Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemiker untersuchen Gesteine für atomares Endlager

10.02.2010
In Deutschland und vielen anderen Ländern ist man noch auf der Suche nach unterirdischen Lagern, in denen die hochradioaktiven Abfälle aus Kernkraftwerken für Tausende von Jahren sicher aufbewahrt werden können.

Denn so lange wird es dauern, bis die radioaktiven Stoffe nach und nach zerfallen und keine Strahlung mehr in die umliegenden Gesteine abgeben können.

Chemiker der Universität des Saarlandes untersuchen im Rahmen eines Forschungsverbundes, wie sich Tongesteine durch radioaktive Stoffe verändern und welche Folgen ein Wassereinbruch in einem atomaren Endlager haben könnte.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat das Saarbrücker Forschungsprojekt jetzt bis 2011 verlängert und mit bisher insgesamt 695.000 Euro gefördert. Nachdem in früheren Forschungsprojekten Salz und das Modelltonmineral Kaolinit untersucht wurden, steht diesmal natürliches Tongestein wie zum Beispiel Opalinuston im Mittelpunkt. Für die Forscher um Horst Philipp Beck, Professor für Anorganische und Analytische Chemie und Radiochemie der Universität des Saarlandes, ist dieses Tongemisch eine Herausforderung. Denn neben Quarzen, Kalk und verschiedenen Mineralien enthält es auch organische Substanzen, die sich in ihrer Wechselwirkung wesentlich schwieriger analysieren lassen. Die Forscher wollen herausfinden, ob sich diese Tongesteine für die Lagerung von hochradioaktiven Stoffen eignen und ob sie auch als geologische Barriere gegenüber der Umgebung standhalten können. Sie ermitteln dafür, wie sich die radioaktiven Elemente auf ihrem Weg durch das Gestein verhalten, falls sie aus dem atomaren Endlager freigesetzt werden.

Die Radiochemiker gehen dabei vor allem der Frage nach, ob die radioaktiven Zerfallsstoffe von den Gesteinen festgehalten oder weiter transportiert werden. Sie wollen auch herausfinden, ob die radioaktiven Elemente wie zum Beispiel Uran, Neptunium und Plutonium oder deren chemische Stellvertreter (Metalle der Seltenen Erden) bei einem Wassereinbruch freigesetzt werden oder ob sie sich vor Ort an Oberflächen ablagern und dort unbeweglich verharren. Außerdem untersuchen sie, ob organische Materialien, die in natürlichen Grundwässern vorkommen, die Verbreitung von radioaktiven Substanzen beschleunigen. Auch andere nichtradioaktive Stoffe werden auf mögliche Wechselwirkungen mit den atomaren Abfällen und dem Tongestein überprüft.

An dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Forschungsverbund sind neben der Universität des Saarlandes auch die Universitäten in Dresden, Mainz, München und Potsdam beteiligt sowie verschiedene Forschungszentren in Dresden, Karlsruhe und Leipzig (FZD, KIT, IIF). Insgesamt hat das Bundesministerium seit 2006 über fünf Millionen Euro für das Verbundprojekt bereitgestellt, um Gesteinsformationen zu untersuchen, die sich für ein Endlager eignen könnten. An der Universität des Saarlandes ist Dr. Ralf Kautenburger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Anorganische und Analytische Chemie und Radiochemie, für die Planung, Koordination und Projektleitung zuständig. Mit den Fördermitteln des Bundes konnten die Saarbrücker Wissenschaftler vor kurzem ein neues induktiv gekoppeltes Plasma-Massenspektrometer (ICP-MS) anschaffen, mit dem man auf sehr detaillierte Weise die Spuren von chemischen Elementen analysieren kann.

Fragen beantworten Ihnen:

Prof. Dr. Horst Philipp Beck
Tel: 0681 / 302- 2481
PD Dr. Ralf Kautenburger
Tel: 0681 / 302-2171
r.kautenburger@mx.uni-saarland.de
Weiterführende Literatur:
Kautenburger, R. (2009) Journal of Analytical Atomic Spectrometry 24, 934-938.
Kautenburger, R. und H.P. Beck (2008) ChemSusChem 1, 295-297.
Kautenburger, R., Nowotka, K. und H.P. Beck (2008) In: Migration of actinides in the system humic substance, aquifer: 217-262 (C.M. Marquardt, Ed.), FZKA 7407, Karlsruhe.

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/fak8/beck/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise