ausbringen von gebietsfremden Pflanzen in der freien Natur nach dem Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich genehmigungspflichtig ist. Vorkommen in ökologisch sensiblen Gebieten und deren Umgebung sollten unbedingt beseitigt werden, weil die Art die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigt.

Da bisher keine vegetative Vermehrung beobachtet wurde, sind die Pflanzen am besten manuell durch Ausreißen zu beseitigen. Bei älteren Pflanzen sollten im Boden verbliebene Wurzeln möglichst in einem halben Meter Tiefe abgestochen werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie wieder austreiben. Wer auf den Aronstab im Garten nicht verzichten möchte, kann alternativ den in Deutschland heimischen Gefleckten Aronstab  Arum maculatum  pflanzen.

Heike Stommel, www.aid.de

Heike Stommel | www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops