Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemische Reinigung von Patienten-Urin

22.04.2009
150 Tonnen Röntgenkontrastmittel gelangen pro Jahr in den Wasserkreislauf / TU-Wissenschaftler entwickeln kostengünstiges Verfahren zur Behandlung von belasteten Abwassern

Allein 150 Tonnen Röntgenkontrastmittel gelangen in Deutschland pro Jahr in den Wasserkreislauf. Die iodierten organischen Verbindungen gelangen über den Urin von Patienten in Krankenhäusern und Diagnosepraxen ins Abwasser und können in Klärwerken nicht abgebaut werden.

Das Projekt "PharmaTreat" am Fachgebiet Wasserreinhaltung der Technischen Universität Berlin untersucht im Auftrag des Kompe-tenzzentrums Wasser Berlin derzeit, wie man den Patienten-Urin aus Klinken gewissermaßen chemisch reinigen kann. Finanziert wird die Studie von den Berliner Wasserbetrieben und dem Umweltdienstleister Veolia.

"Wir prüfen, wie man mit Hilfe von Eisen Wasser belastende Stoffe aus Krankenhäusern aus dem Wasserkreislauf fernhalten kann", berichtet Fachgebietsleiter Prof. Dr.-Ing. Martin Jekel. Dabei richtet sich das Interesse der Forscher neben den Röntgenkontrastmitteln (RKM) auch auf bestimmte Antibiotika und giftige Zytostatika. "Man hat diese Stoffe bereits in Oberflächengewässern, im Grund- und vereinzelt sogar im Trinkwasser gefunden", sagt Prof. Jekel, der sich bereits seit 15 Jahren mit dem Thema auseinandersetzt. Etwa 80 bis 100 pharmazeutische Stoffe gelangen in die Gewässer, so schätzt der Wissenschaftler. Davon sind einige potentiell als gefährdend für die aquatische Umwelt einzustufen.

"Wir haben die zu untersuchenden Stoffe anhand des Jahresverbrauches von Arzneien an der Berliner Charité ausgewählt", erläutert Dipl.-Ing. Michael Stieber. Mit Hilfe der Flüssigchromatographie und Massenspektroskopie wurden die Röntgenkontrastmittel Iopromid und Diatrizoat, die Zytostatika Methotrexat und Ifosfamid sowie die Antibiotika Ciprofloxacin, Cefuroxim und Piperacillin quantifiziert. Außerdem untersuchten die Forscher, welchen Einfluss pH-Wert, Temperatur und Rührgeschwindigkeit auf die Reaktion der Stoffe mit dem als Reaktionsmittel wirkenden Eisen haben. Ziel des von Veolia und den Berliner Wasserbetrieben finanzierten Forschungsprojektes sei es, ein kostengünstiges Verfahren für die Behandlung von mit Pharmaka belasteten Urin zu entwickeln.

In einem abgeschlossenen Reaktor, so erläutert der Doktorand, bilde sich an der Oberfläche von Eisenspänen adsorbierter atomarer Wasserstoff. "Dieser ist ausgesprochen reaktiv und wandelt die Schadstoffe so um, dass sie für die Mikroorganismen in den Kläranlagen besser abbaubar sind", erklärt Stieber. Eisensalze werden ohnehin in den Klärwerken eingesetzt - sodass hohe Eisenkonzentrationen in den Zuläufen der Kläranlagen sogar unterstützend wirken können.

Erste Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Stoffe (außer Methotrexat) in saurer Umgebung (bei pH-Wert 3) besonders schnell abgebaut werden. Bis die neue Technik allerdings auch angewendet werden kann, müsse die Politik tätig werden, fordert Prof. Jekel. "Bislang ist vom Gesetzgeber lediglich vorgeschrieben, den Urin von mit radioaktivem Iod behandelten Patienten gesondert zu entsorgen", sagt er.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Martin Jekel, Dr. Anke Putschew, Dipl.-Ing. Michael Stieber, TU Berlin, Institut für Technischen Umweltschutz, Fachgebiet Wasserreinhaltung, Tel.: 030/314-25058, Fax: -23850, E-Mail: wrh@TU-Berlin.de, Internet: www.itu.tu-berlin.de/wrh/index.htm

Hintergrundinformation:
2001 wurde das Kompetenzzentrum Wasser Berlin als gemeinnützige Netzwerkgesellschaft für Wasserforschung und Wissenstransfer gegründet. Gesellschafter sind Veolia Wasser, die Berlinwasser Gruppe sowie die TSB Technologiestiftung Berlin. Mit den Gesellschaftern und mehreren Berliner Fachgebieten, Forschungsinstituten sowie Firmen werden gezielt große Forschungsvorhaben vorbereitet und durchgeführt - mit finanzieller Unter-stützung seiner Gesellschafter sowie aus Fördermitteln der EU.
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
http://www.itu.tu-berlin.de/wrh/index.htm
http://www.bwb.de
http://www.kompetenz-wasser.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften