Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundesamt für Naturschutz wirbt für den Schutz der Ostsee-Schweinswale

14.05.2013
Schweinswale in der Ostsee stark gefährdet
Schallemissionen und Beifänge sind Ursachen für den Rückgang

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die Vertragsstaaten des Abkommens zum Schutz von Kleinwalen (ASCOBANS) wollen den Ostsee-Schweinswal am Pfingstsonntag besonders würdigen. Aus diesem Anlass weist das Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf die ungebrochen starke Bedrohung und den notwendigen Schutz der Ostsee-Schweinswale hin.

Das BfN engagiert sich seit langem für den Schutz der Schweinswale, der kleinsten und einzigen heimischen Walart in unseren Gewässern. Diese kleinen Zahnwale werden nur knapp zwei Meter lang und bis zu 80 kg schwer. Sie kommen in Nord- und Ostsee in getrennten Populationen vor, wobei sich die Ostseeschweinswale in zwei weitere Subpopulationen unterteilen lassen.

Obgleich in Europa seit Jahren zahlreiche internationale Schutzbemühungen und Abkommen für den Schweinswal existieren, sind die Bestände noch immer gefährdet, vor allem in der östlichen Ostsee. Im Rahmen des Regionalabkommens ASCOBANS wurden daher bereits vor einiger Zeit Erhaltungspläne für Schweinswale in der Nord- und Ostsee erstellt, auch unter Mitwirkung des BfN. Sie widmen sich vor allem der Verminderung oder Beseitigung der Bedrohungen, denen diese sensiblen Meeressäugetiere ausgesetzt sind, z.B. durch Unterwasserlärm oder unbeabsichtigte Beifänge in der Fischerei.

„Werden Schweinswale in der westlichen Ostsee noch verhältnismäßig häufig gesichtet, so sind sie östlich des Darß kaum noch zu finden. Ihre Population ist stark gefährdet, wenn nicht sogar vom Aussterben bedroht“, so Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, „Hier besteht dringender Handlungsbedarf!“

Schweinswale orientieren sich mit Hilfe von Echoortung. Auch zur Verständigung untereinander und bei der Jagd senden sie Klicklaute aus. Diese können mit stationären Unterwassermikrofonen, so genannten Klick-Detektoren aufgezeichnet werden und erlauben so Rückschlüsse auf in diesem Bereich vorbeischwimmende Schweinswale. Im Rahmen eines groß angelegten internationalen Forschungsprogramms namens SAMBAH wurden 2011 erstmals über 300 (!) solcher Unterwassermikrofone über die ganze Ostsee verteilt ausgebracht. In Deutschland wird SAM-BAH vom Bundesamt für Naturschutz gefördert und von Forschern des Deutschen Meeresmu-seums in Stralsund durchgeführt.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Schweinswale sogar bis hinauf in finnische Gewässer vorkommen, ihre Zahlen aber offensichtlich gering sind. Die Wissenschaftler werden die SAM-BAH-Mikrofone im Mai dieses Jahres zum letzten Mal bergen und die Daten detailliert auswerten. Sie sollen helfen, konkrete Empfehlungen für den Schutz dieser seltenen Wale vorzuschlagen und einen ostseeweiten Dialog mit den Naturschutzbehörden, der Fischerei und den Akteuren der maritimen Wirtschaft zu forcieren.

Auf der Grundlage der Daten aus Monitoring-Programmen des BfN und des SAMBAH-Projektes entwickeln Wissenschaftler in Deutschland gemeinsam mit dem BfN derzeit Managementpläne für die Schweinswalpopulationen in Nord- und Ostsee. Die Minimierung von Gefährdungen steht dabei ebenso im Vordergrund wie die Sicherung von Fortpflanzungs- und Nahrungsgebieten. Diese Art-Managementpläne beziehen sich daher nicht allein auf die Meeresschutzgebiete in der AWZ, sondern sie gelten für den gesamten Meeres- und Küstenbereich. Wirkungsvolle Schutz-maßnahmen sollen die Schweinswal-Bestände stabilisieren, damit diese faszinierenden Tiere auch zukünftig in den deutschen Meeren ihre Heimat haben.

Das BfN veröffentlicht zum Internationalen Tag des Schweinswals einen Kurzfilm von rund 3min Länge, der ab 17.05.2013 auf den Websites des BfN www.bfn.de und www.habitatmare.de zu finden ist. Der Clip wird am Tag des Ostsee-Schweinswals am 19.05.2013 auch an einem Informationsstand im Ozeaneum Stralsund gezeigt.

Hintergrundinformation Gefährdung der Schweinswale:
Zu den Hauptgefährdungen gehört insbesondere Unterwasserschall – durch Schiffsverkehr oder seismische Untersuchungen, neuerdings auch durch Lärm, der beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen ent-steht, die zunehmend in Nord- und Ostsee installiert werden. Das Rammen der Fundamente verursacht erhebliche Schallemissionen, die schädliche Auswirkungen auf Schweinswale haben können. So konnten z.B. bei Rammungen ohne Schallschutz Scheuchwirkungen und Verhaltensänderungen bis in Entfernungen von mehr als 20 km nachgewiesen werden. Ohne einen wirksamen Lärmschutz erleiden die Tiere in der Nähe der Bautätigkeiten zudem schwere Hörschäden oder weitere Schäden die zum Tode führen können. Um Verletzungen bei Schweinswalen zu verhindern, wurden von den Genehmigungsbehörden ein genauer Ablauf des Rammverfahrens sowie Grenzwerte für den Unterwasserschall festgelegt, die bei der Rammung eingehalten werden müssen. Wirkungsvolle Schallminderungsverfahren oder Gründungsformen der Windanlagen ganz ohne intensive Schallemissionen werden in Zukunft eine steigende Bedeutung erlangen.

Eine weitere große Gefahr besteht für Schweinswale vor allem auch durch (unbeabsichtigte) Beifänge in der Schlepp- und Stellnetzfischerei, insbesondere in der Ostsee. Die feinen Netze sind für Schweinswale kaum zu orten. Die Tiere verfangen sich darin und ertrinken. Immer wieder werden auch tote Schweinswale mit Netzmarken gefunden. Eine zunehmende Zahl von Fischern kooperiert mit Wissenschaft und Natur-schutz und meldet die ungewollt gefangenen Kleinwale. Das Bundesamt für Naturschutz fördert seit einigen Jahren Forschungsvorhaben zur Entwicklung alternativer Fanggeräte und den Dialog mit den Fischern.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

nachricht Wälder beeinflussen den globalen Quecksilber-Kreislauf maßgeblich
13.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics