Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chancen zur Rettung seltener Gazellenart deutlich gestiegen

14.09.2011
Dorkasgazellen sind nah untereinander verwandt – egal ob sie aus Westafrika oder Israel kommen. Das belegt eine genetische Studie der Abteilung Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe Universität. Dank dieser neuen Erkenntnisse steigen die Chancen, die Tiere doch noch zu retten.

Heute leben nur noch wenige zehntausend Dorkasgazellen (Gazella dorcas). Wo früher große Herden durch die Sahara streiften, sind jetzt nur noch kleine, versprengte Restgruppen geblieben. Frankfurter Wissenschaftler der Goethe-Universität und des Biodiversität und Klimaforschungszentrums (BIK-F) konnten jetzt zeigen, dass die Gazellen bereits in der Steinzeit auf der Abschussliste standen. Schon damals hatten die Menschen gelernt, so effektiv zu jagen, dass selbst diese flinken Tiere nicht entkommen konnten. Obwohl Gazellen heute als Nahrung keine Rolle mehr spielen, verschwinden sie zunehmend. Und das schneller als je zuvor. Besonders die Jagd mit Schusswaffe und Jeep ist Ursache für diesen Verlust. Will man die Bestände retten, muss man Tiere aufziehen und auswildern.


Dorkasgazellen in der Aufzuchtstation in Saudi Arabien. Die farbigen Bänder um den Hals dienen zur Identifikation der Weibchen. Foto: Hannes Lerp

Unklar war bisher, ob man beispielsweise Gazellen aus Marokko auch im Sudan aussetzen könnte. Sind die Tiere genetisch zu unterschiedlich, kommt es in der Wildnis zur Vermischung. Wenn die Nachkommen schlechter an die Umgebung angepasst sind, pflanzen sie sich auch schlechter fort. Die genetischen Untersuchungen haben nun aber gezeigt, dass dieses Risiko nicht besteht. Alle heute lebenden Tiere sind nah miteinander verwandt und können problemlos Nachkommen zeugen.

Die Frankfurter Forscher verglichen mit Hilfe von Kollegen einer Aufzuchtstation in Saudi-Arabien die Erbsubstanz verschiedener Gazellen. Dabei konnten sie feststellen, dass alle Dorkasgazellen einer genetischen Linie angehören. Und das unabhängig von ihrer Herkunft. Folglich kann man die Gazellen aus Marokko zielgerichtet dort auswildern, wo die Tiere am stärksten bedroht sind und so die Bestände schützen. „Doch das so gefürchtete Artensterben kann nur dann abgewendet werden, wenn die Jagd stärker sanktioniert wird“, warnt Hannes Lerp, der die verwandtschaftlichen Verhältnisse im Rahmen seiner Doktorarbeit untersuchte. Gelingt es den örtlichen Behörden nicht stärker zu kontrollieren, werden alle Auswilderungsbemühungen letztlich vergeblich sein.

Publikation: Hannes Lerp, Torsten Wronski, Markus Pfenninger und Martin Plath, A phylogeographic framework for the conservation of Saharan and Arabian Dorcas gazelles (Artiodactyla: Bovidae), doi.org/10.1007/s13127-011-0057-z

Informationen: Hannes Lerp, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biologie-Campus Siesmeyerstraße, Tel.: (069) 798-24718, hannes.lerp@gmx.de, http://bio.uni-frankfurt.de/ee

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://bio.uni-frankfurt.de/ee

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven
22.11.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen

23.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Magnetfeld-Sensor Argus „sieht“ Kräfte im Bauteil

23.11.2017 | Physik Astronomie

Max-Planck-Princeton-Partnerschaft in der Fusionsforschung bestätigt

23.11.2017 | Physik Astronomie