Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CO2-Fußabdruck für Produkte: Forschungsverbund legt Ergebnisse vor

27.09.2013
Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) können von der Ermittlung des CO2-Fußabdrucks für ihre Produkte profitieren.

Er hilft ihnen dabei, die Produktion klimaschonender zu gestalten und kann das Ansehen beim Verbraucher erhöhen – wenn die Umwelt-Kennzeichnung glaubwürdig zum Image des Unternehmens passt. Denn Verbraucher stehen dem CO2-Fußabdruck für Produkte (Product Carbon Footprint – PCF) bislang eher skeptisch gegenüber. Allerdings haben sie durch ihr Einkaufs- und Konsumverhalten einen erheblichen Anteil an der Klimabilanz von Produkten.

Das sind zentrale Erkenntnisse aus der nun abgeschlossenen Arbeit des Forschungsverbunds „PCF-KMU“, die dieser am heutigen Freitag im Rahmen eines Ergebnis-Workshops an der Hochschule Darmstadt präsentiert.

Der Forschungsverbund geht seit 2010 der Frage nach, welchen Nutzen der CO2-Fußabdruck für Unternehmen und Verbraucher hat. Verbundpartner sind die Hochschule Darmstadt (h_da), die Hochschule Pforzheim und die Fachhochschule Bingen. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium mit einer Förderung in Höhe von insgesamt 750.000 Euro.

Im Zentrum der Arbeiten des dreijährigen Verbundprojekts standen Fragen der Methodik, um auf möglichst einfache, aber präzise Weise die Menge und die Anteile der Treibhausgase zu ermitteln, die im Lebenszyklus eines Produktes entstehen. Aus ihnen errechnet sich der CO2-Fußabdruck. Hierzu gehören alle Emissionen von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und den Vertrieb bis hin zur Nutzung durch den Verbraucher und anschließenden Entsorgung. Einen erheblichen Anteil an der Klimabilanz eines Produktes haben die Verbraucher. Beispiel Kaffee: die Zubereitung durch die Verbraucherin und den Verbraucher macht bis zu fünfzig Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes aus. Je nachdem, wie beispielsweise das Wasser erhitzt wird, wie verkalkt der Wasserkocher ist oder ob er der Kaffee mit einer Kapsel oder einem Filter zubereitet wird. Für Tee gilt das in ähnlicher Weise.

Um die für die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks nötigen Daten zu gewinnen, wurden in Kooperation mit Unternehmen aus der Lebensmittel- und Textilbranche Fallstudien durchgeführt. Die Forscher sind hierfür in die Unternehmen gegangen, um Informationen über die einzelnen Lebenszyklen eines Produktes zu erhalten. Sie erforschten den Ausstoß von klimaschädlicher Gasen auf dem Lebensweg von Wein, Bier, Apfelsaft, Mineralwasser, Tee, Öko-Textilien und Dispersionsfarbe. Die Unternehmen können hierdurch nun einschätzen, bei welchen Produktionsschritten besonders viel Kohlendioxid produziert wird und wo sich gegebenenfalls eine Einsparung erzielen lässt. Beteiligt hatten sich unter anderem die Firmen Merck (Darmstadt), Schott Solar (Mainz), Deutsche Amphibolin-Werke/Caparol (Ober-Ramstadt), Hess Natur-Textilien (Butzbach), Teekampagne (Potsdam) und die Kirner Privatbrauerei (Kirn), insgesamt etwa ein Dutzend Unternehmen aus ganz Deutschland.

Durchgeführt wurden die Fallstudien von der Hochschule Darmstadt und der Fachhochschule Bingen. Beteiligt waren hier die Sonderforschungsgruppe Institutionenanalyse (sofia) am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit der h_da sowie das Institut für Umweltstudien und angewandte Forschung (IESAR) und die Transferstelle für rationelle und regenerative Energiesysteme (TSB) der Fachhochschule Bingen. Im Fokus der Hochschule Pforzheim (Institut für Industrial Ecology – INEC) stand hingegen die Methodik der PCF-Bestimmung.

Die Einstellung der Verbraucher zu einer CO2-Fußabdruck-Kennzeichnung wurde in mehrstündigen Gruppendiskussionen erhoben. Geleitet und ausgewertet wurde dieser Teil des Projekts von Prof. Bernd Steffensen von der Hochschule Darmstadt. Ein zentrales Ergebnis: die Verbraucher sind dem CO2-Fußabdruck gegenüber skeptisch eingestellt und befürchten, dass die Industrie bei der flächendeckenden Einführung einer entsprechenden Kennzeichnung auf Produkten nicht für eine ausreichende Vergleichbarkeit der Angaben sorgt. Sie wünschen sich eine detaillierte Aufschlüsselung der CO2-Verbrauchsanteile am Produkt. Ein weiteres Ergebnis der Verbraucherbefragungen: hilfreich für das Image der Hersteller ist der Fußbadruck nur, wenn er glaubwürdig zum Unternehmen passt. Für Discount-Marken wäre er somit nicht effektiv.

Die aus dem Verbundprojekt gewonnenen Erkenntnisse arbeiten die Forscherinnen und Forscher nun in mehreren wissenschaftlichen Beiträgen auf. Unter anderem wurde ein Leitfaden zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks entwickelt, der kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Verfügung gestellt wird.

Ausführliche Informationen zum Projekt finden sich unter www.pcf-kmu.de

Fachlicher Ansprechpartner für die Medien
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit
Haardtring 100 D-64295 Darmstadt
Prof. Dr. Bernd Steffensen
Tel +49.6151-16-8736
Mail bernd.steffensen@h-da.de

Simon Colin | idw
Weitere Informationen:
http://www.pcf-kmu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie