Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundesamt für Naturschutz stellt neuen Leitfaden "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" vor

12.09.2012
Greifvogelsilhouetten sind wirkungslos
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn hat jetzt eine neue Broschüre vorgestellt, die Tipps für das vogelfreundliche Bauen mit Glas und Licht gibt. Damit soll verhindert werden, dass Millionen von Vögeln gegen Glasscheiben prallen und sich tödlich verletzen. BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: „Am besten berücksichtigt man die Belange des Vogelschutzes schon bei der Planung von Gebäuden. Doch auch nachträglich kann man den Vogeltod an Glasscheiben verhindern. Die reichhaltig bebilderte Broschüre gibt dazu wertvolle Anregungen.“

Durchsichtige Glasscheiben suggerieren eine freie Flugbahn, oder es spiegeln sich Himmel oder Vegetation darin – Vögel nehmen Glas nicht als Hindernis wahr. Glas tötet unspezifisch: Seltene Vogelarten sind ebenso betroffen wie häufige, junge Vögel ebenso wie alte, gesunde wie geschwächte. Seit langem werden Greifvogelsilhouetten angepriesen, doch die Fachleute wissen längst: Diese Silhouetten haben keinen abschreckenden Effekt. „Die gleiche Wirkung hätten aufgeklebte Kreise oder Quadrate: Die Vögel prallen daneben an die Scheiben“, weiß BfN-Präsidentin Jessel. Um unnötige Vogelopfer zu vermeiden, solle man zuerst prüfen, ob überhaupt großflächig gefährliches Glas verwendet werden muss oder ob nicht alternative Materialien in Frage kommen. Wenn doch Glas eingesetzt wird, sollten Gefahrenstellen vermieden werden – etwa kein Glas übers Eck oder freistehend – und Glasflächen müssen für die Vögel sichtbar sein.

Über wirksame Markierungen, die Vögel auf das Hindernis aufmerksam machen, ist in den letzten Jahren viel geforscht worden.. „Die österreichischen Studien im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft etwa geben wertvolle Hinweise, welche Markierungen gut wirksam sind und welche weniger. Wer auf der sicheren Seite sein will, orientiert sich an diesen Ergebnissen,“ so Beate Jessel. Beachtet man bestimmte Grundregeln, kann man aber auch seiner gestalterischen Phantasie freien Lauf lassen. Als wichtigstes Prinzip gilt die „Handflächenregel“: Wenn gefährliche Glasflächen durch Markierungen gesichert werden sollen, darf keine freie Glasfläche größer sein als zehn Zentimeter Durchmesser. Viele Vögel bewegen sich sehr geschickt in dichtem Geäst. Ist der Abstand zwischen den Markierungen größer, könnten sie versucht sein, durch die vermeintliche Öffnung hindurchzufliegen. Doch man muss keine Scheibe mit klobigen Streifenmustern verunstalten: Stimmt der Kontrast zur Umgebung in Farbe und Helligkeit, genügen schon weniger als zehn Prozent Bedeckungsgrad, um Glasscheiben gut zu sichern. Meist kommt es auf die konkrete Situation vor Ort an: Ein Vorhang hinter der Scheibe bringt bei Spiegelungen vielleicht wenig, bei Durchsicht hingegen viel. Grundsätzlich sollten Markierungen an der Außenseite angebracht werden.

In Österreich gibt es eine Technische Regel, die definiert, welche Ergebnisse eine Markierung in einem standardisierten Testverfahren erbringen muss, um von „Vogelschutzglas“ sprechen zu können. „So weit sind wir in Deutschland leider noch nicht“, konstatiert Beate Jessel, „doch sollten wir uns an diesem Standard orientieren“. Eine andere Hoffnung, Vögel vor dem Glastod zu bewahren, hat sich bisher nicht erfüllt. Glas mit ultravioletten Markierungen, die für uns Menschen unsichtbar sind, von Vögeln aber wahrgenommen werden sollen, wird von den Experten angesichts schlechter Testergebnisse nicht empfohlen. „Völlig transparentes Glas und Vogelschutz sind leider unvereinbar“.

Auch dem Themenkomplex „Licht als Vogelfalle“ widmet sich die Broschüre. Denn nicht nur Insekten, sondern auch Vögel werden von nächtlichem Licht angelockt. Die meisten unserer Zugvögel sind nachts unterwegs. Licht von hohen Bauwerken oder Himmelsstrahlern („Skybeamer“) bringt ihr empfindliches Orientierungssystem durcheinander, lässt sie in die falsche Richtung fliegen oder gar mit Hindernissen kollidieren. Die Autoren der Broschüre werben für gezielte Beleuchtung: Künstliches Licht nur wo nötig, keine Abstrahlung über die Horizontale nach oben und Einsatz von Bewegungsmeldern sind einige der wichtigsten Empfehlungen zum Wohl der Insekten und Vögel.

Bezug:
Die Broschüre steht im Internet bereit unter www.vogelglas.info und unter www.bfn.de/.... Gedruckte Einzelexemplare können bei Naturschutzdienststellen der Bundesländer oder beim Bundesamt für Naturschutz angefordert werden:
SCHMID, H., W. DOPPLER, D. HEYNEN & M. RÖSSLER (2012): Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht. – 2., überarbeitete Auflage. – Schweizerische Vogelwarte Sempach. 58 S.

Hintergrund:
Die Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ wurde unter Federführung der Schweizerischen Vogelwarte Sempach erarbeitet und herausgegeben. Experten aus Österreich und Deutschland waren daran beteiligt. Es ist die zweite, überarbeitete Auflage der ersten Fassung aus dem Jahr 2008, in die zahlreiche neue Erkenntnisse der letzten Jahre eingearbeitet wurden. Alle Markierungen, die als hoch wirksam getestet wurden, sind an den Abbildungen gekennzeichnet; die getesteten Markierungsmuster sind in einer Übersicht in Wort und Bild dargestellt (S. 18ff.). Zahlreiche weitere Abbildungen regen zur Gestaltung im Sinne des Vogelschutzes an.

Die Broschüre wird im deutschsprachigen Raum verteilt und steht online zur Verfügung, so etwa auf der von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach unterhaltenen Website www.vogelglas.info (hier auch weiterführende Informationen) und auf der Homepage des Bundesamtes für Naturschutz unter www.bfn.de/.... Sie wird auch in französischer und italienischer Sprache erhältlich sein.

Als fachliche Ansprechstellen in Deutschland fungieren die Staatlichen Vogelschutzwarten der Bundesländer. Sie sind im ausführlichen Adressteil am Schluss der Broschüre aufgeführt.

Franz August Emde | Bundesamt für Naturschutz
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften